Wie bleiben Zulieferer innovativ? :: Swissmem - Der Werk- und Denkplatz Schweiz

Wie bleiben Zulieferer innovativ?

Von: Raoul Keller, Ressortleiter ZMIS

11.04.17

Neu – überraschend – nützlich: Das zeichnet Innovationen aus. An der 4. Schweizer Zulieferer-Konferenz der ZMIS (Zulieferer der MEM-Industrie Schweiz, Swissmem) und dem SMZ (Schweizer Metall Zulieferer) setzten sich die KMU mit ihren spezifischen Möglichkeiten und Hürden in dem Bereich auseinander. Können Zulieferer, welche keine eigenen Produkte fertigen, ohne Innovationbereitschaft überleben? Auf was achten ausgewählte Unternehmen bei ihren Innovationsprojekten? Wie muss sich aus Sicht eines Forschungspartners der Zulieferer positionieren? Wo liegen die grössten Hürden für eine erfolgreiche Innovationstätigkeit und welche Förderinstrumente stehen KMU zu Verfügung?

Die diesjährige Konferenz der Zulieferer fand an der FHNW in Brugg-Windisch statt und bot ein vielseitiges und interessantes Programm. In den drei Praxisbeispielen von Benninger Guss AG, Schneto AG und Angenstein AG wurde die Bedeutung einer guten Führungs- und Unternehmenskultur betont. Innovation braucht kreative Köpfe und damit gut ausgebildete Mitarbeitende in allen Bereichen und Funktionen, denen Kompetenzen übertragen und Verantwortung zugestanden wird. Führungskräfte müssen auf Coaching statt Befehlen setzen. Handlungsfreiheit, Fehlertoleranz und Mut zum Experiment zählen ebenfalls dazu. Aber auch die Offenheit nach aussen: Wie können Kunden und Lieferanten durch innovatives Mitdenken unterstützt werden? Welche technologischen Entwicklungen muss man im Auge behalten? Welche Netzwerke stehen zur Verfügung?

 

Gemäss Lukas Weiss von inspire AG sollte sich der Zulieferer mit Blick auf seinen Kunden gut positionieren. Dazu gehört, dass man weiss, was man kann, und in der Folge die richtigen Fragen stellt. Zulieferer müssen geeignete Kompetenzen aufbauen. Umgekehrt ist auch deren Erfahrung in Forschungs- und Vorentwicklungsprojekten wertvoll. Allenfalls sollte auch eine Beteiligung am Initialaufwand eines Innovationsprojekts beim Kunden in Betracht gezogen werden. Dass bei den Maschinenherstellern tendenziell die Fertigungstiefe abnimmt, eröffnet den Zulieferern Möglichkeiten. Ganz besonders auch deshalb, weil sie ja schon situationsbedingt nahe am Kunden sind und dessen Bedürfnisse einschätzen können. Sie sollten die Kundenbindung durch Innovation erhöhen, damit die Aufträge nicht ins Ausland abwandern.

 

Ein sehr wichtiges und ausbaufähiges Feld sind aber auch die Dienstleistungen; Prof. Rainer Schnaidt von der FHNW Brugg betonte, dass sich der Zulieferer keinesfalls nur auf technische Innovationen und die Produktion beschränken sollte.

 

Innovieren kostet Geld. Studien belegen jedoch, dass der Erfolg von Innovationsprojekten nicht direkt mit der Höhe der Ausgaben korreliert. Viel entscheidender ist, dass man das innovative Potenzial der Mitarbeitenden im Unternehmen und bei externen Partnern erkennt und gemeinsam Know-how aufbaut.

 

Sowohl hinsichtlich personeller wie auch finanzieller Ressourcen können Förderinstrumente einen wichtigen Beitrag leisten. Prof. Markus Baertschi, Innovationsberater bei Swissmem, gab dazu einen Überblick. Insbesondere die Kommission für Technologie und Innovation KTI erfüllt eine wichtige Aufgabe; sie unterstützt KMU Projekte, wenn Innovationen ohne zusätzliche Finanzierung nicht zustande kämen oder Marktpotenziale ungenutzt blieben.

 

Die informativen und gut gewählten Referate wurden mit einem aufschlussreichen Rundgang durch die Forschungslabors der FHNW in Brugg-Windisch ergänzt.