Crowdsourcing – Best Practice aus der MEM-Industrie :: Swissmem - Der Werk- und Denkplatz Schweiz

Crowdsourcing – Best Practice aus der MEM-Industrie

Von: Zora Amacher, Ressortleiterin Arbeitgeberpolitik

31.10.18

Digitalisierung und innovative Lösungen fordern nicht nur flexible Arbeitsmodelle, sondern auch flexible Köpfe und Unternehmenskulturen. Aufgeschlossene und moderne Unternehmen gelten als attraktiv bei jungen Arbeitnehmenden. Die Digitalisierung ist dabei nicht das Ziel, sondern vielmehr Mittel zum Zweck.

Das traditionsreiche Unternehmen der Maschinenindustrie MAN Energy Solutions Schweiz AG mit Sitz in Zürich zeigt, dass sich mit ein wenig Mut, Vertrauen und der Nutzung digitaler Möglichkeiten innovative Ideen generieren und ganz nebenbei auch gleich die ersten Schritte Richtung erfolgreiches «employer branding» machen lassen.

 

«Future Innovation Programm»

 

Angefangen hat bei der MAN Energy Solutions Schweiz AG alles mit der Frage: Wo wollen wir in 10-15 Jahren sein und wie kommen wir dahin? Um diese Frage zu klären, wurden Workshops für die Führungskräfte organisiert. Anfangs entstanden neue und spannende Ideen, doch auch der innovativste Kopf ist keine Ideen-Maschine – vor allem dann nicht, wenn es an einer wichtigen Komponente fehlt: der Zeit. Für Patrik Meli, Vice President and Head of Compressor Engineering, war klar, es braucht einen breiteren Ideenpool und die Zeit, gewisse Ideen weiterzuverfolgen. Das Unternehmen lancierte deshalb bereits vor sieben Jahren ein «Future Innovation Programm». Im Rahmen dieses Programms trifft sich jeweils eine neu zusammengesetzte Arbeitsgruppe von betriebsinternen Mitarbeitern aus allen Sparten und Funktionen, die während eines Jahres zusammen Ideen entwickelt. Es gibt zwei Auflagen: Es ist aus Diversitätsgründen immer vorausgesetzt, mind. 1-2 Frauen im Team zu haben, und es soll möglichst «out of the box» gedacht werden. Als Hilfestellung werden lediglich die herrschenden Megatrends aufgezeigt. Geleitet wird die Gruppe von Patrik Meli und Prof. Dr. Hans Gut, Managing Director von MAN Energy Solutions Schweiz AG.

 

Im Rahmen einer solchen Arbeitsgruppe ist die Idee des Crowdsourcing aufgekommen. Ziel war es, mehr Ideen aus einem grösseren Pool zu sammeln, ohne dass effektiv mehr Personalressourcen benötigt werden. Gerade auch für KMU ist es nicht immer einfach, ressourcenschonend neue innovative Produkte oder Prozesse hervorzubringen.

 

Crowdsourcing

 

Crowdsourcing bedeutet eigentlich nichts anderes, als das Wissen einer breiteren Gruppe von Personen zu nutzen. Kurzerhand wurden zwei Mitarbeiter aus der Arbeitsgruppe beauftragt, mit der Online-Plattform Atizo 360° GmbH Kontakt aufzunehmen und einen Projektausschrieb auszuarbeiten. Atizo 360°unterstützte bei der Ausschreibung des Projekts, bei der Auftragsformulierung sowie bei der Wahrung der Geschäftsgeheimisse und urheberrechtlichen Fragen.

 

Die Resonanz war riesig. Tüftler und Tüftlerinnen sowie Querdenker, Fachpersonen und Hobby-Erfinder haben über 100 Ideen geliefert. Es wurde auf dem Blog diskutiert und wie wild beraten. Rund 25% der Teilnehmer haben sich neu bei Atizo 360° registrieren lassen, nur um ihre Ideen ins MAN-Projekt einzubringen. Die Firma zeigt, dass sie sich nicht vor der digitalen Welt scheut – was sie gerade für junge Arbeitnehmende attraktiv macht. Eine stattliche Aussenwirkung ist also nicht von der Hand zu weisen.

 

So ganz ein Selbstläufer ist der Online-Blog jedoch dann doch nicht. Zwei Mitarbeiter der Arbeitsgruppe haben den Blog betreut und entsprechende Feedbacks für die Ideenentwicklung geliefert. Gemäss Patrik Meli sind die Mitarbeiter mit sehr viel Elan und Einsatz dabei, wenn es um die Entwicklung eigener Ideen geht – die Zeit dafür wird Ihnen von der Firma zur Verfügung gestellt.

 

Mehrwert – so oder so

 

Die 13 besten Crowd-Tüftler/-innen wurden zum Dank ins Unternehmen eingeladen, und konnten ihre Ideen in einem Workshop konkretisieren. Zwei Ansätze, welche das Potenzial haben, realisiert zu werden, verfolgt die MAN Energy Solutions weiter. Sollte es klappen, wäre es für die Firma ein «Quantensprung». Aber selbst wenn sich die Projekte nicht realisieren lassen sollten, sei der Mehrwert schon lange abgeholt, erklärt Patrik Meli. Das Unternehmen profitiert von komplett neuen Ansätzen, einem breiteren Netzwerk und hat bereits Ideen zur Gestaltung von internen Plattformen.

 

Das Beispiel der MAN Energy Solutions Schweiz AG zeigt, wie viel innovatives Potenzial in der eigenen Firma und in der «Crowd» stecken kann und wie mit Hilfe von digitalen Tools neue Wege zu dessen Nutzung gefunden werden können.

 

Für weitere Fragen steht Zora Amacher, Ressortleiterin Bereich Arbeitgeberpolitik, zur Verfügung (044 384 42 23 oder z.amacheranti spam bot@swissmemanti spam bot.ch).