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Steigende Energiepreise: Wie stark trifft der Irankrieg die Tech-Industrie?

Der Irankrieg und die Sperrung der Strasse von Hormuz treiben die Preise für Erdöl und Erdgas nach oben und verschärfen die Unsicherheiten auf den Weltmärkten. Das trifft auch die Schweizer Tech-Industrie. Zwar ist ihre direkte Abhängigkeit vom Erdöl heute gering. Doch höhere Erdgaspreise, steigende Transportkosten und eine schwächere Investitionsnachfrage belasten die Branche dennoch.

Die kriegsbedingte Sperrung der Strasse von Hormuz trifft die Weltwirtschaft ins Mark. Durch dieses Nadelöhr wurde 2025 etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Erdöls transportiert. Hinzu kommt rund ein Fünftel des global gehandelten Flüssiggases (LNG). Entsprechend heftig reagieren die Märkte. Der Preis für Erdöl und Erdgas haben sich in den vergangenen Wochen zeitweise fast verdoppelt. Drohen nun der Schweizer Tech-Industrie erhebliche Konsequenzen?

Tech-Industrie ist kaum vom Erdöl abhängig

Die Bedeutung von Erdöl für die Tech-Industrie ist in den letzten drei Jahrzehnten massiv gesunken. Gemäss Swissmem-Energiestatistik ist der Erdölverbrauch der Branche seit 1990 um 93 Prozent zurückgegangen. Erdöl-Brennstoffe wurden durch andere Energieträger ersetzt, so dass ihr Anteil am Gesamtenergiebedarf heute nur noch 3,8 Prozent beträgt. Wo früher vielerorts mit Erdöl geheizt und produziert wurde, dominieren heute Strom (Anteil 57%), Gas (31%), Fernwärme (5%) sowie effizientere Prozesse. Der Anstieg des Rohölpreises trifft die Tech-Branche heute somit deutlich weniger als früher.

Wo der Krieg die Industrie dennoch trifft

Hingegen hat Erdgas ĂĽber die Jahre an Bedeutung gewonnen. Fast ein Drittel des Energiebedarfes deckt die Tech-Industrie mit Erdgas. Das wird vor allem bei energieintensiven Firmen zu einem Kostenschub fĂĽhren, die Erdgas nicht mit anderen Energieträgern substituieren können. Das ist besonders in der Metallbearbeitung der Fall, wo in der Produktion oft hohe Temperaturen notwendig sind. Zudem wird es zu indirekten Belastungen kommen. Die Treibstoffpreise steigen und somit auch die Transport- und Logistikkosten. Reedereien haben bereits mit Zuschlägen reagiert. Auch im Luftfrachtmarkt sind die Preise auf einzelnen Routen seit Kriegsbeginn stark gestiegen. Höhere Erdgaspreise können auch auf den Strommarkt ausstrahlen, weil sie in Europa häufig auch höhere Strompreise nach sich ziehen. Und letztlich erhöht der Krieg weltweit die Unsicherheit. Investitionen werden gestrichen oder zurĂĽckgestellt, was die Nachfrage nach den GĂĽtern der Schweizer Tech-Industrie dämpft. 

Unter dem Strich bedeutet der Irankrieg und die Sperrung der Strasse von Hormuz ein ernstes Risiko fĂĽr die Weltwirtschaft. Davon ist auch die Schweizer Tech-Industrie betroffen. Erdöl spielt zwar in der Branche nur noch eine Nebenrolle. Aber die höheren Erdgaspreise werden bei energieintensiven Unternehmen zu einem Kostenschub fĂĽhren. Höhere Kosten sind auch fĂĽr Transport und allenfalls Strom zu erwarten. Zudem vertiefen sich weltweit die Unsicherheiten, was die Nachfrage nach InvestitionsgĂĽtern weiter bremst. Es bleibt zu hoffen, dass der Krieg bald endet, damit sich die Versorgungslage mit Erdöl und Erdgas wieder normalisieren kann. 

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Letzte Aktualisierung: 27.03.2026