Künstliche Intelligenz, Big Data, Virtual Reality und Chatbots – Blicken Sie noch durch? :: Swissmem - Der Werk- und Denkplatz Schweiz

Künstliche Intelligenz, Big Data, Virtual Reality und Chatbots – Blicken Sie noch durch?

Von: Gabriela Schreiber, Ressortleiterin Kommunikation

04.04.18

Zahlreich waren Vertreter von KMU der beiden Verbände Swissmem und Schweizer Metall Zulieferer SMZ im Raiffeisen Unternehmenszentrum in Oberentfelden zusammengekommen, um sich an der diesjährigen Zuliefererkonferenz zum Thema Künstliche Intelligenz und Digital Skills zu informieren. Das Programm war durchgehend spannend: Es wurden Trends analysiert, Chancen ausgelotet und visionäre Blicke in die Zukunft geworfen. Dabei kamen auch praktische Tipps für den digitalen Unternehmensalltag der KMU nicht zu kurz.

Die Digitalisierung ist ein weites Feld und die Entwicklungen sind rasant. Es ist nicht einfach, sich den Überblick zu verschaffen und zu entscheiden, was für das eigene Unternehmen relevant ist. Die 5. Zuliefererkonferenz setzte sich deshalb zum Ziel, den Unternehmensvertretern Impulse zu vermitteln und Antworten zu geben.

 

Alexander Vietense, Präsident SMZ begrüsste die Anwesenden, umriss das kommende Programm und gab dann das Wort weiter an Eric von Ballmoos, Präsident der Zulieferer der MEM-Industrie Schweiz. Dieser konnte in seinem Eingangsreferat erfreuliche Zahlen zur konjunkturellen Lage der MEM-Branche präsentieren. Der Industrie geht es so gut wie seit Jahren nicht mehr, obwohl man von den Margen mehr erwarten könnte. Die Auslastung der Zulieferer ist zurzeit so gross, dass es zu längeren Lieferfristen kommt oder sie gar Aufträge ablehnen müssen. In einem volatilen, kämpferischen Markt ist das nicht ohne Risiko.

 

Der ungeduldige Kunde

Philippe Ries, Industry Leader bei Google Schweiz, skizzierte anschliessend die gesellschaftlich relevanten Trends in der Digitalisierung. Mit dem Smartphone als permanenter Begleiter sind wir immer und überall online. Wir können uns ortsunabhängig schnell informieren und eine zunehmend intelligenter werdende Software ermöglicht uns, immer mehr Aktivitäten online abzuwickeln. Gewöhnt an diese Schnelligkeit, werden wir ungeduldiger. Und bequemer. Das private Nutzungsverhalten und die damit verknüpften Erwartungen übertragen die Kunden gemäss Philippe Ries auch auf das geschäftliche Umfeld. Unternehmen müssen sich mit diesen Ansprüchen auseinandersetzen.

 

Daten, Daten, Daten

Stefan Jeker, Leiter RAI Lab der Raiffeisen Schweiz, zeigte beispielhaft neuste Entwicklungen bei der Künstlichen Intelligenz auf, betonte aber auch, wie schwierig es sei vorherzusehen, wohin die Reise gehe. Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmen häufig sehr stark vom Tagesgeschäft absorbiert sind; da fehlt die Zeit und der Blick für die grossen Zusammenhänge. Eine Tatsache ist jedoch: mit der zunehmenden Digitalisierung fallen riesige Mengen von Daten an und ihr Volumen vergrössert sich jährlich exponentiell. Diese Daten werden noch viel zu wenig genutzt; gerade hier liegt aber gemäss Stefan Jeker ein erhebliches Geschäftspotenzial verborgen. Sein Ratschlag:

  • Erkenntnisse aus den anfallenden Daten ziehen
  • Automatisierung vorantreiben
  • auf Personalisierung in der Kundenbeziehung setzen
  • Mut zum Experimentieren haben

Wer sucht, soll finden

Adrian Schaffner von der Geschäftsleitung der evoq communications ag präsentierte eine Auswertung, die er zu 28 Online-Auftritten von KMU gemacht hat. Analysiert wurden technische und inhaltliche Aspekte der Webseiten sowie der Auftritt auf Social-Media-Plattformen. Auch er gab den Anwesenden wertvolle Tipps:

  • Regelmässig die Performance der Website überprüfen und sie so optimieren, dass sie über Suchmaschinen auch gefunden wird
  • Auf Details achten, die beim Ranking einen wesentlichen Einfluss haben, wie z. B. die Aufbaugeschwindigkeit und Struktur der Website oder mobilfähiges Design
  • Auf relevanten Inhalt achten und aktuell halten
  • Auch Social Media Auftritte müssen regelmässig gepflegt werden – und sonst lieber bleiben lassen

Adrian Schaffner räumte aber ein, dass dies nicht kostenlos zu haben ist. Nach seiner Erfahrung muss für eine gute Website nach den einmaligen Entwicklungskosten anschliessend jedes Jahr derselbe Betrag für die Betriebskosten aufgewendet werden.

 

Lieferung in 24 Stunden?

Ja das geht. Und zwar bei der eMDe Blechfabrik, wie Geschäftsführer Dominik Weibel in seiner Präsentation aufzeigte. Das KMU konzentriert sich bei der Herstellung von Blech- und Metallteilen auf die Bereiche Laserschneiden und Biegen. Digitalisiert haben sie nicht nur die Produktion, sondern den gesamten Kundenprozess. Über ein Kalkulationstool kann der Kunde die Konstruktionsdaten beliebiger individueller Blechteile hochladen, Material und Bearbeitungsprozesse auswählen und die Stückzahl eingeben. Stimmt der Preis, kann er auch gleich den Auftrag auslösen. Damit wird bei der eMDe ein Ticket erstellt, welches nach relevanten Kriterien eingeordnet und intern dem zuständigen Mitarbeitenden zugewiesen wird. Der Kunde hat die Möglichkeit, jederzeit den Auftragsstatus bis und mit Lieferung zu überprüfen. Damit ist das Unternehmen mit Hilfe der Digitalisierung in der Lage, äusserst transparent und schnell auf individuelle Kundenaufträge zu reagieren.

 

Legen Sie los!

Und wer sich nun überlegte, wie er im eigenen Unternehmen das Thema Industrie 4.0 angehen könnte, dem stellte Philip Hauri, Ressortleiter Swissmem, die Einstiegshilfe «Quickstarter 2025»für KMU in Aussicht – ein Online Tool, das demnächst live geschaltet wird. Entwickelt wurde das Instrument mit der Absicht, die Hürden für KMU zu senken und vor allem (personelle) Ressourcen zu schonen. Der Quickstarter bietet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um erste Digitalisierungsprojekte anzugehen. Er umfasst praktische Leitfäden und Tools zu den einzelnen Projektphasen. Aufrufbar ist die Einstiegshilfe unter www.quickstarter2025.ch.

 

Möchten Sie nächstes Mal dabei sein?

Die Zulieferer der MEM-Industrie Schweiz sind eine Interessensgemeinschaft für KMU, welche sich auf Aktivitäten und Dienstleistungen der Zulieferindustrie und ihrer Entscheidungsträger ausrichtet. Sie fördert die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch untereinander, bietet im Rahmen von Veranstaltungen Impulse zu relevanten Themen und vertritt die Interessen der Zulieferer gegenüber der Öffentlichkeit.

 

Bei Interesse steht Raoul Keller, Ressortleiter Swissmem, r.kelleranti spam bot@swissmemanti spam bot.ch, Tel. 044 384 48 14 gerne zur Verfügung.