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Arbeitsunfähigkeit - Arztzeugnis - Vertrauensarzt

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Bei Abwesenheit infolge Krankheit oder Unfall hat der Arbeitnehmende Anspruch auf Lohn, sofern er seine Arbeitsunfähigkeit nachweisen kann. Als Beweis dient in der Regel ein Arztzeugnis. Doch was, wenn der Arbeitgeber dieses anzweifelt?

Das Arbeitsverh√§ltnis ist gepr√§gt vom Grundsatz ¬ęArbeit gegen Lohn¬Ľ. Im Umkehrschluss gilt, ohne Arbeit kein Lohn. In gewissen Situationen hat der Arbeitnehmende Anspruch auf Lohn, obwohl er nicht arbeitet, beispielsweise bei Arbeitsunf√§higkeit wegen Krankheit oder Unfall (Art. 324a OR). Beweispflichtig f√ľr die krankheitsbedingte (oder unfallbedingte) Arbeitsunf√§higkeit ist der Arbeitnehmende.

Arztzeugnis

Der Nachweis der Arbeitsunf√§higkeit erfolgt in der Regel durch Einreichen eines Arztzeugnisses. Das Arztzeugnis ist aber weder der einzige noch ein sakrosankter Beweis f√ľr die Arbeitsunf√§higkeit eines Mitarbeitenden und muss vom Arbeitgeber nicht in jedem Fall akzeptiert werden. Liegen objektive Anhaltspunkte oder sachliche Gr√ľnde vor, welche berechtigte Zweifel an der Richtigkeit des Arztzeugnisses aufkommen lassen, darf ein Arztzeugnis auch zur√ľckgewiesen werden. Solche Gr√ľnde liegen beispielsweise vor, wenn der Mitarbeitende unmittelbar im Anschluss an die Entlassung oder wiederholt w√§hrend und unmittelbar vor oder nach den Ferien erkrankt. Ebenfalls kritisch zu betrachten sind Arztzeugnisse, welche eine r√ľckwirkende Arbeitsunf√§higkeit √ľber eine l√§ngere Dauer (mehr als eine Woche) bescheinigen oder sonstige Ungereimtheiten aufweisen, die auf eine m√∂gliche F√§lschung hindeuten. Auch bei Hinweisen, dass der Mitarbeitende entgegen den Aussagen im Arztzeugnis gar nicht arbeitsunf√§hig ist (Bsp. Mitarbeitender wird trotz Grippe beim Joggen gesehen), muss ein solches nicht ohne weiteres akzeptiert werden.

Wie ist in einem solchen Fall vorzugehen? Zun√§chst sollte versucht werden, mit dem Mitarbeitenden das Gespr√§ch aufzunehmen und die kritischen Fragen zu kl√§ren. Weiter besteht die M√∂glichkeit den Arzt zu kontaktieren, welcher das Arztzeugnis ausgestellt hat. Zwar ist dieser an die √§rztliche Schweigepflicht gebunden und darf dem Arbeitgeber √ľber die Krankheit des Mitarbeitenden ohne dessen Einwilligung keine Auskunft geben. Er darf aber best√§tigen, ob √ľberhaupt und, wenn ja, zu welchem Zeitpunkt er das Arztzeugnis ausgestellt hat. Denn diese Angaben sind aus dem Arztzeugnis bereits ersichtlich. Der Mitarbeitende kann auch angefragt werden, ob er den Arzt vom Arztgeheimnis entbindet, so dass der Arbeitgeber die erforderlichen Informationen direkt beim Arzt einfordern kann. 

Vertrauensarzt

Lassen sich die Zweifel nicht ausr√§umen, kann der Arbeitgeber den Mitarbeitenden ‚Äď am besten m√ľndlich und schriftlich ‚Äď darauf hinweisen, dass er das Arztzeugnis nicht akzeptiert und ihn auffordern, unverz√ľglich den Vertrauensarzt aufzusuchen. Als Vertrauensarzt gilt ein beliebiger, gew√∂hnlicher Arzt, welcher vom Arbeitgeber bestimmt wurde, um die Arbeitsunf√§higkeit eines Mitarbeitenden zu beurteilen. Die Aufforderung und die Konsultation beim Vertrauensarzt haben so schnell als m√∂glich zu erfolgen. Denn gerade bei relativ kurzen Krankheitsf√§llen von wenigen Tagen bis zu einer Woche ist eine zeitnahe medizinische Untersuchung f√ľr eine fundierte Diagnose unabdingbar. Die r√ľckwirkende Beurteilung der Frage durch den Vertrauensarzt, ob die Diagnose des Zeugnis ausstellenden Arztes korrekt war, wird schwieriger, je l√§nger die Krankheit zur√ľckliegt.

Weigert sich der Mitarbeitende ‚Äď trotz Mahnung durch den Arbeitgeber ‚Äď den Vertrauensarzt aufzusuchen, kann sich der Arbeitgeber auf den Standpunkt stellen, dass der Mitarbeitende seine Arbeitsunf√§higkeit nicht nachweisen konnte und daher unentschuldigt von der Arbeit fernbleibt. In diesem Fall hat der Mitarbeitende keinen Anspruch auf Lohn. Auch eine K√ľndigung wegen Verlassens des Arbeitsplatzes kann in Betracht gezogen werden.

Findet eine Untersuchung beim Vertrauensarzt statt und kommt dieser zu einem anderen Ergebnis als der Arzt des Mitarbeitenden, ist es am Arbeitgeber zu entscheiden, welchem Zeugnis er den Vorzug gibt. Beide haben den gleichen Beweiswert. Gibt er dem Vertrauensarzt den Vorzug, hat der Arbeitgeber den Mitarbeitenden aufzufordern, die Arbeit unverz√ľglich wiederaufzunehmen. Erscheint der Mitarbeitende trotz 100%iger Arbeitsf√§higkeit nicht zur Arbeit, darf der Arbeitgeber die Lohnzahlungen aussetzen und/oder die K√ľndigung aussprechen.

Es gilt zu beachten, dass auch ein Vertrauensarzt an die √§rztliche Schweigepflicht gebunden ist und dem Arbeitgeber ‚Äď ohne Einwilligung des Mitarbeitenden ‚Äď keine √ľber das Arztzeugnis hinausgehenden Informationen zum Gesundheitszustand des Mitarbeitenden geben darf. Die Kosten f√ľr den Besuch beim Vertrauensarzt tr√§gt zudem der Arbeitgeber. Erfolgversprechender ist daher unter Umst√§nden, direkt auf den Mitarbeitenden und seinen Arzt zuzugehen und sie mit den Zweifeln am Arztzeugnis zu konfrontieren. Ebenfalls zu empfehlen ist ein Austausch mit den Versicherungen (Krankentaggeldversicherung und SUVA). Denn diese kl√§ren die Situation ebenfalls ab, bevor sie ihrerseits Leistungen erbringen.

F√ľr weitere Fragen steht Mitgliedfirmen von Swissmem Eva Bruhin, Ressortleiterin Bereich Arbeitgeberpolitik (e.bruhinnoSpam@swissmem.ch), gerne zur Verf√ľgung. 

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Letzte Aktualisierung: 29.11.2018