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Freihandel macht die Welt besser

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Freihandel Mercosur China Malaysia Indien

Indien ist der drittgrösste Absatzmarkt der Tech-Industrie in Asien. Das Land bietet dank seiner wachsenden und konsumfreudigen Mittelschicht und seiner jungen Bevölkerung ein gewaltiges Wachstumspotenzial. Das Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und dem bevölkerungsreichsten Land der Welt verbessert die Wettbewerbsfähigkeit Schweizer Exporte und den Marktzugang erheblich. Es ist das erste umfassende Handelsabkommen, das Indien mit Partnern aus dem „entwickelten Westen“ abgeschlossen hat. Konkret profitieren 94,7% der Schweizer Exporte nach Indien von Zollerleichterungen. Für 84,6% dieser Exporte werden die Zölle nach Übergangsfristen von bis zu 10 Jahren vollständig abgebaut. Dies ermöglicht Schweizer Unternehmen jährliche Zolleinsparungen von bis zu CHF 167 Millionen.

Status der Handelsbeziehung

Ist seit dem 1. Oktober 2025 in Kraft

Handelserleichterung

Zu Teilen, sofortiger oder zeitlich etappierter Wegfall der Einfuhrzölle auf alle Industrieprodukte

Exporte der Tech-Industrie 2025

1,068 Mrd. CHF

Vertragspartner

EFTA (Schweiz) & Indien

Aktualität

zentrale technische Handelsbarriere abgebaut mit Aufhebung des BIS «Scheme X», bisher geltende Regelung verlangte für zahlreiche Industrieprodukte aufwendige, teils doppelte Konformitätsprüfungen

Das Handels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (TEPA) zwischen den EFTA-Staaten (darunter die Schweiz) und Indien, unterzeichnet am 10. März 2024 in Delhi, trat am 1. Oktober 2025 in Kraft. Eine Referendumsabstimmung gab es zu diesem Abkommen keine. 

Indiens Aufstieg als globale Wirtschaftsmacht

Indien hat als bevölkerungsreichstes Land der Welt und eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften eine immense geopolitische Bedeutung erlangt, wobei es sich durch sein demokratisches System und stabilere Handelsbeziehungen zum Westen zunehmend als Alternative zu China positioniert. Die indische Wirtschaftsstruktur zeichnet sich durch einen hochgradig wettbewerbsfähigen Dienstleistungssektor aus, insbesondere in der IT und Softwareentwicklung, sowie durch eine weltweite Vorreiterrolle in der digitalen Revolution, zum Beispiel durch das fortschrittliche UPI-Zahlungssystem (Unified Payment Interface). 

Während die Landwirtschaft nach wie vor das RĂĽckgrat fĂĽr Beschäftigung und Einkommen im ländlichen Raum bildet, forciert die Regierung durch Programme wie „Make in India“ gezielt die industrielle Fertigung und den Ausbau der Infrastruktur. Dennoch bleibt das Land in Bereichen wie der physischen Infrastruktur (Bahn, Strasse) und der Energieversorgung ausbaufähig, wobei auch bĂĽrokratische HĂĽrden, Korruption und komplexe regulatorische Anforderungen wie die BIS (Bureau of Indian Standards) -Zertifizierungen weiterhin Herausforderungen darstellen. 

Die Tech-Industrie findet hier ideale Anknüpfungspunkte: Besonders im Bau- und Ingenieurwesen, Infrastruktur sowie in den Sektoren Cleantech und E-Mobilität bieten sich aufgrund massiver staatlicher Investitionsprogramme und steuerlicher Anreize substanzielle Wachstums- und Kooperationsmöglichkeiten.

«Indien ist einfach unglaublich – mit seinen Menschen, Kulturen, Infrastrukturen, Landschaften und Geschäftsmöglichkeiten. 

Während meiner Tätigkeit bei Swissmem unterstützte ich aktiv die Schweizer Diplomatie bei den industriellen Aspekten von TEPA, dem Handels- und Wirtschaftsabkommen zwischen EFTA und Indien.

Wenn ich in Delhi oder Mumbai ankomme, frage ich mich jedes Mal, wie in diesem Umfeld erfolgreich Geschäfte unserer Industrie möglich sind – zwischen moderner Infrastruktur, einfachen traditionellen Gebäuden und historischen Monumenten. Am Anfang ist es schwierig, in diesem riesigen Markt mit 1,4 Milliarden Menschen Chancen zu erkennen.

Doch durch viele Schweizer Unternehmen in Indien habe ich gelernt, dass dieser Eindruck täuscht. Indien hat zahlreiche Hightech-Cluster mit grossem Potenzial entwickelt und verändert sich im positiven. Ein Erfolg ist möglich, braucht aber Geduld: Projekte dauern oft länger und die Hürden sind hoch. Wenn jedoch einmal gute Beziehungen aufgebaut sind, folgen langfristiger Erfolg und schnelles Wachstum.

