MEM-Unternehmen bestätigen die negativen Auswirkungen der Frankenstärke

26.03.15

Eine mit Unterstützung von BAK Basel durchgeführte Umfrage unter den Swissmem-Mitgliedfirmen bestätigt die grosse Betroffenheit der MEM-Industrie durch die erneute massive Überbewertung des Schweizer Frankens. Besonders ins Gewicht fallen die Margenverluste: Fast ein Drittel der befragten Firmen rechnen für 2015 mit einem operativen Verlust. Entsprechend breit sind die Gegenmassnahmen der Firmen. Klar im Vordergrund stehen Massnahmen zur Produkt- und Prozessoptimierung. Hingegen werden Massnahmen, welche die Mitarbeitenden direkt betreffen (z.B. Lohnsenkungen oder Arbeitszeiterhöhungen), derzeit nur zurückhaltend umgesetzt. Die mittelfristigen Konsequenzen der Frankenstärke für den Industriestandort Schweiz dürfen nicht unterschätzt werden. Falls der Wechselkurs auf dem aktuellen Niveau von 1.05 CHF/Euro verharrt, beabsichtigen 16 Prozent der antwortenden MEM-Unternehmen Teile ihrer Wertschöpfungskette ins Ausland zu verlagern.

Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) erzielte 2014 einen Umsatz von 85 Milliarden Franken und erwirtschaftete damit einen Anteil von neun Prozent am Schweizer BIP. Die Branche beschäftigt mehr als 330‘000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schweiz und ist damit ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Volkswirtschaft. Der Exportanteil der MEM-Industrie beträgt 78 Prozent. Davon werden rund 60 Prozent nach Europa ausgeführt. Die Abhängigkeit der Branche vom Euro-Wechselkurs ist deshalb sehr hoch.

 

Margeneinbruch bei den Unternehmen

 

Nach der Aufhebung des Mindestkurses durch die SNB hat Swissmem mit Unterstützung von BAK Basel zwischen Mitte Februar und Mitte März 2015 ihre Mitgliedfirmen über die Auswirkungen der erneuten massiven Überbewertung des Schweizer Frankens befragt. Die Resultate der Umfrage bestätigen die hohe Betroffenheit der MEM-Industrie. Neun von zehn Firmen (92%) haben mit negativen Auswirkungen zu kämpfen, konkret mit Auftrags-, Umsatz- und Margenverlusten. Besonders ins Gewicht fallen die Margenrückgänge. Erfahrungsgemäss erzielen Industriefirmen im Durchschnitt eine EBIT-Marge von 4 bis 8 Prozent. Als Folge des starken Frankens rechnen 63 Prozent der antwortenden Firmen mit einem Margenrückgang von mindestens 4 Prozentpunkten. Das bedeutet, dass viele dieser Firmen 2015 hohe Gewinneinbussen verkraften müssen beziehungsweise Verluste schreiben werden. Tatsächlich gehen 31 Prozent der Betriebe wegen der Frankenaufwertung in diesem Jahr von einem operativen Verlust (auf Stufe EBIT) aus. Diese Erwartungen gelten für KMU und grosse Unternehmen gleichermassen, wobei KMU tendenziell etwas stärker negativ betroffen sind als Grossbetriebe.

 

Produkt- und Prozessoptimierungen im Vordergrund

 

Um die negativen Auswirkungen der Frankenstärke zu dämpfen, reagieren die Unternehmen der MEM-Industrie mit einer Vielzahl von Massnahmen. Im Vordergrund stehen betriebliche Massnahmen wie Effizienzsteigerungen (64% der Firmen), rigoroses Produktkostenmanagement (57%) und Massnahmen zur Forcierung der Innovation (48%). Es fällt zudem auf, dass über die Hälfte der Unternehmen (51%) nach dem SNB-Entscheid gezwungen waren, die Preise zu senken, um nicht aus dem Markt gedrängt zu werden. Das ist einer der Gründe für die teilweise massiven Margenverluste. Ebenso auffällig ist, dass Massnahmen, welche die Mitarbeitenden direkt betreffen, zurzeit nur sehr zurückhaltend ergriffen werden. Der Anteil der Unternehmen, welche Lohnsenkungen, Lohnzahlungen in Euro oder die Erhöhung der Arbeitszeit umgesetzt haben, liegt zurzeit durchwegs im einstelligen Prozentbereich. Das widerspricht der von gewissen Gewerkschaften kolportierten Behauptung, dass die Massnahmen gegen die Frankenstärke vor allem auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetragen werden.

