Die Verhandlungen zum EFTA-Vietnam-Freihandelsabkommen sind abgeschlossen. Für Swissmem ist das ein erfreuliches und wichtiges Signal. Die Schweiz darf sich nicht auf einzelne Absatzmärkte und Partner beschränken. Die Exportindustrie braucht einen verlässlichen Zugang zu möglichst vielen Märkten, weil grosse Wirtschaftsräume ihre Handels- und Industriepolitik zunehmend an strategischen Interessen ausrichten. Die verschärften Stahlschutzmassnahmen der EU oder die schleppenden Verhandlungen mit den USA sind dafür schmerzliche Zeugnisse.
Vietnam hat das Potential zum Industriestandort von morgen zu werden
Vietnam gehört zu den spannendsten Wachstumsmärkten Asiens. Das Land zählt über 100 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, industrialisiert sich rasant und gewinnt auch als Alternative zum Produktionsstandort China an Bedeutung. Gleichzeitig verfolgt Vietnam ehrgeizige Entwicklungsziele: Bis 2030 will das Land den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen erreichen, bis 2045 zu einem Land mit hohem Einkommen aufsteigen und bis 2050 Netto-Null-Emissionen erzielen.
Schweizer Technologie ist gefragt
Für die Schweizer Tech-Industrie ist das hochrelevant. Vietnam braucht moderne Produktionsanlagen, Automatisierung, Energie- und Umwelttechnologien, Verkehrsinfrastruktur, Lösungen für Wasser- und Abfallwirtschaft sowie Know-how für Ausbildung und industrielle Qualität. Schweizer Unternehmen liefern hochwertige Produkte und helfen mit, Wertschöpfung aufzubauen, Prozesse effizienter zu machen sowie Infrastruktur widerstandsfähiger zu gestalten.
Asiens neuer Wachstumsmotor
Das Potenzial ist heute bereits sichtbar: 2025 exportierte die Schweizer Tech-Industrie Waren im Wert von rund 345 Mio. CHF nach Vietnam. Besonders wichtig sind Maschinen, Apparate und elektrotechnische Produkte sowie Mess-, Prüf- und Präzisionsinstrumente. In Vietnam sind zudem bereits über 100 Schweizer Unternehmen tätig, unter anderem im Maschinenbau und in den Bereichen der Präzisionsinstrumente, IT und Logistik.
Was das Abkommen der Tech-Industrie bringt
Der Weg zum Abkommen war lang. Die Verhandlungen zwischen der EFTA und Vietnam wurden 2012 lanciert und über zahlreiche Runden geführt. Für die Schweizer Tech-Industrie bringt das Abkommen konkrete Verbesserungen: Der Abbau von Zöllen auf den Grossteil der Industrieprodukte innert maximal 11 Jahren, klare Ursprungsregeln und Erleichterungen bei technischen Handelshemmnissen sowie Schutz des geistigen Eigentums schaffen neue Chancen für die Tech-Industrie. Für exportorientierte Unternehmen bedeutet dies mehr Planungssicherheit, tiefere Handelskosten und bessere Chancen im Wettbewerb mit Anbietern aus der EU, China und weiteren Märkten.
Abkommen bald zur Anwendung bringen
Nun sind eine baldige Unterzeichnung und eine rasche Ratifizierung zentral. Böse Überraschungen im Parlament oder von einzelnen Interessengruppen wären ein weiterer Schlag gegen die Tech-Industrie. Angesichts ihrer äusserst erfolgreichen Aussenwirtschaftspolitik sollte sich die Schweiz innenpolitisch nicht selbst Steine in den Weg legen.
