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«FĂŒr eine gute Work-Life-Balance braucht es Abwechslung zwischen Familie und Arbeit»

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Ansprechpartner  Noé Blancpain Noé Blancpain
Bereichsleiter Kommunikation und Public Affairs
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Patrizia Aberle leitet seit Dezember 2010 das Team «Miteinander» bei ABB Turbo Systems und ist gleichzeitig Beauftragte fĂŒr Chancengleichheit. In dieser Funktion unterstĂŒtzt sie den Angestelltenrat von ABB Turbo Systems. Die 34-JĂ€hrige hat an der EPFL Maschinenbau studiert und ist sowohl beruflich als auch privat sehr engagiert.

Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen? Geht das ĂŒberhaupt? Als ich ein Kind war, haben meine Eltern beide 100% gearbeitet. Jeden Morgen brachten sie mich in die Kinderkrippe oder zum Grossmami.So konnten meine Eltern Arbeit und Familie unter einen Hut bringen. Es war nicht immer einfach und meine Mutter fragt sich oft, ob sie eine gute Mutter war, da sie nur am Abend und am Wochenende bei mir sein konnte. Ich habe damit nie ein Problem gehabt. In der Kinderkrippe habe ich mit vielen anderen Kindern gespielt und Spass gehabt und am Abend konnte ich mit meinen Eltern sein. Trotz Tochter und Arbeit haben meine Eltern auch Zeit fĂŒr den Haushalt und den Garten gefunden. Meine Erfahrung als Kind hat mir gezeigt, dass es möglich ist, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Heute bin ich kein Kind mehr und ich arbeite fĂŒr eine grosse internationale Firma, bin verheiratet habe aber noch keine Kinder. Ich habe aber viele Hobbys und bin sozial engagiert. Beide Sachen brauchen viel Zeit neben meinem Job. Ich Arbeite 100% von Montag bis Freitag. Nach der Arbeit gibt es jeden Tag ein anderes Programm: Sport, Haushalt, Einkaufen, Freunde treffen, Musik mit Kollegen spielen, Tauchen, Kartenbasteln. Im Winter verbringe ich jedes Wochenende auf der Piste und manchmal gebe ich diese Leidenschaft als Skilehererin an kleine und grosse GĂ€ste weiter. Das ist nicht vergleichbar mit einer Familie, aber ich bin der Meinung, dass alles möglich ist, wenn man sich gut organisiert. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, um Arbeit und Familie zu verbinden. Ich denke, dass VĂ€ter und MĂŒtter eine Abwechslung zwischen Familie und Arbeit brauchen, um eine gute Work-Life-Balance hinzukriegen. Als Ingenieurin wĂŒrde ich es sehr schade finden, mich 100% nur fĂŒr die Familie zu engagieren. Die Technologien und Wissenschaft erneuern sich jeden Tag und ich möchte nicht den Zug fĂŒr meine Karrierentwicklung verpassen. Die Familie bedeutet mir ebenfalls sehr viel, deswegen wĂŒrde ich mich mit meinem Mann so organisieren, dass wir beides ermöglichen können. Sie arbeiten in einer von MĂ€nnern dominierten Branche. Passen Sie als Frau sich an oder versuchen Sie, sich durchzusetzen? Ich arbeite in einer von MĂ€nnern dominierten Branche, aber ich habe nicht das GefĂŒhl, dass ich mich anpassen muss oder mich mit Kraft und viel Energie immer durchsetzen muss. Es ist klar, es passiert ab und zu, dass ein Arbeitskollege mir zeigen will, dass er Recht hat oder besser ist. Interessanterweise sind es immer die gleichen Kollegen, die sich so verhalten. Die GrĂŒnde kenne ich nicht, aber in dem Fall sind sie das Problem und nicht ich oder andere Frauen, die einen technischen Beruf gewĂ€hlt haben. Ich liebe meinen Beruf. Ich gehe gerne ins BĂŒro und mir gefĂ€llt das ArbeitsverhĂ€ltnis, das ich mit 95% der Arbeitskollegen habe. Ich habe mich aus Interesse fĂŒr diese Art von Beruf entschieden. Als Kind habe ich mich immer wie mein Vater fĂŒr Autos, Fussball, Werkzeuge und Handwerk interessiert. Da ist es naheliegend, dass ich Maschinenbauingenieurin geworden bin. Generell sehe ich je lĂ€nger je mehr Akzeptanz fĂŒr Frauen in MĂ€nnerbranchen. Wenn mehrere Ingenieurinnen in einem Team oder Projekt zusammen arbeiten ist das Konfliktrisiko grösser als wenn Frauen mit MĂ€nnern arbeiten. Ich kann mir vorstellen, dass jede besser sein will als die andere und ein Konkurrenzkampf entsteht. Ich finde das schmerzhafter und trauriger, als die oben geschilderte Situation. Ich finde, man muss niemandem beweisen, wie gut man in seinem Job ist. Zum GlĂŒck ist jeder und jede von uns Spezialist in einem bestimmten Fachgebiet. Das macht eine Firma heterogen und stark. Nutzen Sie Netzwerke speziell fĂŒr Frauen? