Kältemittel sind für die Tech-Industrie unverzichtbar. Sie werden in Kälteanlagen, Wärmepumpen, Schaltschrankkühlungen und Prozesskühlern eingesetzt. Ohne zuverlässige Kälte- und Wärmetechnik lassen sich viele industrielle Prozesse nicht stabil und energieeffizient betreiben. Gleichzeitig stehen viele synthetische Kältemittel regulatorisch unter Druck, weil sie als fluorierte oder teilfluorierte Stoffe oft ein hohes Treibhauspotenzial haben. Werden sie bei Leckagen freigesetzt, tragen sie zum Klimawandel bei.
Strengere Vorgaben in der Schweiz
In der Schweiz regelt Anhang 2.10 der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) den Umgang mit Kältemitteln. Ziel ist es, Emissionen von ozonschichtabbauenden und stark klimaerwärmenden Kältemitteln zu vermindern.
Die Vorgaben betreffen unter anderem das Inverkehrbringen von Geräten sowie mobilen und stationären Anlagen mit in der Luft stabilen oder ozonschichtabbauenden Kältemitteln. Entscheidend sind Kälteleistung, Füllmenge, Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) und Ozonabbaupotenzial. Wichtige Änderungen treten in der Schweiz am 1. Januar 2027 in Anlehnung an die Vorschriften der EU in Kraft.
Die EU reduziert den Einsatz von HFKW
Für die exportorientierte Schweizer Tech-Industrie ist auch die EU-F-Gas-Verordnung relevant. Sie verschärft die Regeln für fluorierte Treibhausgase. Zu den wichtigsten Elementen gehören die schrittweise Verringerung der auf dem EU-Markt verfügbaren Mengen an teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW) sowie Inverkehrbringungs- und Verwendungsverbote.
Hinzu kommen Anforderungen an die Emissionsvermeidung, Dichtheitskontrollen, die Dokumentation im Wartungsheft, Schulung, Zertifizierung, Rückgewinnung und Recycling. Die Vorgaben sind für Schweizer Unternehmen relevant, wenn sie Produkte, Maschinen oder Komponenten mit fluorierten Kältemitteln in die EU exportieren. Swissmem stellt Mitgliedern ein Factsheet zur F-Gas-Verordnung zur Verfügung: Technische Regulierungen im Extranet.
Sichere Alternativen sind gefragt
Natürliche oder halogenfreie Alternativen wie Kohlendioxid (R744), Ammoniak (R717), Propan (R290), Wasser oder Luft können je nach Anwendung zum Einsatz kommen. Auch diese Stoffe bringen jedoch technische Risiken mit sich: Propan ist brennbar, Ammoniak toxisch, und Kohlendioxid wird unter hohem Druck eingesetzt.
Die Wahl des passenden Kältemittels bleibt deshalb eine technische Herausforderung, insbesondere hinsichtlich der Sicherheit. Bei fluorierten Alternativen ist zudem die geplante PFAS-Beschränkung zu beachten, da gewisse fluorierte Kältemittel davon betroffen sein könnten.
Webinar-Aufzeichnung fĂĽr Swissmem-Mitglieder
Das Swissmem-Webinar «Kältemittel in der Tech-Industrie» beleuchtete die EU-F-Gas-Verordnung und die spezifische Schweizer Regulierung. Im Fokus standen Inverkehrbringungsverbote, Pflichten für Unternehmen, die ChemRRV, der Stand der Technik und relevante Ausnahmen. Die deutschsprachige Aufzeichnung steht Swissmem-Mitgliedern im Extranet zur Verfügung.
Auf Französisch findet das Webinar am 5. November 2026 statt. Weitere Informationen und Anmeldung.
