Startseite Aktuelles Bildung – jetzt erst recht!
Ansprechpartner Dr. Sonja StuderDr. Sonja Studer
Bereichsleiterin Bildungspolitik
+41 44 384 48 66 +41 44 384 48 66 s.studernoSpam@swissmem.ch
Teilen

Bildung – jetzt erst recht!

Bei den meisten Unternehmen stehen Bildungsfragen momentan nicht zuoberst auf der Agenda. Viele leben und arbeiten seit Wochen im Ausnahmezustand, und neben dem Kampf gegen wegbrechende Auftragseingänge, den Anstrengungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und der Umsetzung von Schutzkonzepten bleibt wenig Zeit, sich mit der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden zu beschäftigen. Dabei ist das Thema Aus- und Weiterbildung jetzt wichtiger denn je.

Innovationsstärke, Exzellenz und Lernfähigkeit sind Voraussetzungen, um den Weg aus der Krise zu finden und sich in schwierigen Zeiten auf dem Markt zu behaupten. Ein Unternehmen, das auf gut ausgebildete Fachkräfte bauen kann, wird dabei entscheidende Vorteile haben. Seine Mitarbeitenden wiederum gewinnen durch fundierte Aus- und gezielte Weiterbildungen Perspektiven und Sicherheit.

Jugendliche, die am Ende ihrer Ausbildung oder ihrer Schulzeit stehen und jetzt die Weichen für ihre berufliche Zukunft stellen sollten, befinden sich in einer besonders schwierigen Situation. Das Team der Swissmem Berufsbildung hat in den letzten Wochen einen grossen Sondereffort geleistet, damit die Lernenden in den technischen und kaufmännischen MEM-Berufen ihre Ausbildung trotz der Pandemielage mit einem vollwertigen Abschluss beenden können. Leider mussten beim schulischen Teil der Qualifikationsverfahren Abstriche gemacht werden, da der Bund beschlossen hat, auf die Berufskundeprüfungen zu verzichten. Aber insgesamt überwiegt die Befriedigung, dass auf nationaler Ebene eine Lösung zur Durchführung der Qualifikationsverfahren gefunden werden konnte. So erhalten die jungen Berufsleute auch in diesem Ausnahmejahr am Ende ihrer anspruchsvollen Ausbildung die Möglichkeit, ihr erworbenes Können und Wissen unter Beweis zu stellen.

Die Berufe erlebbar machen

Jene Jugendlichen, die mitten in der beruflichen Orientierungsphase stecken, brauchen Gelegenheiten, trotz geschlossener Schulen und abgesagter Schnupperlehren Berufe und Unternehmen kennenzulernen. Zum Glück werden wir dieses Jahr nicht gänzlich auf die SwissSkills verzichten müssen. Zwar wurden die im September in Bern geplanten zentralen SwissSkills auf 2022 verschoben, aber die Berufsmeisterschaften finden trotzdem statt. Swissmem arbeitet an der Vorbereitung dezentraler Berufsmeisterschaften, in verschiedenen Landesteilen und direkt bei den Unternehmen. Und SwissSkills plant digitale Formate, damit Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrpersonen und weitere Interessierte im Herbst eine breite Palette an Berufen kennenlernen und erleben können.

Aber die Durchführung der Lehrabschlussprüfungen und der SwissSkills Championships 2020 allein wird nicht ausreichen, um den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Hierfür sind Bund, Kantone, Verbände und Organisationen der Arbeitswelt und nicht zuletzt die Unternehmen selbst gemeinsam gefordert.

Innovationen in der Bildung ermöglichen

Der Bund hat bereits eine Reihe von Massnahmen ergriffen. Die Ausweitung der Kurzarbeit auf Lernende hilft Ausbildungsplätze zu sichern. Eine neu einberufene «Task Force Perspektive Berufslehre 2020» soll dafür sorgen, dass auch dieses Jahr möglichst viele Jugendliche eine Lehrstelle finden. Und in der momentan im Parlament behandelten BFI-Botschaft ist auch für die kommenden Jahre eine solide Finanzierung der Bildungsgefässe und die Bereitstellung von Mitteln für Innovationen und Projekte im Bildungsbereich vorgesehen. Das ist wichtig und muss trotz Spardruck so bleiben.

Die Kantone tragen in der Berufsbildung ebenfalls eine grosse Verantwortung. Dass die überwiegende Mehrzahl die Durchführung der Qualifikationsverfahren gemäss dem nationalen Lösungsansatz ermöglicht, ist erfreulich. Nun sind die Kantone gefordert, die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Berufsfachschulen möglichst rasch wieder den regulären Präsenzunterricht aufnehmen können.

Swissmem unterstützt

Als Verband und Organisation der Arbeitswelt kann auch Swissmem das bildungspolitische Umfeld massgeblich mitgestalten und die Unternehmen der MEM-Branche bei der Entwicklung ihrer Fachkräfte unterstützen. Wir setzen uns in vielen verschiedenen Bereichen für die Aus- und Weiterbildung ein – sei dies mit raschen Massnahmen zum Umgang mit der Pandemielage, mit der Entwicklung praxisnaher Weiterbildungsangebote in der Swissmem Academy, Lobbyingaktivitäten für eine zukunftsfähige und arbeitsmarktnahe Bildungspolitik, der Unterstützung von MINT-Förderprojekten für Kinder und Jugendliche, Berufsmarketing und Berufsinformationen, mit umfassenden Reformprojekten in der beruflichen Grundbildung und Höheren Berufsbildung und vielem mehr.

Offenheit auf allen Bildungsstufen

Gefordert ist nicht zuletzt aber auch jedes einzelne Unternehmen der MEM-Industrie. Jetzt sind kluge Ideen gefragt, um trotz der momentanen Einschränkungen Erwachsene und Jugendliche für die Branche zu gewinnen, digitale Kontaktmöglichkeiten und Erlebnisse zu bieten, Ausbildungsplätze zu sichern und nicht zuletzt auch die Weiterbildung und Entwicklung der bestehenden Mitarbeitenden im Unternehmen zu ermöglichen. Dabei dürfen auch Erwachsene und ältere Mitarbeitende nicht aus dem Blick geraten. Wir rechnen damit, dass diese in Zukunft ihre Kenntnisse vermehrt erweitern, sich teilweise sogar beruflich ganz neu orientieren müssen. Diesen Herbst bieten wir in Zusammenarbeit mit Berufsfachschulen, Wirtschaftsförderungen und Berufs- und Laufbahnberatungen in der Region Berner Oberland / Oberwallis ein erstes Pilotprojekt zur Re- und Neuqualifizierung Erwachsener in einem technischen Berufsumfeld an. Die Anmeldefrist für das neue Angebot ist kürzlich angelaufen.

Wenn die Pandemiesituation neben allen Krisen und Schwierigkeiten etwas Positives bewirkt hat, dann dies: Viele von uns haben in den letzten Wochen eine ausserordentlich steile Lernkurve hingelegt, einen Digitalisierungsschub im Eilzugstempo durchlaufen, Routine im Umgang mit technischen Hilfsmitteln erlangt und immer wieder festgestellt, dass das Lernen und Arbeiten auf Distanz erstaunlich gut funktioniert. Wenn es gelingt, diese Offenheit und Lernkultur beizubehalten, sind wir gut gerüstet für den nächsten Aufschwung.

Verwandte Artikel