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Andrea Roth: Freihandel ist keine Einbahnstrasse

Das Schweizer Stimmvolk entscheidet am 7. März über das Freihandelsabkommen mit Indonesien. Andrea Roth, CEO Geobrugg AG, erklärt, warum die Schweizer Wirtschaft auf freien Handel angewiesen ist und das Abkommen für alle Beteiligten ein Gewinn ist.

Freihandelsabkommen sorgen immer wieder für Diskussionen. Sie sind für die Schweiz aber sehr wichtig. Warum ist das so?

Andrea Roth: Die Schweiz verfügt über eine starke Exportwirtschaft. Der Handel mit dem Ausland sorgt hierzulande für Wohlstand und Arbeitsplätze. Wir exportieren unsere technologisch hochstehenden Produkte in die ganze Welt. Auch viele tausend Zulieferbetriebe profitieren vom Schweizer Exporterfolg. Die Geobrugg AG mit der Schwesterfirma Fatzer AG beispielsweise fertigt hier in Romanshorn Hightech-Schutzsysteme und Stahlseile, welche in der ganzen Welt zum Einsatz kommen. Für uns sind Freihandelsabkommen sehr wichtig. Sie erleichtern uns den Verkauf unserer Produkte ins Ausland und erhöhen unsere Wettbewerbsfähigkeit. Abkommen, wie der Freihandelsvertrag mit Indonesien, sorgen für Rechts- und Investitionssicherheit und den Schutz des Geistigen Eigentums. Gerade auch der letzte Punkt ist für Schweizer Unternehmen sehr wichtig, denn Innovation, Forschung und Entwicklung nimmt bei Schweizer Industriebetrieben eine zentrale Rolle ein.

Zur Disposition steht bei der März-Abstimmung das Freihandelsabkommen mit Indonesien. Warum ist gerade Indonesien ein wichtiger Markt?

Unser Unternehmen hat bereits heute ein Verkaufsbüro mit eigenen Mitarbeitern in Indonesien. Wir konnten bereits Schutznetze gegen Hangrutsche und zum Hochwasserschutz liefern und rüsten zurzeit eine grosse Motorrad-Rennstrecke auf Lombok mit Schutzzäunen aus. Aus unserer Sicht ist Indonesien ein riesiger Zukunftsmarkt. Das Land mit seinen 267 Millionen Einwohnern birgt enormes Potential. Es entsteht eine immer breitere Mittelschicht. Das bedeutet, dass das Land auch in seine Infrastruktur investieren muss. Hier können wir mit unseren Produkten zum Fortschritt beitragen. Experten gehen übrigens davon aus, dass Indonesien den eingeschlagenen Wachstumspfad so schnell nicht wieder verlässt. Vielmehr schätzen sie, dass das asiatische Land bis 2050 die viertgrösste Volkswirtschaft der Welt wird.

Wie profitiert die Schweizer Wirtschaft konkret vom Freihandelsabkommen mit Indonesien?

Das Freihandelsabkommen wird die Schweizer Exporte nach Indonesien von den heute hohen Zöllen befreien. Sie betragen teilweise über 30 Prozent – im Durchschnitt acht Prozent. Wir selber haben für die gelieferten Rennstrecken-Zäune einen Zoll von 12.5% zu entrichten. Sie fallen mit dem Freihandelsabkommen weg. So sind Schweizer Industrieprodukte in Indonesien künftig ohne diesen Aufschlag erhältlich und daher wettbewerbsfähiger. Die Schweizer Exportchancen werden zusätzlich gestärkt, weil unsere direkte Konkurrenz in der EU und der USA nicht über ein solches Freihandelsabkommen mit Indonesien verfügt. Das verschafft der Schweizer Industrie einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber den ausländischen Mitbewerbern.

Profitiert auch Indonesien vom Freihandelsabkommen? Kritiker behaupten ja das Gegenteil.

Es ist ganz klar, dass Indonesien ebenfalls in hohem Masse profitiert. Das Freihandelsabkommen ermöglicht Indonesien die Markterschliessung der EFTA-Staaten. Das führt in Indonesien zu Wachstum. Es profitieren aber insbesondere auch die Umwelt und Gesellschaft in Indonesien. Die Schweizer Industriegüter - ich habe das zuvor bereits angemerkt - sind sehr innovativ. Es handelt sich meist um Hightech-Produkte, die sehr effizient sind. Sie werden für Kunden in Indonesien ohne Zoll-Aufschläge erhältlich sein. Ihr Einsatz sowie der Technologietransfer führen zu mehr Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz vor Ort. Der Wissenstransfer stärkt ebenfalls die Bildung. Das kommt der indonesischen Gesellschaft sehr zugute. Freihandel ist nie eine Einbahnstrasse – sondern ein Gewinn für alle Seiten. Das gilt insbesondere für das vorliegende Abkommen mit Indonesien.

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