Sieben Argumente für den Lehrplan 21! (1/7)

Von: René Will, Ressortleiter Bildung

01.02.17

Die Zeichen stehen gut: Alle 21 Kantone führen ihn ein oder stehen davor und alle Abstimmungen im Jahr 2016 hat er gewonnen. Doch erst wenn alle Kantone den Lehrplan 21 haben, ist die nötige Anpassung der Volksschule an das heutige Leben geglückt.

Erstens: Die Berufliche Orientierung wird markant gefördert.

 

Leider hört man es immer wieder: Der Übertritt von der Volksschule in eine weiterführende Schule oder in eine Lehre gelingt einem Jugendlichen nicht. Das ist nicht nur für die Schule oder den aufnehmenden Lehrbetrieb mühsam oder teuer, es ist vor allem für den betroffenen jungen Menschen ein frustrierender Irrweg. Anstatt eines glanzvollen Starts hin zum zukünftigen Beruf wird gleich ein Fehlstart hingelegt. Das muss nicht sein!

 

Es ist nämlich nicht zwingend, dass wer intellektuell stark ist, immer ins Gymnasium wechseln soll oder dass nur derjenige Karriere machen wird, der ein Studium oder einen gehobenen Beruf vorzuweisen hat. Solche und andere Vorurteile führen oft dazu, dass Eltern und Jugendliche das Gymnasium als Königsweg sehen; dies dann mit den bekannten Folgen.

 

Grund dafür ist oft, dass in der Volksschule der Beruflichen Orientierung leider bis heute allzu wenig Beachtung geschenkt wird. Jedoch sind alle Schülerinnen und Schüler der Volksschule auf eine gezielte Orientierung über die anstehende Berufs- oder Schulwahl angewiesen, damit der nächste Bildungsschritt dann auch wirklich gelingt und nicht bloss eine Übernahme von Vorurteilen ist.

 

Bis anhin wird die Berufliche Orientierung sehr unterschiedlich gehandhabt. In etlichen Kantonen ist sie bloss einem anderen Fach angehängt und nur wenige Kantone wiederum sehen ein eigenes Zeitgefäss hierfür vor. In der Regel wird die Berufliche Orientierung (die manchmal auch Berufswahl heisst) in den letzten beiden Schuljahren unterrichtet.

 

Mit dem Lehrplan 21 wird der Stellenwert der Beruflichen Orientierung nun nachhaltig verbessert. Es steht jetzt ein professionelles und mit anderen Inhalten vernetztes Lehrmodul zur Verfügung. Die Berufliche Orientierung fliesst dadurch bereits in der Primarschule in den Unterricht ein. Das ist vor allem in denjenigen Kantonen wichtig, wo die Entscheidung für ein Langzeitgymnasium bereits zu diesem Zeitpunkt getroffen wird. In den letzten drei Schuljahren wird den Kantonen im Lehrplan 21 für die Berufliche Orientierung eine Jahreslektion vorgeschlagen. Eine zweite Lektion jedoch wäre äusserst wünschenswert, denn nach Schätzungen des Bundes aus dem Jahr 2015 werden bis zu einem Viertel der Lehrverträge im Laufe einer Lehre aufgelöst.

 

Ein Grund dafür ist sicher auch, dass die Jugendlichen in der Schule zu wenig Gelegenheit hatten sich über ihren zukünftigen Beruf klar zu werden. Genau hier setzt eine nachhaltige Berufliche Orientierung im Lehrplan 21 an und hilft damit frustrierende und teure Fehlstarts von jungen Menschen ins Berufsleben zu vermeiden.

 

Wer für eine starke berufliche Orientierung in der Volksschule ist, stimmt somit dem Lehrplan 21 zu. Die ersten Abstimmungen im letzten Jahr in den Kantonen Basel-Landschaft, St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen waren klare Zeichen des Souveräns für dieses pragmatische und lebenstaugliche Werk. Doch das reicht noch nicht! Erst wenn alle 21 deutschsprachigen Kantone beim Lehrplan 21 mit dabei sind, ist die nötige Anpassung der Volksschule an das heutige Leben geglückt. Der nächste Prüfstein ist die Abstimmung im Kanton Aargau vom 12. Februar. Stimmen Sie NEIN zur schädlichen Initiative über die Volksschule! Jede Stimme zählt!