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Schweizer Industrie geht die Digitalisierung zu wenig strategisch an

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind unbestritten eine grosse Chance für die produzierende Industrie. Viele Unternehmen haben auch bereits zahlreiche Digitalisierungsprojekte umgesetzt. Doch wie strategisch wird das Thema angegangen? Dieser Frage wollte eine Arbeitsgruppe von «Industrie 2025» auf den Grund gehen und hat dazu eine Umfrage auf dem Werkplatz Schweiz gemacht.

Zu Beginn der Digitalisierungsbestrebungen werden oft Projekte angegangen, die durch operative Bedürfnisse getrieben werden. Das macht am Anfang auch durchaus Sinn, denn so kann schnell profitiert und das Wissen und die Erfahrung im Unternehmen aufgebaut werden. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird es jedoch notwendig, das Thema strategisch anzugehen. Einerseits um grössere unternehmensübergreifende Hebel zu nutzen, andererseits um die richtigen Projekte mit dem grössten Beitrag an den Unternehmenserfolg umzusetzen.

Mit dem Thema der Digitalstrategie befasst sich seit Oktober 2019 eine Arbeitsgruppe von «Industrie 2025». Nebst der Entwicklung eines entsprechenden Vorgehens zur Erarbeitung einer Digitalstrategie wollte die Arbeitsgruppe erfahren, ob und wie die produzierende Industrie auf dem Werkplatz Schweiz das Thema Digitalisierung strategisch angeht. Dazu hat sie in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 eine Umfrage durchgeführt.

Diese zeigt klar, dass das Thema bei über der Hälfte der Befragten strategisch zu den TOP-Themen gehört. Im Gegensatz dazu sind es aber nur wenige, die dazu eine entsprechende formalistische Strategie erarbeitet haben. Der Aufwand zur Erarbeitung einer Digitalstrategie ist eigentlich recht überschaubar. Deren Beitrag an eine zielgerichtete und mit der Unternehmensstrategie abgeglichene Umsetzung der Digitalisierung jedoch immens.

Die Arbeitsgruppe von Industrie 2025 hat ein Vorgehen zur Erarbeitung einer Digitalstrategie entwickelt. An der kostenlosen Abendveranstaltung «Insights Industrie 4.0 | Digitalstrategie» vom 20. Mai wird dieses vorgestellt und drei Produktionsunternehmen erzählen, wie sie es erfolgreich eingesetzt haben. Programm und Anmeldung

Wichtigste Erkenntnisse:

Wie wichtig ist das Thema Digitalisierung für die Unternehmen?
Bei der Mehrheit der Firmen (55%) gehört die Digitalisierung zu den TOP 3 Themen. Hinzu kommen 20%, welche die Digitalisierung unter den zehn wichtigsten strategischen Themen sehen. Für 12% der Umfrageteilnehmenden ist die Digitalisierung sogar das strategische Thema Nummer 1.

Welches sind die wichtigsten strategischen Herausforderungen für die Digitalisierung?
Rund 70% gaben an, dass die Automatisierung der Produktion und der Prozesse «wichtige» bis «sehr wichtige» Herausforderungen bei der Digitalisierung sind. Ähnlich viele Firmen haben die Veränderungen der Kundenbedürfnisse, neue Technologien & Trends und den Aufbau digitaler Kompetenzen als «wichtig» bis «sehr wichtig» eingestuft. Auffällig wenige sehen den Markteintritt neuer Wettbewerber als Herausforderung.

Wer treibt die Digitalisierung am meisten an?
Bei mehr als der Hälfte der Firmen treibt die Geschäftsleitung die Digitalisierung «stark» oder «sehr stark» voran. Externe Gruppierungen wie Kunden, Lieferanten und der Wettbewerb treiben die Digitalisierung deutlich weniger an.

Wo setzen Unternehmen ihren strategischen Schwerpunkt?
Erfreulicherweise setzen die Firmen fast gleichermassen auf die drei grundsätzlichen Digitalisierungsschwerpunkte: Digitalisierung interner Prozesse und Produktion, Digitalisierung der Schnittstelle zum Kunden und Entwicklung neuer, digitaler Produkte und Services. Am meisten Firmen geben als Schwerpunkt die Digitalisierung der internen Prozesse und der Produktion an.

In welche Technologien wird am meisten investiert?
Mit Abstand am meisten (61% «grosse» und «sehr grosse» Investitionen) wird in Informationstechnologien, wie bspw. ERP, CRM, MES, PLM usw. investiert. Niemand der Umfrageteilnehmenden investiert in die Blockchaintechnologie.

Vollständige Umfrage zur Digitalstrategie

Industrie 2025 wurde im Juni 2015 als Schweizer Antwort auf die zahlreichen nationalen Plattformen von den Branchenverbänden asut, SwissT.net und Swissmem gegründet. Das Hauptziel ist die Beschleunigung einer erfolgreichen Umsetzung von Industrie 4.0 in den Produktionsunternehmen, damit der Werkplatz Schweiz wettbewerbsfähig bleibt. Dies geschieht hauptsächlich durch Wissenstransfer und Netzwerkaktivitäten.

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