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Zwischen ETH und Industrie eine Brücke schlagen

Von: Gabriela Schreiber, Ressortleiterin Kommunikation

05.07.17

Die Unternehmen der MEM-Industrie müssen sich über Innovation ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Die Schweiz verfügt mit der ETH Zürich über eine international hochrangige und angesehene Forschungsinstitution. Also beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Technologietransfer?

inspire – diesen verheissungsvollen Namen trägt eine Organisation, welche auf die Initiative von Swissmem zusammen mit Unternehmensvertretern 2004 ins Leben gerufen wurde. Das eigenständige und privatwirtschaftlich geführte Unternehmen setzt sich zum Ziel, das Know-how der ETH für Unternehmen zugänglich zu machen und die MEM-Industrie bei Innovationsprojekten und Forschungsaufgaben zu unterstützen. Der Fokus liegt dabei auf der Produktionstechnik.

 

Doch warum braucht es überhaupt eine solche Transfereinrichtung? Weil hier zwei Welten aufeinandertreffen. Die ETH konzentriert sich auf die Grundlagenforschung und es sind die wissenschaftlichen Publikationen, welche ihren Ruhm ausmachen und den Ausschlag für die Platzierung in internationalen Rankings geben. Der Transfer von Forschungsergebnissen in die Industrie steht nicht im Vordergrund. Auf der anderen Seite ist die MEM-Industrie für ihre Innovationsvorhaben auf externes Wissen angewiesen. Insbesondere KMU verfügen oft nicht über genügend eigene Ressourcen für Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig fehlen den Betrieben häufig direkte Ansprechpersonen an der Hochschule. Hier schlägt inspire eine Brücke.

 

Und der Erfolg von inspire spricht für sich. Zunächst dem ETH-Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigung angegliedert, hat das Unternehmen sein Tätigkeitsgebiet laufend erweitert und führt heute sechs thematische Gruppen auf dem Gebiet der Produktionstechnik. Diese sind den jeweiligen ETH-Professuren zugeordnet und stehen unter deren fachlicher Aufsicht. inspire beschäftigt derzeit  ca. 60 Mitarbeitende, begleitet 70 Projekte und beschäftigt 24 Doktoranden. Einen beträchtlichen Teil der Finanzierung von inspire machen KTI-Projekte aus. Gerade dieser Aspekt kann für KMU bedenkenswert sein, weil in solchen Projekten die Leistungen auf Forschungsseite finanziell abgedeckt werden.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.inspire.ethz.ch.

 

Für Anfragen und weiterführende Auskünfte steht Jürg Krebser, CEO inspire AG, zur Verfügung: +41 44 632 77 44, krebseranti spam bot@inspire.ethzanti spam bot.ch.

 

Beispiel für eine Forschungskooperation

Das Unternehmen E. Bruderer AG ist weltweit führend im Bereich Stanztechnik – weil es ihm immer wieder gelingt, mit Innovationen einen neuen Massstab zu setzen. Dabei setzt der Betrieb auch auf die Zusammenarbeit mit inspire. Zum Beispiel als es um die Produktivitätssteigerung eines Stanzautomaten ging. Auf 2‘500 Hübe pro Minute wollte man kommen; das war zu diesem Zeitpunkt nur möglich mit einer starken Begrenzung der Hubhöhe und der Inkaufnahme einer verringerten Lebensdauer der Lager im Triebwerk. Gemeinsam mit inspire analysierte man das Triebwerk, um den Einfluss der einzelnen Komponenten zu erkennen und zu prüfen, inwieweit sich durch den Einsatz von Leichtbau mit CFK – umgangssprachlich Carbon – die Masse reduzieren lässt. Es stellte sich heraus, dass der Stössel, welcher das Werkzeug in der Stanzmaschine trägt, von grosser Bedeutung ist. Seine Masse konnte durch die Herstellung aus CFK um 70 Prozent reduziert werden. Und da im analysierten Triebwerk alle bewegten Massen durch Gegenmassen dynamisch ausgeglichen werden, wirkt sich jede Trägheitsreduktion praktisch doppelt aus. Mit diesem Projekt konnte der Nutzen und die Machbarkeit eines Leichtbautriebwerks für Stanzautomaten nachgewiesen werden und für das Unternehmen Bruderer ist damit die Basis für weitere Produktentwicklungen gelegt.