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? In unserer Firma bin ich die Beauftragte fĂŒr Chancengleichheit. Die Firma unterstĂŒtzt die SVIN (Schweizerische Verein fĂŒr Ingenieurinnen). Somit habe ich mehrmals im Jahr die Gelegenheit, an Stammtischen von SVIN teilzunehmen. Bis jetzt war ich erst einmal an der Generalversammlung von SVIN und ich habe die GesprĂ€che mit den Ingenieurinnen aus anderen Firmen und Fachgebieten sehr interessant gefunden. Im April 2015 habe ich am ersten SwisswoMEMclub Meeting in ZĂŒrich teilgenommen. Der Abend war sehr spannend mit anregenden Themen, die zu interessanten Diskussionen gefĂŒhrt haben. Was mir persönlich sehr gefallen hat, ist die Variation der Arbeit jeder Teilnehmerin: Ingenieurinnen, Assistentinnen, AnwĂ€ltinnen, Managerinnen und viele mehr. Ich freue mich schon auf das nĂ€chste Treffen und dieses Mal werde ich versuchen, ein paar Arbeitskolleginnen mitzunehmen. Betreibt Ihr Unternehmen Diversity-Management? Was bringt das Ihnen als Frau und was bringt es Ihrem Unternehmen? Ja. Bei uns gibt es jede mögliche Kombination von Team- und Projektorganisation. In meinem Team zum Beispiel sind wir zwei Frauen und zwei MĂ€nner und die Zusammenarbeit klappt sehr gut. Vom Alter her sind wir auch breit gestreut: ich bin die JĂŒngste und der erfahrenste Mitarbeiter ist 56. In der Fabrik gibt es alte und junge Mitarbeitende aus unterschiedlichen Kulturen. Auch in der Fabrik und an den PrĂŒfstĂ€nden sind kompetente Frauen am Werk. Die Organisation eines Projektes zeigt unsere «Diversity» am besten: Erfahrene mit weniger erfahrenen Mitarbeitenden (so können sie neue Erfahrungen sammeln), junge und alte, mit und ohne PhD-Titel, Frauen und MĂ€nner und es funktioniert einwandfrei. Ich unterstĂŒtze ein solches Management, weil ich der Meinung bin, dass man nur so zu Innovation, Pioniergeist und WettbewerbsfĂ€higkeit kommt. Und nur so kann eine Firma heutzutage bestehen. Wenn immer die gleichen Personen fĂŒr die Entwicklung eines neuen Produkts eingesetzt werden, besteht das Risiko, dass das neue Produkt zu 90% gleich aussieht wie das Alte. FĂŒr die Kunden ist das nicht sehr interessant. Persönlich gibt mir ein solches Management die Möglichkeit, von mehreren Personen zu lernen. Der Blickwinkel, mit welchem ich manche Themen angehe, hat sich in den letzten Jahren verbreitert und meine FĂ€higkeiten haben sich ebenfalls stark entwickelt. Meine Kollegen merken das; ich merke das; und dazu macht es Spass, sich mit unterschiedlichen Meinungen auseinanderzusetzen, um zum besten Resultat zu kommen. Wer hilft Ihnen dabei, berufliche Ziele festzulegen und zu erreichen? Da mein Mann in der gleichen Firma arbeitet wie ich, unterhalten wir uns auch privat ĂŒber die Arbeit. Ich unterstĂŒtze ihn und er unterstĂŒtzt mich. Wir sind ehrlich und offen miteinander und sagen einander die eigenen Meinung zu beruflichen Zielen, Herausforderungen, Motivationswegen oder Verhaltensmöglichkeiten in schwierigen Situationen. Wir reflektieren sehr viel miteinander und lernen beide von unseren beruflichen Erfahrungen. Bei der Arbeit selber haben wir zweimal im Monat ein bilaterales GesprĂ€ch mit der Teamleiterin. Dort wird der Status der Projekte, Aufgaben und Ziele besprochen. ZusĂ€tzlich gibt es ein MitarbeitergesprĂ€ch, in welchem die Ziele des Mitarbeiters zusammen mit dem Teamleiter definiert und besprochen werden. Diese Ziele sollen fĂŒr den Mitarbeiter herausfordernd sein, aber nicht unrealistisch. Sonst werden diese Ziele als Belastung erlebt statt als Richtlinie fĂŒr den Mitarbeiter und das wĂ€re Kontraproduktiv fĂŒr die Gesundheit des Mitarbeiters, fĂŒr das Team und fĂŒr die Firma. Am meisten UnterstĂŒtzung, um die Ziele zu erreichen, bekomme ich von meinen Arbeitskollegen. Wir sind ein sehr gut eingespieltes Team. Wir helfen einander! Wir sind vier Teammitglieder mit vier unterschiedlichen StĂ€rken. Jeder hilft dem anderen dort, wo er sich am besten auskennt. Ich bin ein GlĂŒckspilz, zu diesem Team gehören zu dĂŒrfen.

Letzte Aktualisierung: 15.09.2015