Kareen Vaisbrot, Leiterin Arbeitgeberpolitik

Flexible Lösungen für die Branche statt staatliche Keule

01.02.17
Von: Kareen Vaisbrot, Leiterin Arbeitgeberpolitik

Das politische Parkett für das Jahr 2017 ist gepflastert mit neuen Regulierungsvorsätzen. Ob Internet-Sperre, Vaterschaftsurlaub oder Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmende: Der liberale Arbeitsmarkt ist unter Druck. Dabei läge die Lösung näher, als die Politiker oft denken.

Glaubt man den Parlamentarierinnen und Parlamentarier der linken Parteien, muss es um die Arbeitsbedingungen in der Schweiz wahrlich schlecht bestellt sein. Die Schweizer Arbeitnehmenden müssen gemäss ihren Vorstössen und Ideen vor einem ganzen Strauss von Widrigkeiten des Arbeitslebens staatlich geschützt werden: Damit auf dem Nachhauseweg keine E-Mail beantwortet werden muss, soll gleich die Internet-Sperre ab 19:00 Uhr eingeführt werden. Damit frisch gebackene Väter auch gute Familienväter werden, soll ein obligatorischer Vaterschaftsurlaub mit Abwesenheit vom Arbeitsplatz von vier Wochen mittels Volksinitiative garantiert werden - selbstverständlich zum Teil auch auf Kosten des Arbeitgebers. Und damit die Chancen von älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben, wird ein weitgehender Kündigungsschutz ab 50 Jahren gefordert.

 

Viele dieser Vorsätze sind gut gemeint. Nur zielen sie gleich doppelt an der Realität und den Bedürfnissen des modernen Wirtschaftslebens vorbei. Sie sind weder im Interesse der Unternehmen, noch in jenem der Arbeitnehmenden. Solchen Regulierungen sind oft zu rigide und ignorieren die spezifischen Herausforderungen und Begebenheiten einer bestimmten Branche. Dazu ein Beispiel: Die Kunden international tätiger Firmen orientieren sich nicht an den Schweizer Büroöffnungszeiten. Wer mit Übersee ein Geschäft machen will, muss in Ausnahmefällen auch nach 19:00 Uhr zumindest per Mail erreichbar sein. Gleichzeitig muss nicht jede Nachricht umgehend beantwortet werden. Auf das gesunde Mass und die Eigenverantwortung kommt es an. Gerade im Umgang mit neuen Technologien müsste daher in den Mitarbeitenden investiert werden, anstatt ihn vor diesen Entwicklungen paternalistisch und hoheitlich verschonen zu wollen.

 

Gesamtarbeitsvertrag modern und branchennah

Die Regulierungswut der politischen Linken führt deshalb in die Sackgasse. Dabei gäbe es weit bessere Ansätze. Die Sozialpartner der MEM-Industrie sind dahingehend bereits einen Schritt – oder sollte man sagen viele Schritte – weiter. Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der MEM-Branche kennt zum Beispiel einen Vaterschaftsurlaub von fünf Tagen. Es ist eine Lösung, die für die Branche und ihre Bedürfnisse passt. Jede pfannenfertige Regulierung auf nationaler Ebene verunmöglicht den Sozialpartnern oder den einzelnen Unternehmen, eine bedürfnisgerechte und realistische Lösung auf Branchenebene zu finden. Damit steigen die Kosten, es sinkt die Flexibilität und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

 

Gleichzeitig ist Swissmem überzeugt, dass weitere Verbesserungen möglich sind. Wir wollen Frauen, Junge und ältere Arbeitnehmende im Arbeitsleben stärken. Dies erfordert nur schon der hohe Fachkräftebedarf der MEM-Unternehmen. Dafür setzt Swissmem eine eigene Fachkräftestrategie um, welche den Mitgliedsfirmen hilft, für sie passende Lösungen zu entwickeln. Swissmem betreibt dafür neu auch einen eigenen Fachkräfte-Blog, der Erfolgsgeschichten aus der Mitgliedschaft und Umsetzungstipps veranschaulicht. Swissmem hat mit der Plattform «find-your-future.ch» zudem eine Webseite geschaffen, welche erstmals sämtliche Karriere- und Bildungswege in der MEM-Industrie für alle Altersgruppen und berufliche Laufbahnen ganzheitlich abbildet. Schüler, Lernende, Studenten und berufstätige Fachkräfte können sich darauf inspirieren lassen, den individuell passenden Karriereweg erkunden und sogar auf alle Stelleninserate der Branche zugreifen.

 

Damit zeigt Swissmem, dass die Branche zielgenauere und wirkungsvollere Massnahmen entwickeln kann, als dies der Staat mittels des Gesetzgebungsprozesses könnte. Der liberale Arbeitsmarkt ist nach wie vor ein grosser Standortvorteil der Schweiz. Dieser darf nicht eingeschränkt werden. Vereinbarungen auf Ebene der Sozialpartner führen zu besseren Ergebnissen, weil sie die branchenspezifischen Bedürfnisse der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Einklang bringen.


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Kareen Vaisbrot

Bereichsleiterin Arbeitgeberpolitik

 

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