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Die Schweiz und ihre Nachbarregionen sind ein industrielles Powerhouse

Die Schweiz und ihre unmittelbaren Nachbarregionen bilden im Herzen Europas ein sehr leistungsfähiges, grenzüberschreitendes Produktions- und Forschungsnetzwerk. Als Absatzmarkt sind diese Regionen für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) gleich wichtig wie die USA und China zusammen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie, welche das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics in Basel für Swissmem erstellt hat. Darüber hinaus bestehen sehr enge betriebliche Verflechtungen und aussergewöhnlich zahlreiche Forschungs- und Entwicklungskooperationen. Die Bilateralen Verträge der Schweiz mit Europa leisten einen wichtigen Beitrag, damit dieses Netzwerk funktioniert. Sowohl die Schweiz wie auch ihre Nachbarregionen haben ein vitales Interesse, dass die Bilateralen Verträge erhalten und weiterentwickelt werden. Dafür braucht es zwingend ein institutionelles Rahmenabkommen. Swissmem begrüsst deshalb, dass der Bundesrat sich positiv zum Rahmenabkommen geäussert hat. Die Klärung der drei strittigen Punkte mit der EU muss rasch erfolgen. Darüber hinaus schlägt Swissmem vor, die gemeinsamen Interessen mit den unmittelbaren Nachbarregionen vermehrt zu bündeln sowie die Zusammenarbeit zu vertiefen.

Im Hinblick auf den diesjährigen Swissmem Industrietag hat das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics die wirtschaftliche Bedeutung der Nachbarregionen für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) untersucht. Im Fokus standen Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Nord- und Südtirol, die Lombardei, das Piemont sowie die angrenzenden französischen Departemente. Die Studienresultate zeigen, dass die Vernetzung der MEM-Industrie mit den Nachbarregionen aussergewöhnlich hoch und im gesamtwirtschaftlichen Vergleich überdurchschnittlich stark ist. Insgesamt bilden die Schweiz und ihre Nachbarregionen im Herzen Europas ein sehr leistungsfähiges, grenzüberschreitendes Produktions- und Forschungsnetzwerk. Für die Regionen auf beiden Seiten der Grenze ist dieses Netzwerk von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung. Es generiert Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wohlstand.

Gleich wichtig wie China und die USA zusammen

Die Güterausfuhren der Schweizer MEM-Industrie in diese Nachbarregionen erreichten 2018 einen Wert von 13,4 Milliarden Franken. Das ist fast gleich viel wie die Exporte in die beiden weltweit grössten Volkswirtschaften USA und China zusammen (CHF 13,7 Mia.). Direkt mit der Produktion dieses Exportvolumens verbunden sind in der Schweizer MEM-Industrie 45‘000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Nachbarregionen sind auch ein zentraler Beschaffungsmarkt für die MEM-Industrie. Ein Viertel (26%) der gesamten Warenimporte (CHF 8,7 Mia.) der Schweizer MEM-Unternehmen stammen aus den Nachbarregionen. Zudem ist rund jeder zehnte Beschäftigte in den Schweizer MEM-Betrieben ein Grenzgänger aus diesen Regionen. Ohne diese Grenzgänger wäre der Fachkräftemangel in der Schweiz noch viel ausgeprägter als er ohnehin bereits ist. Sehr zahlreich sind zudem die gegenseitigen Entsendungen von Fachpersonal.

Weitverbreitete Kooperationen in Forschung und Entwicklung

Die Verflechtungen mit den Unternehmen in der Nachbarschaft sind jedoch noch viel enger als es der Waren- und Personenverkehr bereits andeuten. Jede zweite Schweizer MEM-Firma mit einer eigenen Betriebsstätte im Ausland hat eine solche in den Nachbarregionen. Diese Betriebe sowie auch Drittunternehmen sind oftmals eng in die Wertschöpfungsketten der Schweizer MEM-Unternehmen eingebunden. Die Zusammenarbeit umfasst auch die Entwicklungs- und Innovationsarbeit. Mehr als die Hälfte aller Schweizer MEM-Firmen, die grenzüberschreitende Forschungs- und Entwicklungskooperationen betreiben, haben eine solche mit einer Firma aus den Nachbarregionen. Auch beim EU-Forschungsprogramm «Horizon 2020» sind die Verbindungen eng. In rund 60 Prozent der Schweizer MEM-Projekte ist mindestens eine Partnerinstitution aus den Nachbarregionen beteiligt.

