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Industriestrompreise: Schweiz unter Druck

Beim Industriestrompreis besetzt die Schweiz im EU-Vergleich inzwischen einen unrühmlichen Spitzenplatz. Seit 2015 hat sich der Strompreis für stromintensive Industriebetriebe in der Schweiz verdoppelt. Wenn wir den Werkplatz Schweiz für die energieintensive Industrie erhalten wollen, ist es höchste Zeit, diesen komparativen Nachteil wettzumachen. Nicht mit kurzfristig stimulierender Industriepolitik, sondern mit einer nachhaltigen, strukturellen Verbesserung der Rahmenbedingungen und einem Fokus auf die Netznutzungskosten. Das EU-Stromabkommen bildet die Grundlage dafür.

Höchste Industriestrompreise im EU-Vergleich

In der Schweizer Tech-Industrie wird produziert. Je nach Branche sind dafĂĽr viele und unterschiedliche Input-Faktoren notwendig. Ein gemeinsamer Nenner ist der Bedarf an elektrischer Energie fĂĽr die Erzeugung von Prozesswärme und fĂĽr elektrische Antriebe. So ist die Schweizer Tech-Industrie auf eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Insbesondere bei stromintensiven Unternehmen, wo die Stromkosten mehr als 10 Prozent der Firmen-Bruttowertschöpfung ausmachen, sind die Energiekosten ein zentraler und kritischer Produktionsfaktor, um im harten internationalen Wettbewerb zu bestehen. 

Bereits im Jahr 2015 war der Schweizer Industriestrompreis im internationalen Vergleich sehr hoch. Teurer waren damals nur noch Deutschland, Italien und England. Zehn Jahre später hat sich der Industriestrompreis in der Schweiz – als Summe von Energiekosten und Netznutzungsentgelt – nicht nur weiter erhöht, sondern verdoppelt[1]. In keinem anderen EU-Land hat sich der Strompreis derart stark erhöht. Damit wird die Schweizer Industrie mit den im EU-Vergleich höchsten Strompreisen belastet, was die Wettbewerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. 

Das Problem liegt bei den Netznutzungskosten

FĂĽr die Ursachenanalyse muss zwischen den Energiekosten, also den Kosten fĂĽr die Energiebeschaffung, und den Netznutzungskosten unterschieden werden. Bei den Energiepreisen, die an den europäischen Energiebörsen gebildet werden, gilt die Schweiz als Preis-Nehmerin. Somit resultiert in der Schweiz in der Regel ein mit Deutschland vergleichbarer Energietarif. Steigen die Preise an den Strombörsen, wie beispielsweise in der Energiekrise 2022 und 2023, trifft diese Kostensteigerung nicht nur die Schweizer Industrie, sondern auch ihre europäischen Wettbewerber, die ihre Energie an denselben Strombörsen beschaffen. Die relative Wettbewerbsfähigkeit wird durch diese Energiepreis-Ausschläge folglich nicht stark belastet. Anders verhält sich dies bei den Netzkosten, welche die Unternehmen ĂĽber das Netznutzungsentgelt bezahlen. Hier dominieren länderspezifische Netz-Regulierungen sowie stark unterschiedlich hohe Beschaffungskosen fĂĽr Systemdienstleistungen zur Gewährleistung des stabilen Netzbetriebs. 

Während viele EU-Staaten ihre stromintensiven Unternehmen mit industriepolitischen Instrumenten entlasten, haben wir in der Schweiz zu Recht bisher auf solche strukturellen und teuren StĂĽtzungsmassnahmen weitgehend verzichtet. Diese entfalten ĂĽber Kostenentlastungen bei den Unternehmen zweifelsfrei kurzfristig Wirkung. Entsprechend ansteckend sind diese Hilferufe nach dem Staat fĂĽr viele weitere Unternehmen und Branchen, welche gerade mit hohen Produktionskosten kämpfen. Mittel- und langfristig zahlen aber andere Verbraucher «die Zeche» und Staatshaushalte geraten rasch und stark in Schieflage. Ferner reduziert sich bei den Firmen der Druck zur Umsetzung von Energieeffizienzmassnahmen und fĂĽr weitere Innovationen. 

