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Freihandel und Pragmatismus - was in harten weltpolitischen RealitÀten zÀhlt

Machtpolitik und wirtschaftliche Regionalisierung nehmen zu. FĂŒr die Schweizer Tech-Industrie sind offene MĂ€rkte und verlĂ€ssliche Handelsbeziehungen deshalb wichtiger denn je.

Die geopolitische Lage hat sich grundlegend verĂ€ndert. An die Stelle einer berechenbaren, regelbasierten Weltordnung und relativ offenen MĂ€rkten treten Machtpolitik, wirtschaftliche Abschottung und immer mehr Konflikte. FĂŒr die exportorientierte Schweizer Tech-Industrie gilt: Gerade jetzt braucht es stabile Beziehungen zur EU als unserem wichtigsten Handelspartner und Freihandelsabkommen mit möglichst vielen Partnern weltweit. Swissmem Direktor Stefan Brupbacher ordnet ein. 

Die US-Regierung verfolgt einen protektionistischen Kurs. Viele LĂ€nder und LĂ€ndergruppen setzen mit immer neuen Abkommen aber nach wie vor auf Freihandel und Kooperation – an vorderster Front die Schweiz. Unter der FĂŒhrung des von BundesprĂ€sident Guy Parmelin und des Staatssekretariats fĂŒr Wirtschaft SECO hat die Schweiz in den vergangenen Jahren Abkommen mit Indien, Thailand, Malaysia und dem Mercosur abschliessen können. Damit hat sich die kleine Schweiz Zugang zu AbsatzmĂ€rkten von mehreren hundert Millionen bis zu ĂŒber einer Milliarde Einwohnerinnen und Einwohnern erschlossen. Ein grosser Erfolg und ein wichtiges Zeichen in Zeiten der geopolitischen UmwĂ€lzungen.

⚓Europa bleibt der Anker

In letzter Zeit sorgten jedoch die EU und einzelne Mitgliedstaaten fĂŒr rote Köpfe im Schweizer Exportsektor. Mit Hiobsbotschaften von «Buy European» ĂŒber Stahlschutzmassnahmen bis hin zu diskriminierenden Abschreibungsgesetzen in Italien verunsicherten und verĂ€rgerten sie die Schweizer Partner. Nach GesprĂ€chen mit der EU-Seite, in die Swissmem involviert war, liess sich fĂŒr fast alle Gesetzesvorhaben eine Lösung finden, welche die Schweiz einschliesst. Gerade die Kritiker der Bilateralen III stellen die Frage in den Raum: Ist die EU eine verlĂ€ssliche Partnerin? 

Seien wir realistisch: In einer Welt, die immer protektionistischer wird, werden wir auch in den kommenden Jahren in BrĂŒssel immer wieder fĂŒr unsere Schweizer Interessen einstehen mĂŒssen. Auch wird es immer wieder von Mitgliedsstaaten oder im EU-Parlament VorschlĂ€ge geben, welche die Schweiz benachteiligen könnten. 

Doch das umgekehrte Szenario gibt es auch: Die von beiden Parlamentskammern ĂŒberwiesene Motion fĂŒr eine Autobahnabgabe bei der Durchfahrt durch die Schweiz ist klar gegen EU-BĂŒrger und -BĂŒrgerinnen gerichtet. Ein analoges Gesetz in Deutschland wurde vom EuGH als Diskriminierung unterbunden. Damals waren wir Schweizer froh ĂŒber das Verdikt. 

Das Beispiel zeigt vor allem, dass die EU bei all ihren Problemen ein Rechtsstaat ist. Sie belegt uns nicht ĂŒber Nacht mit einem aus der Luft gegriffenen Zollsatz von 39 Prozent. 

Die Diskussion in der EU wird aber hĂ€rter gefĂŒhrt. Die Mitgliedstaaten wollen sich besser schĂŒtzen, vor allem gegen China. Die Strategie der EU ist: Europa ist EU plus EWR. Unsere Antwort ist: Europa ist EU plus EFTA. Dank dem weit fortgeschrittenen Prozess bei den Bilateralen III und deren kĂŒrzlichen Unterzeichnung haben wir eine tragfĂ€hige BrĂŒcke, um mit EWR und EU-Staaten gleichgestellt zu werden. 

