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Angespannte Lage in der MEM-Industrie

Die Lage in der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) hat sich in den vergangenen Monaten aufgrund der anhaltenden Frankenstärke weiter verschärft. Gemäss einer Umfrage von Swissmem befinden sich mittlerweile 36% der Mitgliedfirmen in der Verlustzone. Zudem verringern sich seit dem zweiten Quartal die Auftragseingänge. Die zahlreichen Gegenmassnahmen der Unternehmen und das gegenwärtige Wechselkursniveau reichen nicht aus, um die Situation in den Betrieben nachhaltig zu verbessern. Aus Sicht von Swissmem ist daher der Bedarf gegeben, den Franken weiter zu schwächen.

Auftragseingang der MEM-Industrie

Swissmem wiederholte im Oktober 2011 die Umfrage zu den Auswirkungen der Frankenstärke, die sie bereits Anfang Jahr unter den Mitgliedfirmen durchgeführt hatte. Die Ergebnisse bestätigen, dass sich die Situation in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) in den vergangenen Monaten weiter verschärft hat. 65% der Unternehmen (Februar 2011: 54%) gaben an, von der Frankenstärke «stark negativ» betroffen zu sein. Neben Auftrags- und Umsatzverlusten haben sich auch die Margenverluste trotz zahlreicher betrieblicher Gegenmassnahmen akzentuiert. Über die Hälfte der Firmen verzeichnet auf Stufe EBIT einen Margenrückgang von mehr als sechs Prozentpunkten. Mittlerweile schreiben deshalb 36% der MEMBetriebe (Februar 2011: 28%) operativ Verluste.

Drittes Quartal 2011: Negative Tendenz verstärkt sich
Auch die allgemeinen Zahlen zum Geschäftsgang der MEM-Branche zeigen eine negative Tendenz. Zwar ist die Bilanz über die gesamten ersten neun Monate betrachtet noch positiv. Die Umsätze stiegen um 3,9% und die Auftragseingänge um 6,4%. Das ist die Folge der guten Bestellungseingänge am Ende des letzten Jahres und im ersten Quartal 2011. Ab dem zweiten Quartal 2011 drehte die Entwicklung ins Negative. Bei den Auftragseingängen wies das zweite Quartal im Vorjahresvergleich ein Minus von 2,6% auf. Der Rückgang der Bestellungseingänge erhöhte sich im dritten Quartal auf -4,9%. Zudem hielt der Preisdruck infolge der Frankenstärke unvermindert an. In den ersten neun Monaten reduzierten sich die Exportpreise der MEM-Industrie um 4,8%. Es erstaunt daher nicht, dass die Geschäftserwartungen von den Unternehmen immer pessimistischer eingeschätzt werden. Aktuell rechnen über 35% der befragten Unternehmen in den nächsten 12 Monaten mit einer negativen Entwicklung der Aufträge aus dem Ausland. Nach dem ersten Quartal 2011 waren es erst 14% gewesen.


Franken weiterhin zu stark

Die aktuellen Branchenzahlen, die Ergebnisse der Swissmem-Umfrage, die Einschätzungen der Unternehmen und nicht zuletzt auch die sehr verhaltenden Konjunkturprognosen deuten auf ein schwieriges erstes Halbjahr 2012 hin. Die Festlegung der Wechselkursuntergrenze von CHF 1.20/€ durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anfang September verlieh den Unternehmen nach den turbulenten Sommermonaten zwar etwas Ruhe und vor allem Planungssicherheit. Jedoch sagen 72% der befragten Unternehmen, dass ein Wechselkurs von CHF 1.20/€ nicht ausreicht, um die Lage nachhaltig zu verbessern. Wenn der Wechselkurs auf dem gegenwärtigen Niveau verharrt, wird es in der MEM-Industrie im kommenden Halbjahr vermehrt zu Stellenabbau und Produktionsverlagerungen ins Ausland kommen.


Erwartungen von Swissmem

Um die negativen Auswirkungen der Frankenstärke zu dämpfen, erwartet Swissmem folgende Massnahmen:

  1. Die SNB hat stets darauf hingewiesen, dass sie bei Bedarf weitere Massnahmen zur Schwächung des Schweizer Frankens ergreifen wird. Aus Sicht Swissmem ist dieser Bedarf heute eindeutig gegeben. Swissmem überlässt es der SNB, wie dieses Ziel erreicht werden soll.
  2. Die Wachstumsmärkte für die MEM-Industrie liegen ausserhalb Europas. Damit die Industrie die sich bietenden Chancen besser nutzen kann, muss der Bund die geplanten Freihandelsabkommen mit Indien und China möglichst rasch abschliessen.
  3. Die Innovationsförderung des Bundes war in den letzten Jahren durch Unstetigkeit geprägt. Innovationsförderung ist jedoch eine langfristige Angelegenheit. Entsprechend ist Kontinuität gefragt. Swissmem fordert ein höheres, konstant bleibendes Grundbudget für die KTI, damit die Innovationstätigkeit in der Wirtschaft kontinuierlich gefördert werden kann.
  4. Im Zusammenhang mit Innovationen weist Swissmem einmal mehr auf die grosse Bedeutung der Personenfreizügigkeit hin. Innovationen sind nur mit hervorragenden Fachkräften auf allen Stufen möglich. Diese fehlen der Industrie. Deshalb ist der Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt für die Industrie enorm wichtig. Swissmem lehnt daher jegliche Einschränkungen der Personenfreizügigkeit mit der EU ab.
  5. Die Lohnstückkosten in Euro gerechnet sind in der Schweiz im Vergleich mit den wichtigsten Konkurrenten in den letzten Jahren massiv gestiegenen. Im Interesse der Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Exportindustrie muss die Politik dafür sorgen, dass die Last der Steuern, Gebühren, Abgaben und Regulierungen für die Industrie reduziert wird.
  6. Um die gefährdeten Unternehmen und damit auch deren Arbeitsplätze in der Schweiz zu retten, brauchen die Unternehmen Handlungsspielraum. Swissmem fordert daher die Sozialpartner auf, nicht in einer Verweigerungshaltung zu verharren sondern für zukunftsgerichtete Lösungen Hand zu bieten.

Zürich, 15. November 2011


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