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«Eine breit angelegte Sparkampagne für Gas muss umgehend beginnen»

Die Gasversorgung der Schweiz im kommenden Winter ist gefährdet. Dr. Jean-Philippe Kohl, Leiter Wirtschaftspolitik und Vizedirektor von Swissmem, ordnet die Lage ein. Er fordert, dass der Bund sofort mit einer breit abgestützten Sparkampagne im ganzen Land beginnen muss.

Wie steht es um die Gasversorgung der Schweizer Industrie im kommenden Winter?

Mit dem heutigen Wissenstand gehen wir davon aus, dass die Gas-Versorgung der Schweiz für den kommenden Winter gefährdet ist. Die Nordsee-Pipeline «Nord Stream 1» von Russland nach Deutschland steht im Moment wegen Revisionsarbeiten still. Es ist fraglich, ob nachher wieder Gas geliefert wird. Wenn nicht, bedeutet das, dass es zu Versorgungsengpässen kommen könnte, weil zu wenig Gas vorhanden ist. Swissmem unterstützt sämtliche Bemühungen des Bundes, die Gasversorgung zu sichern und vor allem, genügend Gas in den vertraglich gesicherten Gross-Speichern im Ausland einzulagern. Nur so haben wir eine Chance, eine weiterhin drohende Mangellage wenigstens abzufedern.

Was bedeutet die Gefahr einer Gas-Mangellage für die Unternehmen?

Die Versorgung mit Energie ist für die produzierenden Betriebe essenziell. Gas wird einerseits als Heizenergie benötigt, andererseits liefert es sogenannte Prozesswärme. Das ist Energie, welche eingesetzt wird, um beispielsweise Metall zu bearbeiten, es zu schmelzen oder zu härten. Das braucht nebst enormen Mengen an Strom eben auch Gas. Teilweise verfügen die Betriebe über Zweistoffanlagen. Das heisst, sie können Gas durch Heizöl ersetzen. Das kann aber nur eine absolute Notlösung sein und ist aus Sicht des Klimaschutzes nicht nachhaltig. Mit der Gefahr einer Gas-Mangellage steigt zudem das Risiko, dass die Firmen ihre Aufträge und Bestellungen nicht rechtzeitig abarbeiten können. Das wäre in der aktuellen, angespannten Wirtschaftslage schlecht und würde im schlimmsten Fall zu Betriebsschliessungen und Entlassungen führen.

Was erwartet Swissmem jetzt von der Politik?

Wir haben es selbst in der Hand, wie viel Gas wir verbrauchen. Bereits jetzt, im Hochsommer, kann Gas eingespart werden, z.B. mit Verzicht auf die Beheizung von Schwimmbädern. Der Bund sollte so rasch wie möglich eine Sparkampagne starten, um die Bevölkerung auf eine drohende Gaskrise vorzubereiten und frühzeitig zu sensibilisieren. Diese soll breit angelegt sein, damit die ganze Bevölkerung erreicht wird. Wenn alle mitmachen – nicht nur Sozialpartner und Wirtschaft, sondern auch Sportlerinnen und Sportler, Kulturschaffende, die Politik – können wir die Menschen zum Handeln bewegen. Wenn wir alle in der kalten Jahreszeit die Heizung nur um wenige Grad reduzieren, spart das beträchtliche Mengen an Energie. Das Gas, das wir nicht verbrauchen, wird in den Schweizer Gasspeichern im Ausland eingelagert. Und steht uns im Winter zur Verfügung. Darauf müssen wir mit einem gemeinsamen Effort im ganzen Land hinarbeiten.

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