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Marc Eckold: «Die Bilateralen sichern Wohlstand und Arbeitsplätze in Graubünden»

Die SVP-Initiative «für eine massvolle Zuwanderung (Begrenzungsinitiative)» fordert, dass die Schweiz die Personenfreizügigkeit mit den EU-/EFTA-Ländern beendet. Damit riskiert sie die bilateralen Verträge. Denn kündigen wir die Personenfreizügigkeit, fallen auch die anderen sechs Abkommen der Bilateralen I automatisch weg. Das hätte schwerwiegende Konsequenzen – für einzelne Unternehmen, für den Kanton Graubünden sowie für die ganze Schweiz, sagt Marc Eckold. Er ist CEO der ECKOLD AG in Trimmis und erklärt im Interview mit Jürg Michel, Direktor des Bündner Gewerbeverbands, warum die bilateralen Verträge für die Schweiz unverzichtbar sind.

Marc Eckold (l.), CEO der ECKOLD AG beantwortet die Fragen von Jürg Michel, Direktor des Bündner Gewerbeverbands, zur Kündigungsinitiative.

Jürg Michel: Herr Eckold, Sie engagieren sich gegen die Kündigungsinitiative. Warum?

Marc Eckold: Erstens: Die Kündigungsinitiative setzt den bilateralen Weg leichtfertig aufs Spiel. Das ist fahrlässig. Schliesslich profitiert die Schweiz in vielfältiger Weise von den bewährten Beziehungen zur EU. Und zweitens: Die Volksinitiative der SVP bietet keine gleichwertige Alternative. Wer die Bilateralen beendet, sollte sich vorher gut überlegen, was danach kommt. 56 Prozent der Exporte der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie gehen in die EU. Geregelte Beziehungen sind unverzichtbar. Alles andere wird den Bedürfnissen der Wirtschaft nicht gerecht.

Jürg Michel: Welche Auswirkungen hätte eine Annahme der Kündigungsinitiative auf Ihr Unternehmen, die ECKOLD AG?

Marc Eckold: Wir entwickeln und produzieren in Trimmis Maschinen für die Blechbearbeitung mit sehr hohem Exportanteil und bieten unseren Schweizer Kunden CNC-Dienstleistungen, indem wir für ihre Maschinen Teile fertigen. Die EU ist für uns und unsere Kunden als Absatzmarkt von höchster Bedeutung. Dank dem «Abkommen über den Abbau technischer Handelshemmnisse » können wir in der Schweiz geprüfte und zugelassene Produkte auch in der gesamten EU verkaufen. Ohne die Bilateralen I müssten wir unsere Produkte in der EU extra noch einmal zertifizieren lassen. Das würde sehr viel Geld und Zeit kosten. Und diese Kosten verteuerten unsere Exporte. Für unser Familienunternehmen wäre das ein gewaltiger Wettbewerbsnachteil gegenüber unseren direkten Konkurrenten im Ausland. Noch mehr Nachteile als heute wollen wir auf gar keinen Fall. Schon heute schlagen wir uns mit Nachteilen gegenüber EU-Wettbewerbern herum. Viele wissen das gar nicht.

Jürg Michel: Welche sind das?

Marc Eckold: Zum Beispiel: Deutsche Wettbewerber können ein Ersatzteil kostengünstiger und schneller nach Italien liefern, als wir es von der Schweiz aus können, weil wir immer den Nachteil der Verzollung haben. Zweites Beispiel: Um ein Vorführgerät in der EU einem Kunden vor Ort zu zeigen, müssen wir ein aufwendiges Prozedere mit viel Administration bewerkstelligen für den Grenzübertritt in die EU und zurück. EU-Firmen können sich frei in der EU bewegen. Wie gesagt, diese und andere Nachteile sind schon genug. Noch mehr Nachteile und Zusatzaufwand wollen wir nicht. Abgesehen davon, importieren wir für unseren Bereich «Handel mit Fahrzeugtechnikteilen » in grossem Stil aus der EU. Auch hier sind wir froh, wenn keine zusätzlichen Probleme entstehen.

Jürg Michel: Inwiefern ist der Kanton Graubünden von der Kündigungsinitiative betroffen? Welche Konsequenzen haben wir zu befürchten?

Marc Eckold: Fallen die Bilateralen I weg, verlieren die Bündner Firmen die Beteiligung am EU-Binnenmarkt mit seinen 450 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. Einige Unternehmen könnten dadurch gezwungen oder versucht sein, ihre Produktion in einen EU-Staat zu verlagern. Natürlich hätte das schwere Konsequenzen für unseren Wirtschaftsstandort. Knowhow, Innovationskraft und wertvolle Arbeitsplätze gingen verloren. Denn alleine in meiner Branche – der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie – hängt mehr als jeder dritte Arbeitsplatz unmittelbar von Aufträgen aus der EU ab. Fakt ist: Die bilateralen Verträge sichern Wohlstand und
Arbeitsplätze in Graubünden und in der ganzen Schweiz.

Jürg Michel: Schlussendlich wird das Schweizer Stimmvolk über die Kündigungsinitiative abstimmen. Was sollen die Schweizerinnen und Schweizer bei ihrem Entscheid im Hinterkopf behalten?

Marc Eckold: Der bilaterale Weg ist eine Erfolgsgeschichte. Er erlaubt es der Schweiz, ihre Eigenständigkeit zu bewahren und der EU als Partnerin auf Augenhöhe zu begegnen. Die guten Beziehungen zu Europa sind ein Vorteil für uns alle. Und den dürfen wir auf keinen Fall gefährden.

Das Interview führte Jürg Michel, Direktor des Bündner Gewerbeverbands und erschien im Bündner Gewerbe 2/2020.

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