16. Swissmem Symposium: Einmal mehr ein grosser Erfolg :: Swissmem - Der Werk- und Denkplatz Schweiz

16. Swissmem Symposium: Einmal mehr ein grosser Erfolg

Von: Gabriela Schreiber, Ressortleiterin Kommunikation

27.08.18

Zahlreich sind die Unternehmensvertreter aus der MEM-Industrie nach Zürich gekommen, um sich am beliebten, jährlich stattfindenden Branchentreffpunkt Denkanstösse zum Thema Digitalisierung zu holen. Das Spektrum der Referate und Podiumsgespräche reichte von einer allgemeinen Einordung des Themas für die Industrie über Einblicke in konkrete Herangehensweisen von Unternehmen bis zu den Schweizer Forschungsaktivitäten im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Referenten beantworten Fragen aus dem Publikum.

Dr. Jean-Philippe Kohl, Swissmem-Direktor a.i. eröffnete das Symposium und griff dabei auch Resultate einer Umfrage zur Umsetzung von Industrie 4.0 in der Branche auf, die Swissmem in Kooperation mit Swissmechanic in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt hat. Über 80 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen aktuell die Vorteile der Digitalisierung primär in der Schaffung eines Zusatznutzens für den Kunden. Ebenfalls für wichtig erachten sie die Optimierung der Produkt- und Servicequalität sowie die Stärkung der Kundenbindung. Vor zwei Jahren ergab die Umfrage noch ein anderes Bild; damals lag der Fokus auf der Steigerung der Effizienz und Produktivität im eigenen Unternehmen.

 

Dr. David Marmet, Chefökonom Schweiz bei der ZKB nahm anschliessend eine ökonomische Analyse der digitalen Transformation vor. Kein einfaches Unterfangen, denn zwischen Wirtschaftswachstum und Digitalisierung lasse sich zwar eine positive Korrelation, aber keine Kausalität feststellen. Produktivitätssteigerungen sind vorderhand nur auf der Ebene der Unternehmen, jedoch noch nicht auf derjenigen der Gesamtwirtschaft sichtbar. Hinzu kommt die Herausforderung, die Wirkung neuer Technologien realistisch einzuordnen. Es besteht eine Tendenz zur anfänglichen Überschätzung, auf die dann längerfristig eher eine Unterschätzung folgt.

 

Kulturelle Aspekte nebst der technischen Implementierung nicht vergessen

 

Andreas Rauch, Head of Digital Transformation bei GF Machining Solutions, vermittelte einen ersten Einblick in ein Unternehmen und die Anforderungen der technischen Implementierung einer industriellen IoT-Umgebung. Er betonte in seinen Ausführungen, dass er als Ingenieur technische Probleme grundsätzlich immer für lösbar halte. Die wirklich grosse Herausforderung entstehe an einem anderen Ort: der Umfang an Veränderungen und die Geschwindigkeit derselben machen in fast allen Bereichen einen grundlegenden Kultur- und Gesinnungswandel nötig. Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Risikobereitschaft und eine positive Fehlerkultur sind nur einige der Schlüsselfaktoren.

 

Ohne transparente, standardisierte Schnittstellen kommt man in der Datennutzung nicht weit

 

Der Gewinnung und Nutzung von Daten im Zuge der Digitalisierung wird riesiges Potenzial zugeschrieben. Dr. Alexander Broos, Leiter Technik VDW Frankfurt a.M., zeigte in seinem Referat in pointierter Weise auf, wo jedoch aktuell auf der technischen Seite die Knackpunkte liegen. Um die Daten aus den Maschinen in übergreifende IT-Systeme zu bringen, braucht es offene, transparente Schnittstellen. Und diese existieren derzeit nicht. Deshalb hat der VDW eine Initiative lanciert, um ein solches offenes Verbindungssystem für verschiedene native und proprietäre Schnittstellen zu schaffen. Mit einem Kernteam von acht Unternehmen ist man daran, Parameter festzulegen, die grundlegend sind, um Werkzeugmaschinen auf verschiedenen Produktions- und Betriebsebenen vertikal in IT-Systeme zu integrieren.

