Tiefe Margen als Hypothek für die Zukunft der MEM-Industrie :: Swissmem - Der Werk- und Denkplatz Schweiz

Tiefe Margen als Hypothek für die Zukunft der MEM-Industrie

28.02.17

Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) konnte sich 2016 nach einem sehr schwierigen Vorjahr einigermassen auffangen. Die Auftragseingänge nahmen gegenüber 2015 um +9,5 Prozent zu. Die Umsätze reduzierten sich übers ganze Jahr betrachtet zwar nochmals um -1,8 Prozent, allerdings setzte im vierten Quartal 2016 auch hier eine Trendwende ein. Die Güterexporte erreichten das Vorjahresniveau (+0,1%), womit der negative Trend gestoppt werden konnte. Hingegen besteht in den Betrieben eine beunruhigende Ertragslage. Fast ein Viertel (23%) der MEM-Firmen haben 2016 auf Stufe EBIT mit einem Verlust abgeschlossen. Im Jahr 2014 sind es lediglich 7 Prozent der Betriebe gewesen. Dies zeigt deutlich, dass die Frankenstärke für sehr viele Unternehmen noch nicht überwunden ist. Entsprechend dürfte sich der beschleunigte Strukturwandel fortsetzen, zumal 46 Prozent der Industriebetriebe aktuell erwägen, in den nächsten drei Jahren Verlagerungen ins Ausland durchzuführen. Wie sich die Lage der MEM-Industrie weiter entwickeln wird, hängt stark von den Wechselkursen und vom Konjunkturverlauf in den wichtigsten Märkten ab.

Nachdem die Auftragseingänge in der Schweizer MEM-Industrie im zweiten und dritten Quartal 2016 im Vergleich zu den Vorjahresperioden noch kräftig angestiegen waren, stagnierten sie im vierten Quartal auf Vorjahresniveau (+0,2%). Über das gesamte Jahr 2016 betrachtet, nahmen die Auftragseingänge gegenüber 2015 um +9,5 Prozent zu. Auch die Umsätze stiegen im vierten Quartal 2016 im Vergleich zur Vorjahresperiode erstmals leicht an (+2,7%). Das gilt sowohl für Grossfirmen wie auch für KMU. Insgesamt reduzierten sich jedoch die Umsätze im vergangenen Jahr um -1,8 Prozent. Die Kapazitätsauslastung erreichte 2016 im Schnitt 86 Prozent, was dem langjährigen Mittelwert (86,3%) entspricht.


Exportrückgang gestoppt

Die Güterausfuhren der MEM-Industrie erreichten 2016 das Vorjahresniveau (+0,1%) und totalisierten einen Wert von 63,3 Milliarden Franken. Damit konnte der negative Trend bei den Exporten gestoppt werden. Diese Entwicklung gründet auf den Exportzuwächsen in den Warengruppen Präzisionsinstrumente (+3,8%), Metalle (+2,7%) und Elektrotechnik/Elektronik (+1,6%). Hingegen reduzierten sich die Güterexporte im Maschinenbau, welche volumenmässig den grössten Anteil ausmachen, nochmals um -0,8 Prozent. Die wichtigsten Absatzregionen entwickelten sich unterschiedlich. Erfreulich ist, dass sich die Ausfuhren in die EU, dem mit einem Exportanteil von 59,3 Prozent mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt, um +2,8 Prozent erhöhten. Bereits das siebte Jahr in Folge setzte sich das Exportwachstum in die USA fort (+2,1%). Hingegen gingen die Ausfuhren nach Asien um -5,4% deutlich zurück.

 

Nach einem sehr schwierigen Jahr 2015 konnte sich die MEM-Industrie im vergangenen Jahr bei den Auftragseingängen und den Exporten wieder auffangen. Auch bei den Umsätzen setzte im vierten Quartal 2016 die Trendwende ein. Bezüglich des künftigen Bestellungseinganges haben sich Zukunftserwartungen der Unternehmer sowohl bei den Grossunternehmen wie auch bei den KMU im vergangenen Jahr laufend verbessert. Gemäss der jüngsten Swissmem-Befragung rechnen 49 Prozent der Unternehmer für das Jahr 2017 mit zunehmenden Aufträgen aus dem Ausland. Lediglich 14 Prozent befürchten einen Rückgang. Dieser vorsichtige Optimismus wird sowohl von Grossfirmen wie auch von KMU geteilt.


