Mit dem Freihandelsabkommen verfügt die Schweiz gegenüber EU-Anbietern über einen konkreten Wettbewerbsvorteil: Während Schweizer Exporteure vom Abbau der Zölle auf Industrieprodukte profitieren, besteht zwischen der EU und Indonesien noch kein Freihandelsabkommen.
«Indonesien gehört für mich zu den spannendsten und dynamischsten Wachstumsmärkten Asiens. Wer das Land kennt, spürt die Aufbruchsstimmung: eine junge, zunehmend kaufkräftige Bevölkerung, eine wachsende Mittelschicht und eine Wirtschaft, die sich in den letzten Jahren robust entwickelt hat.
Gleichzeitig nimmt Indonesien eine Schlüsselrolle in den regionalen Wertschöpfungs- und Lieferketten ein. Jakarta ist Sitz des ASEAN-Sekretariats und für viele internationale Unternehmen ein wichtiger Ausgangspunkt für Aktivitäten in den umliegenden Wachstumsmärkten Südostasiens. Für Schweizer Unternehmen eröffnet Indonesien damit nicht nur den Zugang zu einem bedeutenden nationalen Markt, sondern auch zu einem regionalen Wirtschaftsraum mit über 680 Millionen Menschen – und zu einem Land, das ich persönlich als offen, chancenreich und wirtschaftlich äusserst vielseitig erlebt habe.»
Warum Indonesien vor grossen Modernisierungsaufgaben steht
Das Potenzial des Landes ist gross, doch auch die Herausforderungen sind erheblich. Die geografische Struktur mit Tausenden Inseln erschwert Logistik, Infrastruktur und Energieversorgung. Gleichzeitig erhöhen Urbanisierung, Digitalisierung und Industrialisierung den Bedarf an leistungsfähigen Verkehrswegen, stabiler Stromversorgung, modernen Produktionsanlagen und gut ausgebildeten Fachkräften.
Hinzu kommt die Transformation des Energiesystems. Indonesien muss wirtschaftliches Wachstum, Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und industrielle Entwicklung gleichzeitig bewältigen. Daraus entsteht ein hoher Bedarf an Technologien für Energieeffizienz, Automation, Mess- und Prüftechnik, Wasser- und Abfallmanagement, industrielle Infrastruktur und nachhaltige Rohstoffverarbeitung.
Wo konkrete Chancen fĂĽr die Tech-Industrie liegen
Die grössten Chancen ergeben sich dort, wo Indonesien seine Industrie modernisieren und seine lokale Wertschöpfung erhöhen will. Schweizer Unternehmen können insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Automation, Präzisionstechnologie, Energie- und Umwelttechnik, Mess- und Prüftechnik sowie Berufsbildung einen Beitrag leisten.
Gefragt sind Lösungen, die Produktionsprozesse automatisieren, Energie und Ressourcen effizienter nutzen, Qualität sichern und Unternehmen widerstandsfähiger machen. Besonders relevant sind Technologien für moderne Produktionsstandorte, nachhaltige Rohstoffverarbeitung, zuverlässige Energieinfrastruktur, Wasser- und Abfallmanagement sowie digitale Industrieprozesse. Für indonesische KMU können solche Lösungen entscheidend sein, um produktiver zu werden und stärker innerhalb internationaler Wertschöpfungsketten aufzusteigen.
Was das Freihandelsabkommen der Tech-Industrie konkret bringt
Für die Schweizer Tech-Industrie verbessert das Freihandelsabkommen den Marktzugang konkret. Der Abbau von 99 Prozent der Zölle auf Industrieprodukte stärkt die Wettbewerbsposition Schweizer Anbieter im indonesischen Markt. Praktische Regeln wie die bilaterale Ursprungskumulation und die englische Ursprungserklärung auf der Rechnung erleichtern die Inanspruchnahme dieser Zollpräferenzen.
Das Abkommen geht aber über den Zollabbau hinaus. Es reduziert technische Handelshemmnisse und fördert den Austausch zu Vorschriften, Standards und Konformitätsbewertungen. Das schafft mehr Klarheit für Unternehmen, die Maschinen, Anlagen, Komponenten oder Präzisionstechnologie exportieren.
Zudem berücksichtigt das Abkommen, dass Schweizer Firmen häufig umfassende technische Lösungen anbieten – inklusive Engineering, Software, Wartung, Schulung und Beratung. Deshalb regelt es auch Dienstleistungen, Investitionen und den temporären Einsatz von Schlüsselpersonal. Für die Tech-Industrie bedeutet das: weniger Hürden, mehr Rechtssicherheit und bessere Chancen für langfristige Geschäfte in Indonesien.
Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz in Freihandelsabkommen
Freihandelsabkommen fördern wirtschaftliches Wachstum und schaffen damit die Grundlage für sozialen und ökologischen Fortschritt. Das Engagement von Schweizer Firmen kurbelt die Wirtschaftsleistung an, schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze und stärkt damit auch die Menschenrechts- und Umweltstandards vor Ort.
Welche Schweizer Basis besteht bereits vor Ort?
Indonesien ist kein völlig neuer Markt für die Schweiz. Mehr als 150 Schweizer Unternehmen sind bereits im Land ansässig, und Schweizer Direktinvestitionen haben dort zehntausende Arbeitsplätze geschaffen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Wachstumsmärkten: Schweizer Firmen können auf bestehende Netzwerke, lokale Erfahrung und institutionelle Beziehungen aufbauen.
Wie stärkt die Partnerschaft mit Indonesien die Resilienz der Tech-Industrie?
Am Swissmem Industrietag 2026 in Basel unterstrichen die Schweiz und Indonesien mit einem Memorandum of Understanding (MoU) zu kritischen Mineralien und Metallen das strategische Potenzial ihrer Partnerschaft. Für Swissmem ist klar: Die Tech-Industrie braucht verlässlichen Zugang zu Rohstoffen für Zukunftstechnologien – von Elektronik über Automation bis Energie- und Umwelttechnik.
Das MoU soll helfen, Rohstoffquellen breiter abzustützen und Abhängigkeiten von einzelnen Märkten, insbesondere von China, zu reduzieren. Für Schweizer Unternehmen bedeutet das mehr Resilienz, robustere Lieferketten und bessere Voraussetzungen, um in Schlüsseltechnologien wettbewerbsfähig zu bleiben.
Welche Nachhaltigkeitsbestimmungen enthält das Abkommen?
Freihandelsabkommen enthalten heute häufig Bestimmungen zu Handel und nachhaltiger Entwicklung. Diese werden jeweils mit den Partnerstaaten ausgehandelt und spiegeln deren wirtschaftliche Struktur, politische Prioritäten und sensible Produkte wider. Im Abkommen mit Indonesien betrifft dies insbesondere Palmöl.
Für Palmöl gelten spezifische Bedingungen: Zollvergünstigungen werden nur innerhalb definierter Kontingente und unter Nachhaltigkeits- sowie Rückverfolgbarkeitsanforderungen gewährt. Damit soll sichergestellt werden, dass präferenzbegünstigtes Palmöl bestimmte Standards erfüllt. Das Abkommen enthält zudem Bestimmungen zu Arbeitsrechten, Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Umsetzung internationaler Verpflichtungen. Es ersetzt aber keine nationale Umwelt- oder Sozialpolitik, sondern ergänzt den Marktzugang um gemeinsam vereinbarte Nachhaltigkeitsregeln.

