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Abwesenheitsmanagement bei Mitarbeitern mit krankem Kind

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F√ľr Arbeitgeber stellt sich immer wieder die Frage, wie die Absenzen von Mitarbeitern zu handhaben sind, deren Kind krank ist. Dieser Beitrag soll dazu dienen, den Arbeitgebern einen Leitfaden zu geben wie sie die Eltern, die um das Wohl ihrer Kinder besorgt sind, unterst√ľtzen k√∂nnen und wie sie sich gleichzeitig vor Missbr√§uchen sch√ľtzen k√∂nnen.

Artikel 20 Absatz 1 lit. h des Gesamtarbeitsvertrags der MEM Industrie (GAV) h√§lt fest, dass dem Mitarbeiter bei Absenzen ¬ęzur Pflege kranker, in Hausgemeinschaft lebender Familienmitglieder‚Ķ soweit die Pflege nicht anderweitig organisiert werden¬Ľ der Lohn bis zu 3 Tagen bezahlt werden muss. Diese Bestimmung gilt f√ľr jeden einzelnen Krankheitsfall und lehnt sich an zwei Gesetzesartikel:

  • Zum Einen ist dies Artikel 36 Absatz 3 Arbeitsgesetz (ArG) im Wortlaut: ¬ęDer Arbeitgeber hat Arbeitnehmern mir Familienpflichten gegen Vorlage eines √§rztlichen Zeugnisses die zur Betreuung kranker Kinder erforderliche Zeit im Umfang bis zu drei Tagen freizugeben¬Ľ.
  • Zum Anderen Artikel 324a des Obligationenrechts (OR), das dem Arbeitnehmer ein Anrecht auf Lohn zuspricht, wenn dieser ohne sein Verschulden an der Arbeitsleistung verhindert ist, zum Beispiel bei der Erf√ľllung gesetzlicher Pflichten ‚Äď namentlich bei der Elternpflicht, sich um ihre kranken Kindern zu k√ľmmern, wie dies in Artikel 276 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) festgehalten wird.

Unabhängig davon ob das Unternehmen den GAV anwendet oder nicht, muss es sich im konkreten Fall an das Gesetz halten.

In Artikel 20 Absatz 1 lit. h des GAV wird die Abwesenheit eines Elternteil mit ¬ębis zu 3 Tage¬Ľ definiert und nicht mit fix 3 Tagen. Diese Zeitspanne ist so festgelegt, um dem Arbeitnehmer Zeit zu geben, sich in einer Notsituation zu organisieren, sich um das kranke Kind zu k√ľmmern und m√∂glichst bald eine Betreuung durch Dritte zu gew√§hrleisten.  Hier ist nicht dir Rede von aussergew√∂hnlich schlimmen F√§llen, welche die Anwesenheit eines Elternteils erfordern (zum Beispiel bei einem Spitalaufenthalt des Kindes). Der Wortlaut von ¬ębis zu 3 Tage¬Ľ soll aber klar stellen, dass die Frist zur √úberbr√ľckung der ¬ęschlimmsten Zeit¬Ľ dienen soll. Die drei Tage m√ľssen deshalb nicht automatisch ausgesch√∂pft werden, wenn es m√∂glich ist, bereits vorher eine Drittpflege zu organisieren.

Der Schluss von Lit.  h (Artikel 20 GAV) stammt aus der Rechtsprechung und der Doktrin und stellt klar: ¬ęsoweit die Pflege nicht anderweitig organisiert werden kann¬Ľ. Nach Auffassung des Bundesgerichts (Bundesgerichtsurteil vom 7. April 1998, JAR 1999, 232) muss ein Arbeitnehmer beweisen, dass er keine M√∂glichkeit hatte, eine anderweitige Pflege zu organisieren. Der Arbeitnehmer muss auch aufzeigen k√∂nnen, dass beispielsweise die √ľbliche Kinderbetreuung nicht zur Verf√ľgung steht oder dass die Krankheit des Kindes seine Anwesenheit erfordert. In einem Unternehmen, in dem man sich auf ein funktionierendes Vertrauensverh√§ltnis st√ľtzen kann, werden solche Beweiserbringungen nicht immer verlangt. Jedoch bleibt sie Teil der Sorgfaltspflicht und der Treuepflicht des Arbeitnehmers gegen√ľber seinem Arbeitgeber und es kann auf jeden Fall ein Arztzeugnis verlangt werden.

Somit kann gesagt werden, dass das Abwesenheitsmanagement bei Mitarbeitern mit krankem Kind auf zwei Pfeilern beruht:

  • Bei Mitarbeitern, die regelm√§ssig wegen der Krankheit eines Kindes abwesend sind, k√∂nnen die Unternehmen in einem ersten Schritt das Reglement versch√§rfen und die obenerw√§hnten Beweise verlangen, wenn das Gespr√§ch mit dem Mitarbeiter zu keiner zufriedenstellenden L√∂sung gef√ľhrt hat. Bei offensichtlichem und wiederholtem Missbrauch, so dass beispielsweise die Organisation der Arbeit nicht mehr steuerbar wird, kann ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden.
  • F√ľr die Mehrzahl der Mitarbeiter, welche das Recht mit Bedacht in Anspruch nehmen, wird der Arbeitgeber f√ľr die Zeit, in der die Eltern die Betreuung des kranken Kindes organisieren, den Lohn ohne weiteres bezahlen. Dank der Unterst√ľtzung von Verwandten oder anderen Betreuungsangeboten, wie das Angebot vom Roten Kreuz oder verschiedenen Versicherungen, reichen normalerweise daf√ľr ein halber oder ein Tag oder aber je nach Fall bis zu h√∂chstens 3 Tagen.

In diesem Zusammenhang erinnert Swissmem an seine Partnerschaft mit Profawo (Pro family and care). F√ľr die Swissmem-Mitgliedfirmen ist das erste Beratungsgespr√§ch kostenlos. Profawo bietet f√ľr den Notfall ein Betreuungsangebot f√ľr kranke Kinder an. Unternehmen, die an diesem Angebot interessiert sind, werden gebeten, die Bedingungen direkt mit Profawo zu verhandeln.

Bei Fragen bez√ľglich des Management von Abwesenheiten wegen der Betreuung der kranken Kinder, steht der Bereich Arbeitgeberfragen den Swissmem-Mitgliedfirmen gerne zur Verf√ľgung. Wenden Sie sich bei allf√§lligen Fragen an Frau B√©atrice Martin-Flatin, Ressortleiterin Arbeitgeberpolitik (044 384 42 07 oder b.martin-flatinnoSpam@swissmem.ch). 

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Letzte Aktualisierung: 06.03.2017