«Wer mehr bezahlt, sollte dafür eine funktionierende Lösung bekommen» :: Swissmem - Der Werk- und Denkplatz Schweiz

«Wer mehr bezahlt, sollte dafür eine funktionierende Lösung bekommen»

07.09.17

Für Hans Hess ist die Altersvorsorge 2020 eine Scheinreform, die Probleme hinausschiebt. Der Swissmem-Präsident ist daher überzeugt: Die Abstimmungsvorlage muss abgelehnt und neu angepackt werden.

Zurück an den Absender: Hans Hess lehnt die AHV-Reform ab.

Hans Hess, was stört Sie an der Altersvorsorge 2020?

Hans Hess: Eine Reform der Altersvorsorge ist aus demographischen Gründen wichtig. Man kann unser Rentensystem grundsätzlich an drei unterschiedlichen Stellschrauben bewegen. Die erste Stellschraube ist die Höhe des Rentenalters, die zweite die Höhe der Einzahlungen und die dritte die Höhe der Auszahlungen, also der Renten. Ich stelle fest, dass die Altersvorsorge 2020 (AV2020) an all diesen Stellschrauben dreht. Eine davon dreht aber in die komplett falsche Richtung. Dies führt dazu, dass die ganze Reform nicht mehr funktioniert und deshalb abgelehnt werden muss.


Welches Element funktioniert für Sie nicht?

Die Erhöhung der AHV-Renten um 70 Franken für alle gehört definitiv nicht dazu. 70 Franken pro Rentner und Monat sind auf den ersten Blick vielleicht nicht viel Geld. Aber auf jede Neurentnerin und jeden Neurentner gerechnet, kommen damit gehörige Summen zusammen. Es gibt in den nächsten Jahrzehnten immer mehr Neurentner und sie leben immer länger. Die AV2020 kann diese Rechnung trotz höhere Mehrwertsteuer und Lohnabzüge bereits in zehn Jahren nicht mehr decken. Das stört mich als Unternehmer gehörig, denn das ist eine Scheinreform und ein Hinausschieben der Probleme. Ich investiere ja auch nicht in ein Geschäft, bei dem ich schon heute weiss, dass die Rechnung bereits in wenigen Jahren nicht aufgehen wird.

Für die Unternehmen hält die Altersreform aber auch noch weitere Überraschungen bereit. Was halten Sie von denen?
Leider ist vielen Unternehmerinnen und Unternehmern tatsächlich nicht bekannt, was sonst noch im Paket steckt. Zum Beispiel muss der Koordinationsabzug neu in drei Stufen gemacht werden. Was von der Politik einfach so beschlossen wurde, hat in den Betrieben eine grosse Bürokratie und Umstellungen in den Computersystemen zur Folge. Das System wird immer komplizierter, wofür die Mitarbeitenden geschult werden müssen. Wir von Swissmem hätten uns gewünscht, dass auf den Koordinationsabzug ganz verzichtet wird – das wäre wenigstens eine Erleichterung gewesen.


Haben Sie Überlegungen dazu angestellt, was die Altersvorsorge 2020 darüber hinaus für die Unternehmen bedeutet?
Die Reform bringt für Unternehmen vor allem höhere Kosten infolge des höheren Lohnbeitrags. Auch steigt die Mehrwertsteuer und damit werden die Produkte und Dienstleistungen für die Konsumentinnen und Konsumenten teurer. Wenn die Reform keine Scheinreform wäre und tatsächlich eine praktikable und langfristige Lösung gebracht hätte, wäre das vielleicht noch verkraftbar gewesen. So muss ich aber sagen: Wer mehr bezahlt, sollte dafür auch eine funktionierende Lösung bekommen. Das ist bei der AV2020 nicht der Fall.

 

Sie glauben an ein Nein am 24. September?
Ich kämpfe dafür und setze mich auch mit Swissmem für eine Ablehnung ein. Ich bin überzeugt, dass wir einige positive Elemente rasch in eine neue Reform packen können. Die Steuervorlage 17 zeigt ja, wie schnell das gehen kann, wenn der politische Wille dafür da ist. Ich kann Aussagen, wonach es keine bessere Lösung gäbe, weder nachvollziehen noch akzeptieren. Deshalb muss diese Scheinreform zurück an die Absender.