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Nachhaltigkeitsreporting: Tipps für die ersten Schritte

Immer mehr Gesetze und Verordnungen verlangen von Firmen, dass sie ihre Risiken in Form eines Nachhaltigkeitsberichts ausweisen. Davon betroffen sind längst nicht nur die grossen Unternehmen. Barbara Dubach, Unternehmerin und Initiatorin des Kompetenzzentrums engageability kennt die Herausforderungen – sieht aber auch die Chancen.

Frau Dubach, wieso ist das Thema Nachhaltigkeitsreporting für die MEM-Firmen relevant?

Barbara Dubach: Mit dem indirekten Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative sowie weiteren neuen Verordnungen sind Unternehmen in der Schweiz zunehmend verpflichtet, über ihre Tätigkeiten Bericht zu erstatten. Davon betroffen sind in erster Linie börsenkotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von über 40 Millionen Schweizer Franken, aber auch Firmen von öffentlichem Interesse gehören dazu.

Es betrifft also vor allem die grossen Firmen. Wie sieht es für die KMU aus?

Auch KMU kommen nicht darum herum, sich mit dem Thema Nachhaltigkeitsreporting zu befassen, denn auf internationaler Ebene wird von den Unternehmen immer mehr gefordert, was sich letztlich auch auf die Zuliefer-Firmen auswirkt. Ein Beispiel ist das deutsche Lieferkettengesetzt, das von den Unternehmen verlangt, sich eingehend mit ihrer Lieferkette zu befassen. So geraten je länger je mehr auch die Zulieferer aus der Schweiz unter Druck. Allerdings sehe ich diese Entwicklung nicht nur als Bürde, sondern auch als Chance für die Unternehmen.

Inwiefern?

Wenn man sich bewusst damit auseinandersetzt, wo die Risiken liegen, erkennt man bestenfalls auch die Businessopportunitäten, die sich dahinter verbergen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Bei Holcim wurde das Thema Nachhaltigkeit schon vor über 20 Jahren vorangetrieben, weil man erkannt hatte, dass es sich auch finanziell lohnen kann, wenn man traditionelle Brennstoffe wie Kohle, Öl und dergleichen durch Abfälle ersetzt. Statt für Brennstoffe zu bezahlen wurde das Unternehmen sogar noch dafür entschädigt, dass es Abfälle verwertete. Und schauen Sie sich die nominierten Firmen für den Green Business Award an. Das sind in der Regel keine Start-Ups, sondern gestandene Unternehmen, die neue Innovationen entwickeln, weil sie erkannt haben, dass sich Nachhaltigkeit lohnt.  

Was sollen Unternehmen, die bis jetzt noch kein Reporting gemacht haben, nun tun? Welche ersten Schritte empfehlen Sie?

Wichtig ist, dass man sich zuerst überlegt: Wo haben wir den grössten Impact? Was sind die relevanten Themen unserer Industrie? Und dann erst startet. Momentan ist der Klimawandel das Thema Nummer 1, bei dem sich alle Firmen überlegen sollten, was sie dagegen tun können. Aber auch Biodiversität und soziale Themen werden je länger je relevanter. Meine Empfehlung ist, nicht einfach loszulegen, sondern sich vorgängig genau zu überlegen, welches die wichtigsten Themen sind, bei denen man eine grosse Hebelwirkung hat. Darauf aufbauend kann man eine Strategie entwickeln mit klaren Zielen und erst dann sollte man Bericht erstatten.

Gibt es Hilfsmittel, die Sie empfehlen?

Natürlich kann man sich immer Unterstützung holen. Eine erste Analyse kann ein Unternehmen aber auch selbst, ohne externe Hilfe, machen. Als Orientierungshilfe dient zum Beispiel das in den USA entwickelte Sustainability Accounting Standard Board, welches die wesentlichen Themen pro Industriesektor identifiziert. Auch die Global Reporting Initiative sowie der Umweltatlas Lieferketten vom Bundesamt für Umwelt können erste Anhaltspunkte liefern. Oft liegt der grösste Hebel nämlich gar nicht in der eigenen Produktion, sondern wie bereits erwähnt, in der vorgelagerten Lieferkette. Jeder Sektor ist wieder anders und muss individuell angeschaut werden.

Mit engageability hat für Sie der Austausch zwischen Stakeholdern oberste Priorität. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Durch meine Erfahrung – unter anderem auch aus meiner jetzigen wie auch früheren Tätigkeiten bei Holcim und beim WBCSD – bin ich zur Überzeugung gekommen, dass Firmen die heutigen Herausforderungen allein nicht meistern können. Es braucht die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Man muss neue Partnerschaften eingehen, um Innovationen zu ermöglichen – sei es mit anderen Unternehmen, mit Start-Ups, Hochschulen oder mit den Behörden. Gemeinsam als Industrie oder Branche müssen wir uns Ziele setzen und diese auch gemeinsam anpacken. Denken Sie zum Beispiel an das Thema Kreislaufwirtschaft. Es macht keinen Sinn, dass eine Firma alles allein aufbaut und auch allein im Kreislauf hält. Nur wenn wir Kooperationen eingehen, kommen wir weiter.

Interessiert Sie die Thematik?

Am 8. Dezember 2022 führt Swissmem zusammen mit Barbara Dubach ein Webinar zum Thema Nachhaltigkeitsreporting durch.

Programm und Anmeldung

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Zur Person

 

Barbara Dubach beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit und hat langjährige, internationale Erfahrungen in der Industrie. Sie ist Unternehmerin und Initiatorin von Engageability – ein Kompetenzzentrum für innovative, zukunftsorientierte Geschäftslösungen, für den privaten und öffentlichen Sektor.

Barbara Dubach sitzt im Vorstand mehrerer Organisationen, darunter das Holzheizkraftwerk Aubrugg, Pusch, Swiss Peace, Swisscleantech sowie im Beirat für nachhaltige Anlagen der Alternativen Bank Schweiz.

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Letzte Aktualisierung: 01.12.2022