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K√ľrzung des Ferienanspruchs

Wie ist das Vorgehen bei einer K√ľrzung des Ferienanspruchs? F√ľr Arbeitgeber stellt sich diese Frage immer wieder. Eine solche K√ľrzung kann bei l√§ngeren oder regelm√§ssigen Abwesenheiten des Arbeitnehmers innerhalb einer Referenzperiode von 12 Monaten vollzogen werden.

Im Obligationenrecht entspricht diese Referenzperiode einem Dienstjahr. Somit m√ľssen die Abwesenheiten jedes Mitarbeiters in Bezug auf deren Firmeneintritt √ľberpr√ľft werden. Diese Regel hat jedoch keinen zwingenden Charakter. Die Referenzperiode kann auf die Berechnung des Ferienanspruchs pro Kalenderjahr √ľbertragen werden, was den administrativen Aufwand mindert. Somit kann jeder Arbeitgeber gem√§ss den Richtlinien der internen Betriebsordnung handeln.

Die Anwendung dieser Regel ist je nach Fall unterschieden und wird unterschiedlich angewendet, je nachdem ob das Unternehmen dem GAV MEM unterstellt ist oder nicht.

1) K√ľrzung des Ferienanspruchs aufgrund einer ¬ęverschuldeten¬Ľ Arbeitsabwesenheit:

Wenn laut Obligationenrecht, Artikel 329b Abs.1, der Arbeitnehmer durch sein Verschulden w√§hrend eines Dienstjahres insgesamt um mehr als einen Monat an der Arbeitsleistung verhindert wird, so kann der Arbeitgeber die Ferien f√ľr jeden vollen Monat der Verhinderung um einen Zw√∂lftel k√ľrzen. Dies schon ab dem ersten Abwesenheitsmonats. Unter ¬ęverschuldeter Arbeitsabwesenheit¬Ľ versteht man eine durch grobe Fahrl√§ssigkeit, Nachl√§ssigkeit oder eine vors√§tzlich gef√§hrliche Situation verschuldete Abwesenheit. Eine unbezahlte Abwesenheit wird nicht als ¬ęverschuldete Arbeitsabwesenheit¬Ľ betrachtet und gibt sowieso keinen Anspruch auf Ferien.

2) K√ľrzung des Ferienanspruchs aufgrund einer ¬ęunverschuldeten¬Ľ Arbeitsabwesenheit:

In den meisten F√§llen betrifft eine m√∂gliche K√ľrzung des Ferienanspruchs Mitarbeiter deren Arbeitsabwesenheit unverschuldet ist. Gemeint sind damit Krankheit, Unfall oder die ¬ęErf√ľllung gesetzlicher Verpflichtungen, die Aus√ľbung einer √∂ffentlichen Funktion oder der Bezug eines Jugendurlaubs¬Ľ. In diesem Fall kann der Arbeitgeber den Ferienanspruch unter Einhaltung zweier Regeln k√ľrzen, je nachdem ob das Unternehmen dem GAV MEM unterstellt ist oder nicht.

2.1. F√ľr Unternehmen, die nicht dem GAV MEM unterstellt sind:

Das Obligationenrecht sieht f√ľr Abwesenheiten, die innerhalb der Referenzperiode gesamthaft l√§nger als zwei Monate dauern, folgende Regel vor: eine K√ľrzung um einen Zw√∂lftel des j√§hrlichen Ferienanspruchs kann ab dem zweiten Abwesenheitsmonats erfolgen. Dies bedeutet, dass die K√ľrzung nicht schon ab dem ersten Monat erfolgen kann, der als ¬ęSchonfrist¬Ľ gilt und auch nicht f√ľr die Abwesenheitszeiten, die kumuliert weniger als einen Monat ausmachen (zum Beispiel 3 Wochen).

2.2 F√ľr Unternehmen, die dem GAV MEM unterstellt sind:

Laut Artikel 13.3 GAV, darf der Arbeitgeber den Ferienanspruch nur dann k√ľrzen, wenn die Absenzen innerhalb eines Kalenderjahres gesamthaft l√§nger als drei Monate dauern. Somit kann der Ferienanspruch ab dem vierten Monat der Abwesenheit um einen Zw√∂lftel gek√ľrzt werden.

3) K√ľrzung des Ferienanspruchs bei Schwangerschaft:

Laut Artikel 329b Abs.3 des Obligationenrechts, darf der Arbeitgeber den Ferienanspruch auch nicht k√ľrzen, wenn eine Arbeitnehmerin wegen Schwangerschaft bis zu zwei Monaten an der Arbeitsleistung verhindert ist oder weil sie die Mutterschaftsentsch√§digung im Sinne des Erwerbsersatzgesetzes (EOG) bezieht. Die K√ľrzung des Ferienanspruchs entspricht in diesem Fall einer unverschuldeten Arbeitsabwesenheit.

3.1 F√ľr Unternehmen, die den GAV MEM nicht anwenden:

Das Obligationenrecht legt eine Schonfrist von zwei Monaten fest. Somit ist eine K√ľrzung des Ferienanspruchs um einen Zw√∂lftel erst ab einer kumulierten Abwesenheit von 3 Monaten m√∂glich.

3.2 F√ľr Unternehmen, die den GAV MEM anwenden:

Artikel 13.3 des GAV MEM muss wie f√ľr alle anderen Abwesenheitsf√§lle angewendet werden. Die K√ľrzung des Ferienanspruchs um einen Zw√∂lftel ist somit ab einer kumulierten Abwesenheit von 4 Monaten m√∂glich.

4) K√ľrzung des Ferienanspruchs - Berechnungsart:

Um die K√ľrzung des Ferienanspruchs zu berechnen m√ľssen alle Abwesenheitstage w√§hrend der Referenzperiode gez√§hlt und kumuliert werden, was sehr aufwendig werden kann. Diesbez√ľglich sollten einige Sonderf√§lle bekannt sein:

4.1 Wenn ein Arbeitnehmer nicht ein ganzes Jahr gearbeitet hat, zum Beispiel bei Stellenantritt oder Vertragsaufl√∂sung, kann gem√§ss Bundesgericht keine proportionale K√ľrzung der Schonfrist erfolgen.

4.2 Wenn der Arbeitnehmer Teilzeit arbeitet, gelten die wöchentlichen Arbeitstage als Referenz, unter Annahme, dass jeder Monat im Durchschnitt 4.33 Wochen zählt.

4.3 Wenn der Arbeitnehmer aufgrund einer Teilinvalidit√§t nicht voll arbeiten kann, kann der Arbeitgeber ausrechnen, wie vielen kompletten Abwesenheitstagen die teilweisen Arbeitsausf√§lle entsprechen. Wir empfehlen, im Firmenreglement festzulegen, dass die K√ľrzung des Ferienanspruchs den teilweisen Arbeitsausf√§llen proportional zum Grad der Arbeitsunf√§higkeit Rechnung tr√§gt.

Sollten Sie Fragen bez√ľglich der K√ľrzung des Ferienanspruchs haben, steht der Bereich Arbeitgeberpolitik den Mitgliedfirmen von Swissmem gerne zur Verf√ľgung. Frau B√©atrice Martin-Flatin, Ressortleiterin, Arbeitgeberpolitik (044 384 42 07 oder b.martin-flatinnoSpam@swissmem.ch) beantwortet gerne Ihre Fragen.

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Letzte Aktualisierung: 04.01.2017