Beunruhigende Margensituation

Ein anderes Bild zeigen die Ergebnisse einer zu Beginn dieses Jahres durchgeführten Swissmem-Umfrage zur Ertragslage in den Unternehmen: Fast ein Viertel (23%) der Firmen befanden sich 2016 auf Stufe EBIT in der Verlustzone. Ein Drittel (34%) der Betriebe erreichten 2016 wohl eine positive, aber letztlich unbefriedigende EBIT-Marge von weniger als fünf Prozent. Im Vergleich dazu befanden sich 2014 nur sieben Prozent der Unternehmen in der Verlustzone und 23 Prozent zwischen null und fünf Prozent EBIT-Marge. Kleinunternehmen sind im Vergleich etwas stärker betroffen, wobei der Unterschied zu den Mittel- und Grossfirmen nicht ausgeprägt ist. «Diese Zahlen sind beunruhigend», sagt Swissmem-Präsident Hans Hess. «Unter dem Strich konnten 57 Prozent der Unternehmen zwei Jahre nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses keine oder nur ungenügende Margen erwirtschaften, die sie in die Zukunft investieren könnten.» Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Frankenschock für sehr viele Unternehmen, insbesondere KMU, noch nicht überwunden ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Schweizer Franken in den letzten Monaten gegenüber dem Euro kontinuierlich aufgewertet hat.

 

Strukturwandel setzt sich fort

Die schwierige Lage der MEM-Firmen wirkt sich auch auf die Anzahl der Beschäftigten aus. Per Ende 2016 arbeiteten 317‘600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der MEM-Industrie. Somit gingen in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 12‘600 Stellen verloren. Immerhin steigt die Anzahl der publizierten Stellenangebote der Swissmem-Mitgliedfirmen seit Anfang 2016 wieder an.

 

Der beschleunigte Strukturwandel dürfte sich jedoch auch 2017 fortsetzen. Gemäss dem noch unveröffentlichten «Swiss Manufacturing Survey» des Instituts für Technologiemanagement der Universität St. Gallen erwägen 46 Prozent der Industriebetriebe, in den nächsten drei Jahren Verlagerungen ins Ausland durchzuführen. Der wichtigste Grund dafür ist die Reduktion von Produktionskosten. Neben Produkt- und Prozessinnovationen ist dies für die Firmen der einzige Weg, um die Profitabilität in der Schweiz zu erhöhen. Das deckt sich mit der Einschätzung der Befragten, welche Jobs betroffen sein werden. Sie rechnen damit, dass Stellen in der Produktion ab- und jene in den Bereichen Forschung, Entwicklung sowie im Projektmanagement zunehmen werden.

 

Bessere Rahmenbedingungen dringender denn je

Wie sich die Lage der MEM-Branche 2017 weiter entwickeln wird, hängt stark von den Wechselkursen – insbesondere zum Euro – und vom Konjunkturverlauf in den wichtigsten Märkten ab. Kurzfristig könnte nur ein gegenüber dem Euro schwächerer Franken die schwierige Ertragslage in vielen Betrieben entspannen. Mittel- und langfristig vermögen Prozess- und Produktinnovationen die Branche auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu bringen. Dafür müssen aber die Unternehmen erst wieder ausreichende Margen erwirtschaften können.

 

Die Politik könnte die Industrie in der Schweiz nachhaltig fördern, wenn sie tatkräftig die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verbessern würde. Konkret brauchen die Unternehmen Entlastung bei den Kosten. Diesbezüglich ist derzeit wenig sichtbar:

  • Die Ablehnung der USR III, wovon insbesondere auch die innovationsstarken KMU der MEM-Industrie profitiert hätten, ist eine verpasste Chance. Swissmem begrüsst es, dass der Bundesrat rasch eine angepasste Steuerreform verlegen will. Auch bei dieser Neuauflage muss die erste Priorität darin liegen, den Standort Schweiz zu stärken und die Unternehmensbesteuerung auf einem international wettbewerbsfähigen Niveau zu halten.
  • Die «Energiestrategie 2050» verursacht neue Kosten, ohne dass sie die Versorgungssicherheit im Winter gewährleistet. Entsprechend lehnt Swissmem das neue Energiegesetz ab, das am 21. Mai 2017 zur Abstimmung kommt.
  • Die Sanierung der Altersvorsorge mit dem Paket «Altersvorsorge 2020» ist wichtig und dringend. Für die Industrie ist aber entscheidend, dass das Parlament eine Lösung findet, welche keine erheblichen Zusatzkosten für die Unternehmen bringt.

Nicht zuletzt beeinträchtigen auch die weiterhin bestehenden Unsicherheiten bezüglich dem künftigen Verhältnis zur EU das Investitionsklima in der Schweiz. Es ist Zeit, dass nun innenpolitisch Ruhe einkehrt. Aus diesem Grund lehnt Swissmem die RASA-Initiative ab und spricht sich auch gegen das MEI-Referendum aus. Die Behörden und die Wirtschaft müssen dafür sorgen, dass die vom Parlament beschlossene MEI-Umsetzung die Zuwanderung mit geeigneten Massnahmen steuert und das inländische Fachkräftepotenzial bestmöglich ausgeschöpft wird.

 

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