Der Handlungsdruck steigt

Das Bundesamt fĂĽr Energie (BFE) weist in einer Studie[2] darauf hin, dass die Netznutzungskosten im Zuge der Energie-Transformation weiter und erheblich zunehmen werden. Wenn die aktuell in der Schweiz bereits höchsten Strompreise in den nächsten Jahren weiter steigen, wird sich die Wettbewerbsfähigkeit fĂĽr stromintensive Firmen zunehmend verschlechtern und der Industriestandort Schweiz ist stark gefährdet. Aus Sicht von Swissmem ist eine solche negative Entwicklung nicht akzeptabel und es herrscht dringender Handlungsbedarf. 

Das EU-Stromabkommen bringt Lösungsansätze

Die vom BFE publizierte Studie und weitere Analysen der Schweizer Stromwirtschaft zu den Netznutzungskosten weisen auch Kostenreduktionspotenziale aus. Konkret braucht es zusätzliche Anreize, z.B. in Form von Preissignalen, um die Stromproduktion von PV-Anlagen und die Stromnachfrage vermehrt in Zeiten zu legen, in denen das Stromnetz nicht ĂĽberlastet wird. Ganz grundsätzlich hat mehr Flexibilität einen dämpfenden Einfluss auf die Systemkosten, kann den Bedarf fĂĽr Netzausbauten und -verstärkungen reduzieren sowie den Netzbetrieb kostengĂĽnstiger sicherstellen. 

Das EU-Stromabkommen bringt fĂĽr die Schweiz eine engere An- und Einbindung in den europäischen Strommarkt. Bestehende Stromhandelsbarrieren werden eliminiert und Handelsprozesse vereinfacht. Dies fĂĽhrt zu mehr Wettbewerb und zu niedrigeren Kosten fĂĽr die Energiebeschaffung. Die formale und institutionelle Einbindung der Schweiz ins europäische Verbundnetz erlaubt eine effektivere AusnĂĽtzung der Ăśbertragungsnetzkapazitäten und bietet Potenzial fĂĽr eine Reduktion der in jĂĽngster Vergangenheit merklich gestiegenen Kosten fĂĽr Systemdienstleistungen. Experten gehen davon aus, dass mit einem Stromabkommen ein liquiderer Schweizer Strommarkt resultiert, insbesondere im kurzfristigen Intraday- und Regelenergiemarkt. Ferner könnten gemäss ElCom mit einem EU-Stromabkommen die in der Schweiz sehr teuer bereitgestellten Reservekraftwerke redimensioniert werden. Ohne ein EU-Stromabkommen dĂĽrften sich hingegen einige Rahmenbedingungen fĂĽr die Schweiz verschlechtern. Eine bereits von der EU angekĂĽndigte Einschränkung der Ăśbertragungsnetzkapazitäten wĂĽrde zu höheren Energiekosten kombiniert mit einer geringeren Versorgungssicherheit fĂĽhren. Das tönt definitiv nicht nach einem zukunftsfähigen Industriestandort. Entsprechend setzt sich Swissmem fĂĽr das EU-Stromabkommen und die dafĂĽr notwendig Anpassung der Schweizer Gesetzgebung ein.  

[1] Siehe Beitrag von avenir suisse
[2] https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/74145.pdf


🎯Fazit 

Wir wollen den Industriestandort Schweiz fĂĽr stromintensive Unternehmen ohne teure und ineffektive Subventionen erhalten. DafĂĽr mĂĽssen wir die Rahmenbedingungen fĂĽr die produzierende Industrie strukturell verbessern. Insbesondere bei den von der Energietransformation verursachten Netzausbauten und -verstärkungen sowie beim steigenden Aufwand fĂĽr die Gewährleistung des stabilen Netzbetriebs mĂĽssen möglichst alle Kostenreduktionspotenziale realisiert werden. Das EU-Stromabkommen schafft dazu auf einen Schlag in verschiedensten Bereichen und Ebenen die notwendigen Voraussetzungen und erhöht nebenbei unsere Versorgungssicherheit. 

Swissmem setzt sich deshalb klar fĂĽr ein EU-Stromabkommen und die zugehörige Umsetzung in der Schweizer Gesetzgebung ein. 

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Letzte Aktualisierung: 18.05.2026