 

Konsequenzen für den Werkplatz Schweiz

 

Von besonderem Interesse sind die langfristigen Konsequenzen für den Industriestandort Schweiz. Diese sind stark davon abhängig, wie sich der Wechselkurs zum Euro entwickeln wird. Die Firmen der MEM-Industrie gehen in ihrer Planung für das laufende Jahr von einem durchschnittlichen Wechselkurs von 1.05 CHF/Euro aus. Falls sich dies bestätigen sollte, würden gemäss Umfrageresultate ein Sechstel (16%) der antwortenden Unternehmen mindestens Teile der Produktion ins Ausland verlagern. Neun Prozent der Firmen würden die Forschung und Entwicklung (F&E) sowie vier Prozent die Administration verlegen. Rund ein Drittel jener Firmen (32%), die Produktionsverlagerungen prüfen, wird diesen Entscheid bis Ende 2015 fällen. Ebenfalls bis Ende 2015 entscheidet ein Viertel der Firmen, welche die Verlagerung von F&E ins Auge fassen. Werden diese Verlagerungsentscheide tatsächlich so gefällt, würden sie für den Werkplatz Schweiz substanzielle Verluste an Arbeitsplätzen und Know-how nach sich ziehen. Auch ein Kursniveau von durchschnittlich 1.10 CHF/Euro hätte Konsequenzen für den Industriestandort Schweiz, jedoch in abgeschwächter Form (Verlagerung von Teilen der Produktion: 7% der Firmen / Verlagerung von F&E: 4% der Firmen / Verlagerung der Administration: 1% der Firmen). Der Werkplatz Schweiz würde in diesem Szenario wohl mit einem «blauen Auge» davonkommen.

 

Die Umfrageresultate zeigen im Weiteren, dass kleine Unternehmen (bis 59 Mitarbeitende) durchwegs weniger Handlungsspielräume haben als mittlere und grosse Unternehmen. Kleinen Firmen ist es aufgrund ihrer Grösse und finanziellen Möglichkeiten oft nicht möglich, ihre Produktion zu verlagern oder Auslandsinvestitionen zu tätigen.

 

Insgesamt belegen die Umfrageergebnisse, dass die Konsequenzen der gegenwärtigen Frankenstärke nicht unterschätzt werden dürfen. Die Unternehmen werden zwar alles tun, um den Aufwertungsschock des Schweizer Frankens einmal mehr zu absorbieren. Vielen Unternehmen wird dies in den nächsten ein bis zwei Jahren gelingen, so dass es aus Sicht von Swissmem nicht zu einer Desindustrialisierung der Schweiz kommen wird. Fakt ist jedoch auch, dass zahlreiche Betriebsstandorte und deren Arbeitsplätze gefährdet sind. In welchem Ausmass ist im Moment schwierig abzuschätzen.

 

Angesichts dieser Situation ist es zwingend notwendig, dass die Politik rasch die Rahmenbedingungen für die Exportwirtschaft verbessert, damit diese langfristig ab dem Werkplatz Schweiz konkurrenzfähig bleiben kann. Es gibt zahlreiche offene politische Dossiers, deren Ausgestaltungen wesentlichen Einfluss darauf haben werden. Im Vordergrund stehen Dossiers wie die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative, die damit in Verbindung stehende Sicherung der Bilateralen Verträge, die Unternehmenssteuerreform III, die Energiestrategie 2050, der Zugang zu wichtigen Märkten mittels neuen Freihandelsabkommen sowie der Volksentscheid zur Erbschaftssteuer-Initiative. Generell dürfen die Unternehmen nicht mit neuen regulatorischen Einschränkungen, Steuern und Abgaben belastet werden. Im Gegenteil muss die Politik zur Stützung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe Deregulierungen und finanzielle Entlastungen in die Wege leiten. Kurzfristig erwartet Swissmem, dass der Bund Massnahmen zur Innovationsförderung prüft. Das KTI-Programm von 2011 hatte durchaus eine positive Wirkung. Letztlich sind Innovationen der grösste Hebel, um mittelfristig die Margen wieder auf ein akzeptables Niveau zu heben.

 

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