Warum betrifft die Exportkontrolle in der Praxis fast jedes international tätige Industrieunternehmen?
Marcel Walser: Exportkontrolle wird häufig auf klassische Kriegsgüter reduziert. Tatsächlich umfasst sie jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Produktkategorien. Beispielsweise Dual‑Use‑Güter, die sowohl zivile als auch militärische Anwendungen haben können und längst zu unserem Alltag gehören: vom Frequenzumrichter im Lift über den WLAN‑Router im Büro bis zum Mobilfunksensor im Smartphone. Exportkontrolle ist daher für jedes international tätige Unternehmen bereits heute Realität.
Wenn ein Unternehmen seine internen Prozesse zur Exportkontrolle neu aufsetzen oder weiterentwickeln möchte: Wo sollte es beginnen?
Der erste Schritt ist ein klares Commitment der Geschäftsleitung. Danach sollte eine strukturierte Risikobewertung erfolgen und darauf aufbauend die Definition von Ländern, in denen grundsätzlich keine Geschäfte getätigt werden.
Wo sehen Sie in der Praxis die häufigsten Schwachstellen bei der Umsetzung von Exportkontrollen?
Eine der grössten Herausforderungen ist Unsicherheit. Wer Angst hat, Fehler zu machen, reagiert oft mit Zurückhaltung, die bis zum Stillstand führen kann. Klare Prozesse, Schulungen und – insbesondere in grösseren Unternehmen – der Einsatz professioneller Tools für das Screening von Sanktionslisten schaffen Sicherheit und erhöhen die Handlungsfähigkeit.
Welche Funktionen im Unternehmen mĂĽssen besonders eng zusammenarbeiten, damit Exportkontrolle funktioniert?
Selbstverständlich ist die enge Zusammenarbeit mit dem Vertrieb zentral. Exportkontrolle funktioniert jedoch nur mit einer breiten Awareness im gesamten Unternehmen. Für die korrekte Produktklassifizierung ist zudem die enge Einbindung von Entwicklungsexperten entscheidend. Export Compliance ist immer Teamarbeit.
Die geopolitische Lage verändert sich derzeit schnell – Sanktionen werden laufend angepasst. Wie stellen Sie bei Leica Geosystems sicher, dass Ihr Unternehmen hier auf dem aktuellen Stand bleibt?
Kurz gesagt: lesen, lesen, lesen. Regelmässige Informationen über Updates des SECO, einschlägige Newsletter oder den kontinuierlichen Austausch mit Experten aus anderen Unternehmen sind essenziell. Exportkontrolle ist ein laufender Prozess, kein einmaliges Projekt.
Wenn Sie Industrieunternehmen einen Rat zur Exportkontrolle geben dürften: Welcher wäre das?
Investieren Sie in Wissen. Der Besuch einer fundierten Exportkontroll‑Schulung, zum Beispiel bei Swissmem, ist eine der wirksamsten Massnahmen, um Unsicherheiten abzubauen und Exportkontrolle praxisnah umzusetzen und handhabbar zu machen.
Schulung Exportkontrolle
Was Sie an unserer zweitägigen Schulung am 27. und 28. Oktober 2026 in Zürich erwartet:
- Grundlagen der Schweizer Exportkontrolle
- Embargo- und SanktionslistenprĂĽfung
- GĂĽterklassifizierung und aktuelle Entwicklungen
- Digitalisierung & Technologietransfer in der Exportkontrolle
- Internationale Gesetzgebungen (inkl. US-Exportkontrolle)
- Vertrags- und strafrechtliche Aspekte