Indien und die Schweiz verbinden seit mehr als 75 Jahren enge Beziehungen. Indische Partner schätzen Schweizer Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit sehr. Der Preis bleibt immer noch wichtig. Aber immer mehr Industrien achten heute stärker auf Hightech, Lebenszykluskosten und langfristige Effizienz, weil sich diese auch international behaupten müssen. Genau dort sind Schweizer Unternehmen stark.

TEPA hat für Swissmem wertvolle Kontakte auf höchster Regierungsebene sowie zu wichtigen Industrien und Entscheidungsträgern in Indien eröffnet. Diesen Vorteil müssen wir erhalten und aktiv nutzen – er ist ein grosser Mehrwert für unsere Mitglieder.»

Raoul Keller
Generalsekretär, SSIG
Country Desk India

 

Konkrete Auswirkungen fĂĽr die Tech-Industrie

Mit dem TEPA werden die Zölle für 84,6% der Schweizer Exporte vollständig wegfallen. Davon profitieren Schlüsselbereiche wie der Maschinenbau (HS-Kapitel 84), bei dem für 99,9% der Schweizer Importe nach Indien zollfreie Konzessionen offeriert werden. Darüber hinaus stärkt das Abkommen die Rechtssicherheit durch umfassenden Schutz des geistigen Eigentums und beseitigt die Diskriminierung gegenüber lokal produzierten, patentgeschützten Produkten. Indien verpflichtet sich, die Widerspruchsverfahren bei Patenten zu verkürzen und die obligatorischen Berichterstattungsverfahren zu vereinfachen. Zudem wird der Schutz für «Swissness»-Bezeichnungen bei nicht-landwirtschaftlichen Produkten substanziell verbessert. Im Dienstleistungsbereich erleichtert das TEPA den Marktzugang für IT-Dienstleistungen und Softwareentwicklung und sichert die Entsendung von Schweizer Installations- und Wartungspersonal für Maschinen für bis zu drei Monate pro Jahr.

Regulatorische Herausforderungen

Trotz des Zollabbaus verbleiben nichttarifäre Hürden. Doch jüngst hat Indien mit der Aufhebung des BIS «Scheme X» eine zentrale technische Handelsbarriere abgebaut. Die bisher geltende Regelung verlangte für zahlreiche Industrieprodukte aufwendige, teils doppelte Konformitätsprüfungen. Ihre Abschaffung erleichtert den Marktzugang spürbar und stärkt das kürzlich in Kraft getretene TEPA.

Freihandelsabkommen fördern wirtschaftliches Wachstum und schaffen damit die Grundlage fĂĽr sozialen und ökologischen Fortschritt. Das Engagement von Schweizer Firmen kurbelt die Wirtschaftsleistung an, schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze und stärkt damit auch die Menschenrechts- und Umweltstandards vor Ort. 

 

Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz in Freihandelsabkommen

Die empirische Forschung zu Indien zeigt, dass wirtschaftliche Globalisierung tendenziell die Einkommensungleichheit reduziert, ebenso wie Faktoren wie das Pro-Kopf-Einkommen und staatliche Ausgaben.

Weiter verpflichten sich die EFTA-Staaten im Rahmen des Abkommens zu einem Investitionsziel von 100 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) und der Schaffung von einer Million Arbeitsplätzen in Indien über einen Zeitraum von 15 Jahren. Diese substanziellen Investitionen zielen direkt darauf ab, die wirtschaftliche Entwicklung in Indien als wirksamsten Hebel gegen Armut und niedrige Standards zu stärken.

Bahnbrechende Investitionsverpflichtung

Eine weitere Besonderheit ist die rechtliche Verknüpfung von Marktzugang mit Investitionsförderung. Die EFTA-Staaten haben sich zum Ziel gesetzt, innerhalb von 15 Jahren 100 Milliarden USD an Direktinvestitionen in Indien zu tätigen und damit eine Million Arbeitsplätze zu schaffen. Das aufstrebende Land ist auf Schübe wie diese angewiesen. Werden diese Ziele nicht erreicht, sieht das Abkommen einen Mechanismus vor, durch den Indien nach Konsultationen Zollkonzessionen wieder aussetzen kann.

Wettbewerbsvorteil gegenĂĽber EU und UK

Da weder die Europäische Union noch Grossbritannien derzeit über ein vergleichbares Abkommen mit Indien verfügen, verschafft das TEPA den EFTA-Unternehmen einen bedeutenden strategischen Vorteil auf einem der am schnellsten wachsenden Markt der Welt. Das FHA öffnet der Schweizer Tech-Industrie ein Zeitfenster exklusiver Wettbewerbsvorteile, in dem sie Marktanteile sichern kann, während die Konkurrenz aus der EU noch am Verhandlungstisch sitzt.

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Letzte Aktualisierung: 15.07.2026