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Die Erholung in der Tech-Industrie bleibt fragil

In der Schweizer Tech-Industrie hat sich der leichte Aufwärtstrend fortgesetzt. Auftragseingänge (+12,1%), Umsätze (+2,5%) und Exporte (+1,7%) erhöhten sich im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahressemester. Die Erholung bleibt jedoch fragil. Der Umsatzzuwachs wurde vor allem von Grossunternehmen getragen; bei den KMU gingen die Umsätze zurück. Die Margen sind unter starkem Druck und haben sich weiter verschlechtert. Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden 12 Monate sowie der Stand des Einkaufmanager-Indexes lassen zwar auf weiteres Wachstum hoffen. Gleichzeitig drohen geopolitische Risiken, höhere US-Zölle und innenpolitische Hürden die Erholung zu ersticken. Oberste politische Priorität bleibt, der freie Zugang zu möglichst vielen Märkten zu erreichen. Im Vordergrund steht das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur. Swissmem fordert das Parlament auf, das Abkommen in der Herbstsession zu verabschieden und auf weitere Regulierungen zu verzichten.

Gemäss Swissmem-Index1  erhöhten sich die Umsätze in der Schweizer Tech-Industrie im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahressemester um +2,5 Prozent. FĂĽr diese Steigerung waren fast ausschliesslich Grossunternehmen verantwortlich. Die KMU-Umsätze sanken im gleichen Zeitraum um -3,8 Prozent. Die Auftragseingänge stiegen im Vergleich zur Vorjahresperiode um +12,1 Prozent. Dieser hohe Zuwachs muss relativiert werden, weil der Vorjahreswert sehr tief war und die Steigerung damit einen starken Basiseffekt widerspiegelt. Die Kapazitätsauslastung in den Betrieben erreichte im zweiten Quartal 81,1 Prozent, was weiterhin deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85,6 Prozent liegt.  

EU sorgt fĂĽr Exportwachstum

Die GĂĽterexporte der Schweizer Tech-Industrie erreichten im ersten Halbjahr 2026 einen Wert von 34,5 Milliarden Franken. Im Vergleich zur Vorjahresperiode stiegen sie um +1,7 Prozent. Hauptverantwortlich fĂĽr diese Zunahme waren die Ausfuhren in die EU (+3,4%). Dem gegenĂĽber entwickelten sich die asiatischen Märkte nur schwach (+0,9%), und der Abwärtstrend in die USA setzte sich fort (-5,3%). Auch bei den wichtigsten Warengruppen zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 eine uneinheitliche Entwicklung. RĂĽckgänge gegenĂĽber dem Vorjahressemester verzeichneten die Exporte bei den Mess-, PrĂĽf- und Präzisionsinstrumenten (-3,0%) sowie bei den Maschinen, Apparaten und mechanischen Geräten (-2,1%). Einen kräftigen Zuwachs gab es bei den Schienen-, Strassen- und Luftfahrzeugen (+19,3%), wobei einzelne Grossaufträge dafĂĽr verantwortlich waren. Höhere GĂĽterausfuhren gab es auch bei den Elektrischen Maschinen, Apparaten und anderen elektrotechnischen Waren (+5,5%) sowie bei den Metallen und Metallwaren (+4,2%).  

Margendruck dämpft den Optimismus 

«Die Erholung in der Schweizer Tech-Industrie hat sich fortgesetzt. Sie bleibt jedoch fragil, ungleich verteilt – und hat zuletzt etwas an Dynamik verloren», kommentiert Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem. «Sorgen bereitet uns, dass sich die EBIT-Margen im vergangenen Jahr fast in der gesamten Breite verschlechtert haben: Ein Viertel der Firmen hat negative EBIT-Margen, weitere 29 Prozent können die Kapital- und F&E-Kosten kaum erarbeiten. Das ist gefährlich, denn so versiegen die Mittel für Investitionen in die Zukunft. Vor diesem Hintergrund ist zwingend und dringend, dass die Unternehmen von Bürokratiekosten und Regulierungsaufwand entlastet werden.»

Positive Signale lassen sich aus dem Einkaufsmanager-Index (PMI) der Industrie ableiten, der in fast allen wichtigen Märkten Wachstum verspricht. Auch die Unternehmerinnen und Unternehmer der Tech-Industrie äussern sich verhalten optimistisch: In den kommenden zwölf Monaten rechnen 35 Prozent mit steigenden Aufträgen aus dem Ausland. Von einem gleichbleibenden Auftragsniveau gehen 41 Prozent der Unternehmen aus.

