- Herr Gebald, wer sind Ihre Kunden?
Heutige Kunden sind Unternehmen aus der GetrĂ€nke- und Nahrungsmittelindustrie oder der Landwirtschaft, die CO2 als Rohstoff einsetzen. Beispielsweise die GebrĂŒder Meier, ein GewĂ€chshausbetreiber in Hinwil. Neben diesen Branchen ist unsere Technologie aber auch fĂŒr weitere Industriebereiche interessant, zum Beispiel Unternehmen, die synthetische Kraftstoffe oder synthetisches Erdgas herstellen und dafĂŒr CO2 benötigen. Das in Island unter die Erde gebrachte CO2 hingegen wird an Unternehmen und Institutionen verkauft, die ihre unvermeidbaren CO2-Emissionen ausgleichen möchten. Und zwar nicht mit Offsetting, sondern mit direktem, physischem Entzug aus der AtmosphĂ€re. Ăber weitere Climeworks-Projekte wird die Ăffentlichkeit in den kommenden Monaten mehr erfahren.
- Was kostet es, eine Tonne CO2 aus der AtmosphĂ€re zu extrahieren und wie viel Energie muss dafĂŒr aufgewendet werden?
Die Kosten pro Tonne CO2 liegen fĂŒr unsere allererste Anlage in Hinwil bei etwa 600 Schweizer Franken. Das ist in vielen Regionen der Welt bereits ein wettbewerbsfĂ€higer Preis. In drei bis vier Jahren wollen wir bei einem Drittel sein â langfristig, spĂ€testens bis 2030, bei 100 Schweizer Franken pro Tonne CO2. Die in Hinwil 2017 verbaute Generation unserer Direct Air Capture-Technologie braucht WĂ€rme (100 Grad Celsius) und elektrische Energie fĂŒr den Betrieb. In Hinwil wird der komplette Energiebedarf durch die KEZO, die Kehrichtverwertung ZĂŒrcher Oberland, abgedeckt. Derzeit sind es 2.500 Kilowattstunden AbwĂ€rme und 500 Kilowattstunden Strom pro Tonne CO2. Die Optimierung des Energieverbrauchs ist eines der Kernziele von Climeworks. Schon die nĂ€chsten Anlagen werden hier signifikant niedrigere Bedarfe haben.
- WĂ€re es nicht effektiver und gĂŒnstiger, WĂ€lder aufzuforsten statt CO2-Absorber zu installieren?
Es geht hier nicht um «oder», sondern um «und». Keine Frage, BĂ€ume sollten unbedingt gepflanzt werden. Aber eine einzelne Massnahme wird nicht ausreichen, um die Klimaziele zu erreichen. Denn alleine der Platzbedarf und der Wasserbedarf sind bei Aufforstung enorm. Zum Vergleich: Ein CO2-Modul von Climeworks ist 200mal effizienter als ein Baum bezogen auf den Platzbedarf. Alle Lösungen mĂŒssen Hand in Hand zusammenarbeiten, nur dann können wir etwas erreichen. Dazu zĂ€hlt, dass wir CO2-IntensitĂ€t etwa durch das Ersetzen von Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren reduzieren und in Energieeffizienz investieren.
- Was passiert unterirdisch nach der Versteinerung des CO2? Irgendwann ist doch der «Platz» aufgebraucht.
CarbFix, ein Forschungsprojekt in Island, hat gezeigt, dass 95 Prozent des in den Boden gebrachten CO2 innerhalb von zwei Jahren mineralisiert wird. «Platz» hat es genĂŒgend: Reykjavik Energy hat bekannt gemacht, dass sie in Hellisheidi bis zu zwei Millionen Tonnen CO2 lagern könnten. FĂŒr die Lagerung in basaltischen Systemen ist Hellisheidi einer der besten Standorte der Welt. Im islĂ€ndischen Rift-System könnten bis zu 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr gelagert werden, global geht man von bis zu 7â000 Milliarden Tonnen aus, das ist drei Mal mehr als die Menschheit bisher emittiert hat.
- Könnte Ihre Technologie auch zur Reduzierung der Smog-Belastung in Megacities wie Peking oder Mexiko Stadt beitragen?
Unsere Technologie ist vor allem dafĂŒr ausgelegt CO2 aus der Luft abzutrennen. Zwar entzieht das Filtersystem der Luft auch andere Komponenten, wie zum Beispiel Partikel («Smog»), doch ist die GeschĂ€ftsentwicklung in diese Richtung derzeit nicht unser Fokus.
Die Direct Air Capture-Technologie von Climeworks wurde am Swissmem Industrietag vom 19. Juni 2018 vorgestellt. Video