FĂŒr Swissmem ist deswegen klar: Der Weg fĂŒhrt ĂŒber das Vertragspaket der Bilateralen III. Dieses Paket – auch wenn es nicht perfekt ist – ist die beste Chance fĂŒr die Schweiz, weiterhin eng in den Binnenmarkt eingebunden zu bleiben und nicht schrittweise in den Status eines Drittlandes abzurutschen. Gerade Beispiele wie der Entscheid der EU-Kommission zum Industrial Accelerator Act (IAA) und «Buy European» zeigen, dass die EU gewillt ist, die Schweiz grundsĂ€tzlich gleich wie die EWR-Staaten zu behandeln. 

⭐Freihandel mit Vietnam – der aufsteigende Star in Asien

Die Schweiz soll sich aber nicht nur auf Europa verlassen. Gerade weil grosse WirtschaftsrÀume wieder geostrategischer denken, braucht es einen möglichst breiten Zugang zu anderen MÀrkten. Einen bedeutenden weissen Fleck in Asien gilt es dabei noch zu erschliessen: Vietnam.

Seit ĂŒber 15 Jahren und 19 Verhandlungsrunden ist die EFTA dabei, ein Abkommen mit dem sĂŒdostasiatischen Land auszuhandeln. Jetzt befindet man sich auf der Zielgeraden: Vor wenigen Wochen durfte ich als Teil der Delegation rund um StaatssekretĂ€rin Helene Budliger die Hauptstadt Hanoi und dort sechs Ministerien, die Parteispitzen sowie Schweizer und lokale Firmen besuchen. Ziel war das Vereinbaren eines Zielkorridors, eines Zeithorizonts sowie das Thematisieren der verbleibenden offenen Themen. 

Die Delegation war sehr erfolgreich: Noch dieses Jahr soll das Abkommen im Beisein einer hochrangigen Schweizer Wirtschaftsdelegation in Vietnam abgeschlossen werden. Das ist fĂŒr unsere Exporteure wichtig: Vietnam boomt, gerade auch als Alternative zum Produktionsstandort China. Da sind Schweizer Maschinen gefragt. Vietnam drĂ€ngt sich aber auch auf fĂŒr Investitionen mit einer engagierten und immer besser ausgebildeten Bevölkerung. Und schliesslich können Schweizer Firmen beim Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur mithelfen. 

🚹Der Iran-Krieg ist ein Warnsignal

Der Konflikt in der Golfregion zeigt eindrĂŒcklich, wie eng die Weltwirtschaft verflochten ist – und wie rasch regionale Konflikte ein globales Strohfeuer in Form von unterbrochenen Lieferketten, explodierenden Energiepreisen und lĂ€ngeren Transportwegen entfachen können. FĂŒr die Schweizer Tech-Industrie, die stark in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden ist, bedeutet das mehr Unsicherheit, höhere Kosten und mehr Druck auf Planung und Beschaffung. 

Besonders fĂŒr die Verteidigungsindustrie sind die Konsequenzen des Entscheids des Bundesrats, aufgrund der Anwendung des NeutralitĂ€tsrechts neue Exporte von VerteidigungsgĂŒtern an die in den Iran-Konflikt verwickelten Staaten derzeit nicht zu bewilligen, gravierend. 

Je fragiler das Umfeld, desto wichtiger werden alternative Bezugs- und Absatzmöglichkeiten, offene MĂ€rkte und verlĂ€ssliche Abkommen. Dabei muss auch die Schweiz ihren Teil der Abmachung einhalten und eine verlĂ€ssliche Partnerin sein. 

In den kommenden Jahren braucht es wieder mehr Zusammenstehen und Pragmatismus, damit wir erfolgreich durch diese StĂŒrme navigieren können. 

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Letzte Aktualisierung: 27.04.2026