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Swissmem lehnt Vollgeld-Initiative ab

Von: Dr. Jean-Philippe Kohl, Direktor a.i.

04.04.18

Die Vollgeld-Initiative fordert eine tiefgreifende und radikale Umgestaltung der Geld- und Währungsordnung der Schweiz. Die Unternehmen wären mit einer Kreditverknappung und steigenden Kreditkosten konfrontiert. Swissmem sagt deshalb Nein zur Initiative.

Die Volksinitiative «Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank! (Vollgeld-Initiative)» fordert, dass Banken kein Buchgeld mehr schaffen dürfen. Elektronisches Geld soll in Zukunft genauso wie Münzen und Noten zu 100 Prozent durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) abgesichert sein.

 

Zudem verlangt die Initiative eine Umstellung der Geldpolitik. Neu soll die SNB Geld direkt dem Bund, den Kantonen oder den Bürgerinnen und Bürgern transferieren, ohne im Gegenzug dafür Vermögenswerte wie Devisen, Gold oder Wertpapiere zu erwerben. Über diesen Vorschlag stimmen wir am 10. Juni 2018 ab.

 

Swissmem lehnt die Vollgeld-Initiative aus mehreren Gründen ab. Kein Land der Welt kennt bis anhin ein Vollgeld-System, so dass die Schweiz ein Hochrisiko-Experiment eingehen würde. In der geltenden Währungsordnung geht die Schaffung von Geld typischerweise mit einer Kreditvergabe (Investitionskredite und Hypotheken) einher. Geschäftsbanken schaffen «elektronisches» Geld auf Bankkonten, indem sie den Kreditnehmern die gewährten Beträge auf deren Konto gutschreiben. Dadurch steigt die Geldmenge an: Die Kreditnehmer, zum Beispiel Unternehmen, welche investieren und damit Arbeitsplätze schaffen, verfügen über die benötigten Mittel.

 

Initiative greift Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen an

Mit der Initiative käme es hingegen zu einer Verknappung des Kreditvolumens und im Resultat zu höheren Kreditkosten, weil von Seiten der Banken weniger Kapital zur Verfügung steht. Zudem würden die Kosten für die Kontoführung und den Zahlungsverkehr für Unternehmen und Privatpersonen massiv steigen, da zwar Gebühren anfallen, aber keine Zinserträge mehr möglich wären. Für die Unternehmen würden insgesamt die Kapitalkosten in die Höhe getrieben. Eine Abnahme ihrer Wettbewerbsfähigkeit wäre die Folge.

 

Das Versprechen der Initiative, künftige Finanzkrisen und Bankenpleiten zu verhindern, kann ebenfalls nicht eingelöst werden. Die Initiative adressiert lediglich das «Liquiditätsproblem» von Banken. Finanzkrisen haben ihre Ursachen jedoch im «Solvenzproblem» der Geldinstitute. Dazu ist eine strenge Bankenregulierung nötig, welche die Schweiz Schritt für Schritt umgesetzt hat.

 

Die vorgeschlagene Umstellung der Geldpolitik würde zudem bedeuten, dass die Nationalbank neues Geld ohne Gegenwert in Umlauf bringt, indem sie es schlicht und einfach an den Bund, die Kantone und direkt an die Privathaushalte verschenkt. Politisch motivierte Druckversuche auf die SNB würden steigen, deren Unabhängigkeit aufs Spiel gesetzt und eine auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik verunmöglicht.

 

Aus diesen Gründen empfiehlt Swissmem, die Vollgeld-Initiative am 10. Juni 2018 abzulehnen. Weitere Informationen: vollgeldinitiative-nein.ch