Peter Fischer ĂĽber die Bilateralen III und die Folgen des Stillstands
Unsere Firma Fischer Reinach produziert seit 1842 in der Schweiz. Wir denken nicht in Quartalen, sondern Generationen. In fast zwei Jahrhunderten haben wir Krisen, Umbrüche und technologische Revolutionen erlebt. Eines hat sich dabei immer wieder bestätigt: Der Erfolg der Schweiz beruht auf Offenheit, Verlässlichkeit und starken internationalen Beziehungen.
Die derzeit im Parlament beratenen Bilateralen III sind für mich deshalb keine abstrakte europapolitische Frage, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Schweizer Industrie steht unter Druck. Geopolitische Spannungen nehmen zu, Handelskonflikte häufen sich, und viele Staaten setzen zunehmend auf Protektionismus. Gleichzeitig ist die Schweiz stärker als die meisten anderen Länder auf den Austausch mit dem Ausland angewiesen. Als kleiner Staat basiert unser Wohlstand nicht auf einem grossen Binnenmarkt, sondern auf unserer Fähigkeit, weltweit wettbewerbsfähig zu sein.
Für exportorientierte Unternehmen wie Fischer Reinach ist die EU der wichtigste Absatzmarkt. Unsere 350 Mitarbeitenden produzieren jährlich über sechs Milliarden Teile für die weltweite Beschläge-, Bau-, Elektro- und Automobilindustrie; mehr als 90 Prozent gehen in den Export. Unsere Kunden erwarten Qualität und Innovation, aber auch einfache und stabile Handelsbedingungen.
Genau hier setzen die Bilateralen III an. Die Bilateralen III sichern den Zugang zum europäischen Binnenmarkt und aktualisieren die bestehenden Abkommen. Das ist für die Schweizer Tech-Industrie mit ihrer Exportquote von rund 80 Prozent unverzichtbar. Ohne funktionierende Verträge drohen noch mehr Bürokratie, höhere Kosten und neue Handelshemmnisse – insbesondere für Industrieunternehmen und KMU.
Oft wird in der Debatte der Eindruck erweckt, die Schweiz könne einfach alles beim Alten belassen. Doch dieser vermeintliche Status quo existiert nicht. Nichts tun, ist keine Option, denn das führt zu einer schleichenden Erosion der bestehenden Verträge. Für ein exportorientiertes Land ist Stillstand deshalb keine valable Strategie, sondern ein schmerzhafter Rückschritt.
Als Unternehmer in sechster Generation weiss ich: Planungssicherheit ist ein entscheidender Standortfaktor. Investitionen und Arbeitsplätze entstehen dort, wo Unternehmen auf verlässliche Rahmenbedingungen zählen können. Ich bin überzeugt, dass die Bilateralen III zu dieser Planungssicherheit beitragen.
Dabei geht es nicht nur um die Industrie. Auch Forschung, Bildung und Innovation profitieren von einer engen Zusammenarbeit mit Europa. Der Zugang zu internationalen Forschungsprogrammen stärkt den Wissensstandort Schweiz und hilft Unternehmen, neue Technologien schneller in marktfähige Produkte umzusetzen. Gerade in einer Zeit, in der Innovation über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet, ist das von existentieller Bedeutung.
Selbstverständlich ist kein internationales Abkommen perfekt. Jeder Verhandlungskompromiss beinhaltet Geben und Nehmen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob das Vertragspaket makellos ist. Die relevante Frage ist vielmehr, welche Option für die Schweiz insgesamt die beste ist.
Die Bilateralen III ermöglichen es der Schweiz, den bewährten bilateralen Weg weiterzuführen. Sie sichern den Marktzugang, stärken die Versorgungssicherheit, fördern Forschung und Innovation und schaffen Stabilität in einem zunehmend unsicheren internationalen Umfeld. Gleichzeitig bleibt die Schweiz ein souveräner Staat mit direkter Demokratie und eigenen politischen Institutionen. Das ist auch mir sehr wichtig.
Die Schweiz war immer dann erfolgreich, wenn sie selbstbewusst und pragmatisch gehandelt hat. Nicht Abschottung, sondern Offenheit hat unseren Wohlstand geschaffen. Nicht Isolation, sondern verlässliche Partnerschaften haben unseren Unternehmen den Weg in die Welt eröffnet.
Als Vertreter eines Familienunternehmens denke ich auch an die kommenden Generationen. Sie sollen in einem Land leben und arbeiten können, das wirtschaftlich stark bleibt, innovative Arbeitsplätze bietet und seine Erfolgsgeschichte fortschreibt.
Die Bilateralen III sind kein Selbstzweck. Sie sind ein Instrument, um dieses Ziel zu erreichen. Deshalb glaube ich, verdienen sie die Unterstützung der Wirtschaft, der Politik und der Bevölkerung.
Zur Person
Peter Fischer ist Verwaltungsratspräsident der Fischer Reinach AG, einem Familienunternehmen in sechster Generation. Zudem ist er im Verwaltungsrat mehrerer Schweizer Industrieunternehmen, im Wirtschaftsbeirat der Schweizerischen Nationalbank, als Quästor von Swissmem und Mitglied des Komitees «Wirtschaft Pro Bilaterale» engagiert.
