Die Innovationsleistung der Hightech-Industrien ist für die Wertschöpfung der Schweiz von zentraler Bedeutung. Im Zeitablauf zeigt sich zunächst eine stabile Entwicklung; trotz der tendenziellen Aufwertung des Schweizer Frankens, der Covid-19-Krise sowie der Spannungen mit der EU ist es den Unternehmen gelungen, den durchschnittlichen Umsatzanteil mit Innovationen weitgehend konstant zu halten (vgl. www.innovationserhebung.ch, Abbildung 3.26).
Stabilität dank inkrementeller Innovation
Diese Stabilität beruht jedoch in erster Linie auf inkrementellen Innovationen. Dabei handelt es sich aus Sicht des Unternehmens um neue Produkte und Dienstleistungen, die es am Markt bereits in ähnlicher Form gibt.
RĂĽckgang radikaler Innovation mit Markterfolg
Deutlich anders fällt das Bild bei radikaleren Innovationen aus, also bei Produkten und Dienstleistungen, die neu für den Markt sind. Deren Umsatzanteile sind seit der Finanzkrise 2008/2009 rückläufig – besonders ausgeprägt seit der Periode 2014–2016. Im Durchschnitt ist ihr Anteil am Umsatz von knapp 7 Prozent auf unter 3 Prozent gesunken (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1
Steigende F&E-Investitionen, sinkender Markterfolg
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Innovationsanstrengungen zugenommen haben. Gemessen am Umsatzanteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) lässt sich seit der Periode 2016–2018 ein Aufwärtstrend erkennen. Steigenden Innovationsinvestitionen steht in den letzten Jahren jedoch ein tendenziell sinkender Markterfolg gegenüber.
Diese Entwicklung deutet auf einen verschärften internationalen Wettbewerb hin und die Margen neuer Produkte und Dienstleistungen geraten zunehmend unter Druck.
Innovationsstandort Schweiz bleibt gefordert
Die Schweiz hat auf diese Herausforderungen reagiert – mit der Patentbox und der erhöhten steuerlichen Absetzbarkeit von F&E-Ausgaben sowie weiteren regionalen und nationalen Initiativen. Dennoch bleibt der Druck auf den Innovationsstandort hoch auch durch die international dynamische Handelspolitik.
Fazit: Die Wirksamkeit der bestehenden Rahmenbedingungen müsste ständig überprüft und weiterentwickelt werden.
Zur Person
ProfessorMartin Wörterist Leiter des Bereichs Innovationsökonomik am KOF Institut und Professor am Departement für Management, Technologie und Ökonomie der ETH Zürich. Seine Forschung konzentriert sich auf den Bereich der Innovationsökonomie, einschliesslich Themen im Zusammenhang mit Umweltinnovationen, der Digitalisierung der Wirtschaft und dem Wissens- und Technologietransfer.
