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Vorsicht bei ¬ęFerienlohn inbegriffen¬Ľ

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Ferien sind in natura zu beziehen und d√ľrfen in der Regel nicht durch Geldleistungen abgegolten werden. Nur wenn es sich um sehr kurze Arbeitseins√§tze oder eine sehr unregelm√§ssige Arbeitsleistung handelt, akzeptieren Gerichte unter gewissen Voraussetzungen, dass der Ferienlohn in die ordentliche Lohnzahlung inkludiert werden kann.

W√§hrend der Ferien ist dem Arbeitnehmer der gleiche Lohn zu entrichten, wie wenn er arbeiten w√ľrde. Zudem d√ľrfen die Ferien w√§hrend der Dauer des Arbeitsverh√§ltnisses nicht durch Geldleistungen oder andere Verg√ľnstigungen abgegolten werden (vgl. Artikel 329d Abs. 2 OR). Dieses absolut zwingende Ferienabgeltungsverbot wird vom Bundesgericht sehr streng gehandhabt. Arbeitgeber, die sich nicht daran halten, riskieren eine Doppelzahlung und m√ľssen bei Vertragsende die Ferien erneut bezahlen.

Um dem Wunsch aus der Praxis, den Ferienlohn in die laufende Entsch√§digung zu integrieren, dennoch etwas entgegenzukommen, erachten die Gerichte zumindest bei sehr unregelm√§ssiger Arbeitsleistung oder bei sehr kurzen Arbeitseins√§tzen ¬ęFerienlohn inbegriffen¬Ľ als zul√§ssig.

Dabei sollten Arbeitgeber aber zwingend folgende Punkte beachten:

‚ÄĘ Der Lohnanteil, der auf die Ferien entf√§llt, sollte im Arbeitsvertrag separat (prozentual oder betragsm√§ssig) ausgewiesen werden.

‚ÄĘ Zudem ist dieser auf jeder einzelnen Lohnabrechnung nochmals explizit auszuweisen.

Bundesgericht bestätigt restriktive Haltung

Seine restriktive Haltung hat das Bundesgericht in einem aktuellen Fall best√§tigt (4A_561/2017). Konkret ging es um einen Angestellten, der ab August 2008 bis Mitte 2013 in einer Tischlerei im Kanton Waadt t√§tig war. Der Arbeitsvertrag sah eine T√§tigkeit von 42,5 Stunden pro Woche vor, bei einem Stundenlohn von 28 Franken und vier Wochen Ferien. Zudem wurde geregelt, dass mit dem Stundenlohn die vier Wochen Ferien, ein 13. Monatslohn sowie die gesetzlichen Feiertage abgegolten seien. Aufgrund der Vereinbarung erhielt der Arbeitnehmer w√§hrend des Ferienbezugs jeweils keinen Lohn. Nach Beendigung des Arbeitsverh√§ltnisses klagte der Arbeitnehmer gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber auf Auszahlung des Ferienlohns f√ľr die Dauer von 2009 bis 2013 und bekam vom Bundesgericht aus zwei Gr√ľnden Recht:

1. Das Gericht befand, dass die Parteien mit den 42,5 Stunden pro Woche eine regelm√§ssige T√§tigkeit vereinbart h√§tten, weshalb eine wesentliche Voraussetzung f√ľr eine zul√§ssige Integration des Ferienlohns im Lohn fehlte.

2. Zudem wies die Lohnabrechnung zwar korrekt 8,33% f√ľr die Ferien aus, aber eine entsprechende separate Ausweisung des Ferienanteils im Arbeitsvertrag wurde nicht aufgef√ľhrt.

Auch das vom Arbeitgeber hervorgebrachte Argument des Rechtsmissbrauches wegen zu sp√§ter Geltendmachung konnte das Gericht nicht √ľberzeugen.

Arbeitgebern, die Mitarbeitende im Stundenlohn besch√§ftigen, wird empfohlen, die Arbeitsverh√§ltnisse auf die oben genannten Punkte hin zu √ľberpr√ľfen und allenfalls anzupassen. F√ľr weitere Fragen steht Mitgliedsfirmen von Swissmem Jan Krejci, Ressortleiter Bereich Arbeitgeberpolitik, zur Verf√ľgung.

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Letzte Aktualisierung: 31.05.2018