In der Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) erhöhten sich die Umsätze im ersten Quartal 2026 im Vergleich zur Vorjahresperiode um +3,4 Prozent. Für diese Steigerung waren fast ausschliesslich Grossunternehmen verantwortlich. Dem gegenüber sanken KMU-Umsätze um -1,8 Prozent. Auch die Auftragseingänge entwickelten sich positiv. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um +10,1 Prozent. Diese Daten basieren auf dem seit Jahren quartalsweise erhobenen Swissmem-Index(1). Die Kapazitätsauslastung in den Betrieben erreichte 81,6 Prozent, womit sie sich auf tiefem Niveau stabilisiert hat. Sie liegt aber nach wie vor unter dem langjährigen Mittelwert von 85,6 Prozent. Die Anzahl Mitarbeitende in der Tech-Industrie betrug im ersten Quartal 2026 324’200. Das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorquartal.
EU stützt Exporte – USA und Asien rückläufig
Die Güterausfuhren der Schweizer Tech-Industrie stiegen im ersten Quartal 2026 gegenüber der Vorjahresperiode um +1,1 Prozent und erreichten einen Wert von 17 Milliarden Franken. Je nach Marktregion variierte die Exportentwicklung stark. Die EU erwies sich mit einem Exportzuwachs von +3,9 Prozent als Export-Lokomotive. Demgegenüber verzeichneten die Ausfuhren nach Asien (-4,5%) und in die USA (-4,2%) deutliche Rückgänge. Auch bei den wichtigsten Warengruppen zeigte sich eine uneinheitliche Entwicklung. Rückgänge gegenüber der Vorjahresperiode verzeichneten die Exporte bei den Mess-, Prüf- und Präzisions-instrumenten (-4,4%) sowie den Maschinen, Apparaten und mechanischen Geräten (-3,9%). Einen kräftigen Zuwachs gab es bei den Schienen-, Strassen- und Luftfahrzeugen (+28,4%), wobei einzelne Grossaufträge dafür verantwortlich waren. Höhere Exporte gab es auch bei den Elektrischen Maschinen, Apparaten und anderen elektrotechnischen Waren (+4,1%) sowie bei den Metallen und Metallwaren (+3,9%).
Erholung auf schmaler Basis
«Der leicht positive Trend aus dem zweiten Halbjahr 2025 hat sich im ersten Quartal fortgesetzt. Das ist erfreulich», kommentiert Swissmem Direktor Stefan Brupbacher. «Zudem deuten die wichtigsten Indikatoren auf eine weiterhin positive Entwicklung hin». So sind die Werte des Einkaufsmanager-index (PMI) der Industrie fast weltweit über der Wachstumsschwelle. Auch die Unternehmer und Unternehmerinnen der Tech-Industrie äussern sich verhalten optimistisch: In den kommenden zwölf Monaten rechnen 36 Prozent mit steigenden Aufträgen aus dem Ausland. Von einem gleichbleibenden Auftragsniveau gehen 39 Prozent der Unternehmen aus. «Das aktuelle Bild macht Mut», ergänzt Swissmem Direktor Stefan Brupbacher. Allerdings ist der Aufwärtstrend noch zu wenig breit abgestützt und basiert auf wenigen Unternehmen und Subbranchen. Beispiele dafür sind die Industrielle Elektrotechnik und Energielösungen – primär zurückzuführen auf die Nachfrage für Rechenzentren und KI-Lösungen sowie die Raumfahrt. «Es ist ein schmaler Grat. Die Absturzgefahr ist erheblich.» Als grosse Risiken benennt Stefan Brupbacher eine erneute Eskalation im Nahen Osten, massiv steigende Energiekosten, Engpässe in den Lieferketten oder neue US-Zölle sowie EU-Abschottungsmassnahmen (z.B. Stahlkontingent- oder auf die EU beschränkte «Buy European»-Regelungen). «Sie könnten über Nacht den positiven Trend abwürgen.»
Keine zusätzlichen Belastungen für die Exportindustrie
Rückschläge drohen aber auch aus dem Inland. «Ich habe leider den Eindruck, dass die Politik noch nicht erkennt, wie fundamental sich die globale Lage verändert hat», sagt Swissmem Präsident Martin Hirzel. «Der Wohlstand der Schweiz basiert auf einer starken Exportwirtschaft. Sie braucht gute Rahmenbedingungen. Zusätzliche Lohnprozente zur Finanzierung der 13. AHV-Rente würden die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unnötig belasten. Stattdessen muss das Parlament das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten zügig verabschieden, und zwar ohne sachfremde Zusätze, wie die unnötige Verknüpfung mit der neokolonialistischen EU-Entwaldungsverordnung. Und letztlich ist die Chaos-Initiative der SVP der falsche Weg. Sie muss abgelehnt werden, denn die Offenheit der Schweiz ist die Überlebensstrategie der Industrie.»
[1] Der Swissmem-Index für die Umsätze und Auftragseingänge der Schweizer Tech-Industrie basiert auf den Daten von rund 250 Meldefirmen, die quartalsweise erhoben werden. Diese Firmen bilden ein repräsentatives Sample der Swissmem Mitgliedschaft ab.
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