Zolldifferenz zur EU wird zum Standortnachteil 

Die Risiken bleiben jedoch erheblich. Ein erneut aufflammender Krieg im Nahen Osten, steigende Energiekosten und Engpässe in den Lieferketten könnten den Erholungstrend umgehend ersticken. Zudem erheben die USA seit Ende Juli 2026 neu einen Zollsatz von 12,5 Prozent auf Güter der Schweizer Tech-Industrie. Das sind 2,5 Prozentpunkte mehr als für Produkte aus der EU. Aus der US-Untersuchung zu industriellen Überkapazitäten könnte ein noch höherer Zollsatz resultieren und so die Zolldifferenz zur EU sogar vergrössern.
Zwar können gemäss einer Umfrage unter den Swissmem Mitgliedfirmem 42 Prozent der Firmen die Zolldifferenz von 2,5 Prozentpunkten gerade noch wegstecken. Deutlich ĂĽber ein Drittel der Unternehmen muss den amerikanischen Kunden jedoch preislich entgegenkommen, um sie halten zu können. 17 Prozent der Betriebe mĂĽssen den Zollnachteil selbst tragen, um im US-Markt bleiben zu können. 

Sollte sich die Zolldifferenz zur EU erhöhen, wären die Konsequenzen einschneidend. Bei fünf Prozentpunkten wäre das US-Geschäft für fast die Hälfte der Firmen ernsthaft gefährdet. Bei einer Differenz von 7,5 Prozentpunkten steigt dieser Anteil auf 58 Prozent. Nachdem die Tech-Industrie 2025 im US-Geschäft ein Exportvolumen von einer Milliarde Franken gegenüber dem Vorjahr verloren hat, würden die Ausfuhren in die USA bei einem höheren Zollsatz zusätzlich unter Druck kommen.

Für Martin Hirzel, Präsident Swissmem, ist klar: «Eine Vereinbarung, die uns gegenüber den wichtigsten Konkurrenten nicht benachteiligt, bleibt zentral.» Darüber hinaus muss die Schweiz als exportorientiertes Land den freien Zugang mit möglichst vielen Märkten erreichen. Umso enttäuschender war das NEIN des Nationalrates zum Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. «Dieser Entscheid ist nicht nur enttäuschend. Er ist absurd.», sagt Martin Hirzel. «Wir ringen mit den USA darum, dass Schweizer Produkte gegenüber jenen aus der EU nicht mit höheren Zöllen belastet werden. Gleichzeitig sorgt der Nationalrat dafür, dass genau dies im Zukunftsmarkt Mercosur so bleibt.»

Freihandel mit China und Mercosur: Zwei SchlĂĽsselabkommen fĂĽr die Tech-Industrie

Die Forderung nach einem Freihandelsabkommen mit dem Mercosur wird auch durch die Swissmem Mitglieder gestĂĽtzt. Gemäss Umfrage steht es auf der Wunschliste nach neuen Abkommen auf Rang zwei. Auf Rang eins steht China. Umso erfreulicher ist es, dass es Bundespräsident Parmelin und seinem Team gelungen ist, eine substanzielle Weiterentwicklung des Freihandelsabkommens mit China zu erreichen. Das erweiterte Abkommen ermöglicht den Firmen der Schweizer Tech-Industrie einen deutlich besseren Zugang zum chinesischen Markt. 

Swissmem fordert, dass das Parlament das Abkommen mit dem Mercosur in der Herbstsession gutheisst und so den Fehler des Nationalrates korrigiert. Zudem erwartet Swissmem, dass die Weiterentwicklung des Freihandelsabkommens mit China möglichst rasch ratifiziert und in Kraft gesetzt wird. FĂĽr die Schweizer Tech-Industrie ist beides von sehr grosser Bedeutung. 
 

1) Der Swissmem-Index für die Umsätze und Auftragseingänge der Schweizer Tech-Industrie basiert auf den Daten von rund 250 Meldefirmen, die quartalsweise erhoben werden. Diese Firmen bilden ein repräsentatives Sample der Swissmem Mitgliedschaft ab.

Kennzahlen Tech-Industrie Q2/2026
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Letzte Aktualisierung: 24.08.2026