 

Der Industrial Security kann man nicht genug Aufmerksamkeit schenken

 

Ronny Weinig, Head Customer & Digital Services Siemens Schweiz, wiederum lenkte den Blick auf ein weiteres wichtiges Thema im Zusammenhang mit der zunehmenden Vernetzung von Industrieanlagen: Das Risiko für Cyberattacken. Vor allem Produktionsprozesse und ICS-Leitsysteme bieten immer neue Angriffsflächen und benötigen ein besonders hohes Schutzniveau. Unternehmen sollten das Thema Sicherheit sehr ernst nehmen, denn oftmals würde erst mal gar nicht bemerkt, dass bereits ein Leck vorhanden ist. Er erläuterte am Schutzkonzept von Siemens, wie man sich auf mehreren Ebenen gegen Angriffe aus allen möglichen Richtungen schützt.

 

Digitales Geschäftsmodell: Erfolgreich mit Datenhandel

 

Anthoine Dusselier, US Operations Manager Dawex, San Franzisco, stellte das innovative Geschäftsmodell des erfolgreichen Start-ups Dawex vor. Der Pionier im Datenhandel stellt eine Plattform zur Verfügung, die als globaler Marktplatz tausenden von Unternehmen ermöglicht, Daten zu kaufen oder verkaufen. Dawex übernimmt dabei die Funktion einer dritten Partei, garantiert den effizienten und sicheren Austausch, handelt aber selber nicht mit Daten. Die Käufer und Verkäufer verfügen über die vollständige Kontrolle hinsichtlich ihrer Datentransaktionen und schliessen auch die Lizenzvereinbarungen direkt mit den Partnern ab. Ein potenziell wichtiger Beitrag zum Thema Datenmonetarisierung.

 

Maschinelles Lernen – es gibt in jedem Betrieb sinnvolle Ansatzmöglichkeiten

 

Hendrik Preis, Leiter Smart Services ORBIS AG Saarbrücken, betonte, dass sich Unternehmen einen immensen Wettbewerbsvorsprung erarbeiten können, wenn sie aus ihren Daten und denjenigen des Marktes Einsichten gewinnen und diese in ihre operative Entscheidungsfindung integrieren. Aus seiner Sicht gibt es für jeden Betrieb Potenzial. Er zeigte anhand von Beispielen im Vertriebsbereich auf, wie maschinelles Lernen eingebunden werden kann, gab eine Einschätzung der heute vorhandenen Tools und präsentierte ein exemplarisches Vorgehensmodell für die Implementierung im Unternehmen.

 

Künstliche Intelligenz: wachsende Möglichkeiten, aber was macht wirtschaftlich Sinn?

 

Professor Luca Maria Gambardella vom IDSIA, SUPSI Lugano, gab auf unterhaltsame Weise einen Überblick zu den Forschungsaktivitäten der Tessiner Fachhochschule im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dank der wachsenden Datenmenge und der stetig zunehmenden Rechenleistung gibt es immer bessere Möglichkeiten, dynamische, selbstlernende Systeme zu entwickeln. Gambardella räumte allerdings ein, dass es für die Industrie nicht ganz einfach zu verstehen sei, wo diese Lösungen wirtschaftlich sinnvoll im Produktionsprozess eingesetzt oder für die Schaffung neuer Geschäftsmöglichkeiten genutzt werden können.

 

Vertrauen ist ein Schlüsselfaktor im Umgang mit Daten

 

Den Schlusspunkt machte Dr. Alessandro Curioni, Vice President, Europe & Director IBM Research Zürich. Er verwies darauf, dass Organisationen, die Daten erheben, speichern, verwalten oder verarbeiten sich auf einen sorgfältigen Umgang damit verpflichten müssen. Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert und wird zunehmend kritischer, was den Umgang mit – insbesondere personenbezogenen – Daten betrifft. Vertrauen wird zu einem Schlüsselfaktor. Von staatlicher Seite braucht es zuverlässige Datenverordnungen und die Organisationen selber müssen Massnahmen ergreifen mit einschlägigen Kompetenzen und sicheren Technologien.

 

Die Feedbacks der Teilnehmer zum Anlass fielen positiv aus. Das nächste Swissmem Symposium findet am Donnerstag, 29. August 2019 im Lake Side, Zürich statt.