Bedarf nach einem Rahmenabkommen mit der EU ist ausgewiesen

Die Bilateralen Verträge der Schweiz mit Europa leisten einen wichtigen Beitrag, damit dieses grenzüberschreitende Produktions- und Forschungsnetzwerk funktionsfähig ist. Nicht überraschend bezeichnen deshalb 88 Prozent der Swissmem Mitgliedfirmen die Bilateralen Verträge I für ihr eigenes Unternehmen als wichtig bis unverzichtbar. Diese sehr hohe Wertschätzung der Bilateralen ist keine Momentaufnahme. Eine vergleichbare Befragung hat im Jahr 2015 in einem konjunkturell schwächeren Umfeld eine ähnlich hohe Zustimmung ergeben. In der Tendenz hat die Wertschätzung der Bilateralen in den letzten vier Jahren noch zugenommen. Dies gilt insbesondere für die Forschungszusammenarbeit.

«Diese Studienergebnisse bestärken mich, weiterhin vehement für den Erhalt und die Weiterentwicklung des bilateralen Weges zu kämpfen. Dafür braucht es zwingend ein Rahmenabkommen», sagt Swissmem-Präsident Hans Hess. Dieses bringe den Schweizer MEM-Firmen Rechtssicherheit. «Ich bin deshalb sehr froh, dass der Bundesrat sich positiv zum vorliegenden Rahmenabkommen geäussert hat. Die vorgesehenen Klärungen müssen aber rasch erfolgen.» Ohne Rahmenabkommen bestünde die Gefahr, dass Schweizer Firmen künftig ihre Investitionen vor allem in den Nachbarregionen und nicht mehr in der Schweiz tätigten.

Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen vertiefen

Aus der Studie von BAK Economics lässt sich zudem ableiten, dass die Schweiz für ihre unmittelbaren Nachbarregionen von ähnlich grosser wirtschaftlicher Bedeutung ist wie umgekehrt. Diese haben also ebenfalls ein vitales Interesse, dass die engen Verflechtungen und vertraglichen Vereinbarungen bestehen bleiben sowie ausgebaut werden. Falls das Rahmenabkommen vorerst scheitert, müssten neue Wege in der Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen gefunden werden. Gerade im Forschungs- und Entwicklungsbereich dürfte auf Stufe Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitutionen sehr viel möglich sein, ohne mit übergeordnetem EU-Recht in Konflikt zu geraten.

Darüber hinaus schlägt Hans Hess vor: «Die Schweiz sollte mit den Nachbarregionen die gemeinsamen Interessen vermehrt bündeln und diese gezielt in den politischen Dialog mit den Regierungen unserer Nachbarländer sowie mit der EU einbringen.» Die Nachbarregionen bilden zusammen mit der Schweiz einen Markt von 52 Millionen Menschen. Nach Ausscheiden von Grossbritannien sind dies immerhin 11,6 Prozent der gesamten EU. «Ein regelmässiger, grenzüberschreitender Dialog mit unseren Nachbarregionen könnte einen Entwicklungsprozess in Gang setzen, der die Themen an unseren Grenzen wesentlich lokaler, schneller und pragmatischer lösen könnte», ist Hans Hess überzeugt. «Wir wollen nicht nur Nachbarn sondern auch Partner sein».


Download

"Die Bedeutung der EU-Nachbarregionen für die Schweizer MEM-Industrie"
Download BAK Studie (Juni 2019)


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