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Swissmem Industrietag «Zwischen Mächten und Märkten»: So behaupten sich die Schweiz und ihre Tech-Industrie

Auf Einladung von Swissmem trafen sich rund 1’300 Führungskräfte aus Industrie, Politik und Wissenschaft zum 19. Industrietag in Basel. Neben Swissmem-Präsident Martin Hirzel und diversen Vertretern aus Swissmem Mitgliedfirmen traten Bundespräsident Guy Parmelin sowie die Generaldirektorin der WTO Dr. Ngozi Okonjo-Iweala am wichtigsten Anlass der Schweizer Tech-Industrie auf.

Der 19. Swissmem Industrietag stand unter dem Titel «Zwischen Mächten und Märkten». Im Zentrum stand die Frage, wie sie sich Schweiz als kleines Land in einer zunehmend von Machtpolitik geprägten Welt erfolgreich behaupten kann. Der Gegensatz «Klein – Gross» wurde auch in Bezug auf die Unternehmen der Tech-Industrie thematisiert. Es wurden Antworten auf die Fragen gesucht, wo die Vor- und Nachteile, die Konflikte sowie die Synergien im Zusammenspiel von Start-ups, KMU und Grossunternehmen liegen.

Stark bleiben, wo andere zu gross und zu langsam sind

«Die Welt ist härter und unberechenbarer geworden». So beschrieb Swissmem-Präsident Martin Hirzel die neuen geopolitischen Realitäten. «Die Schweiz kann den grossen Mächten keine Regeln diktieren. Sie muss deshalb dort stark sein, wo andere zu gross, zu langsam oder zu wenig präzise sind». Für die Unternehmen der Schweizer Tech-Industrie bedeutet das, Marktnischen suchen und diese beherrschen. «Das können unsere Firmen heute schon gut. Aber das wird künftig nicht mehr ausreichen. Wir müssen innovativer, schneller und für unsere Kunden unverzichtbar werden», betonte Martin Hirzel.

Alle Anstrengungen der Unternehmen nützen allerdings nichts, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen fehlen. Deshalb muss sich die Politik vermehrt darauf fokussieren, wie sie die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz stärken kann. Konkret bedeutet das: keine neuen Belastungen, weniger Bürokratie, neue Freihandelsabkommen, stabile Beziehungen zur EU, eine starke Berufsbildung und konsequente Innovationsförderung. «Dies in den Fokus zu setzen, ist nicht wirtschaftsegoistisch. Im Gegenteil. Es ist die Grundlage für die soziale Sicherheit in der Schweiz. Denn nur wenn die Unternehmen erfolgreich sind, lassen sich Sozialversicherungen, Landesverteidigung und Bildungswesen ausreichend finanzieren», unterstrich Martin Hirzel.

Kritische Rohstoffe und offene Märkte im Fokus

Um im heutigen Umfeld bestehen zu können, sind für die Schweiz Kooperationen abseits der Grossmächte ein wichtiges Mittel. Das ist im Bereich der Rohstoffe besonders relevant, wo Staaten wie China über eine erdrückende Marktmacht verfügen. Am Industrietag wurden die Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Zeugen des Beginnes einer solchen Kooperation: Die Schweiz und Indonesien unterzeichneten auf der Bühne ein «Memorandum of Understanding», das der Schweiz den Zugang zu kritischen Mineralien und Metallen erleichtern wird. Im Gegenzug sichert die Schweiz zu, Investitionen in Indonesien zu fördern. Für die Tech-Industrie ist das von grosser Bedeutung, denn sie ist auf die Verfügbarkeit von zahlreichen Rohstoffen angewiesen.

Den Abschluss des Industrietages bildete der Auftritt von Dr. Ngozi Okonjo-Iweala der Generaldirektorin der Welthandelsorganisation (WTO). Sie betonte, dass die WTO trotz schwerer Belastungen weiterhin unverzichtbar bleibt. Ăśber 70 Prozent des weltweiten Handels werden nach wie vor zu WTO-Bedingungen abgewickelt. FĂĽr den Kleinstaaten wie die Schweiz ist es zentral, dass die WTO und das multilaterale System gestärkt werden. Dies verhindert, dass sie zu Spielbällen der Machtblöcke werden. Internationale Verträge unterstĂĽtzen, statt durch Grossmächte extraterritorial durchgesetzte Gesetze erdulden, ist fĂĽr Swissmem der bessere Weg.  

Mercosur-Nein korrigieren

Aus den neuen geopolitischen Realitäten folgt, dass die Schweiz konsequent auf Freihandelsabkommen setzen muss. «Wir fordern von allen Parteien und Verbänden eine konsequente Unterstützung der Exportwirtschaft», sagte Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem. Leider hat der Nationalrat mit seinem NEIN zum Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten jüngst die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. «Das ist völlig unverständlich. Der Ständerat muss diesen Fehler korrigieren», betonte Brupbacher. «Die Vertreter der Landwirtschaft sollten nicht vergessen, dass die Exportwirtschaft einen wesentlichen Anteil der jährlich 2,7 Milliarden Franken Direktzahlungen mit ihren Steuern finanziert. Und der Linken sollte bewusst werden, dass die Finanzierung der Sozialversicherungen und anderer ihrer Anliegen ohne eine starke Exportwirtschaft nicht mehr gewährleistet wären. Zudem sind ihre Forderungen nach Übernahme der EU-Entwaldungsverordnung und EU-Zwangsarbeitsverordnung deplatziert.»
 

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Letzte Aktualisierung: 23.06.2026