Startseite Wissen Unternehmensführung APAC 2026: Wo Schweizer Unternehmen der Tech-Industrie noch Wachstum finden können
Ansprechpartner  Adrian Vogel Adrian Vogel
Bereichsleiter Industriesektoren
+41 44 384 48 11 +41 44 384 48 11 a.vogelnoSpam@swissmem.ch
Teilen

APAC 2026: Wo Schweizer Unternehmen der Tech-Industrie noch Wachstum finden können

Asien-Pazifik bleibt das weltweit grösste Zentrum für industrielle Investitionen – aber die Landkarte hat sich verändert.

Mit Europa, das stockt, und China, das zunehmend eine Herausforderung darstellt, müssen sich Akteure der Schweizer Tech-Industrie genauer überlegen, wo im APAC-Raum noch Wachstum zu finden ist. Das Inkrafttreten des EFTA-Indien-Handelsabkommens, eine reifende «China+1»-Lieferkettenlogik und steigende Ausgaben für Automation in Südostasien gestalten die Chancenlandschaft neu.

Aktueller Stand: Ein schwieriges Jahr, eine ungleiche Region

2025 erwies sich als ein schwieriges Jahr für die Schweizer Tech-Industrie. Laut Swissmem stagnierten die Exportvolumen im Maschinenbau-, Elektro- und Metallsektor (+0.6 %) in den ersten drei Quartalen des Jahres. Das regionale Bild war aufschlussreicher: Die Exporte nach Asien sanken um 4.9 % und die Lieferungen in die USA fielen um 3.8 %, während der erneute Anstieg der Exporte in die EU (+2.9 %) der einzige nennenswerte Stabilisator war. Doch das Bild innerhalb des APAC-Raums ist alles andere als einheitlich.

Im Jahr 2025 zeichnete sich Indien erneut als der einzige bedeutende Wachstumsmarkt für die Schweizer Tech-Industrie aus, während die Exporte in die meisten anderen Regionen rückläufig waren. Asien bleibt ein bedeutendes Ziel für Schweizer Exporte und macht rund einen Viertel der gesamten Schweizer Warenexporte aus; zudem repräsentiert es weiterhin einen grossen Anteil an der globalen Nachfrage nach Investitionsgütern. Für die Schweizer Industrieunternehmen stellt sich die Herausforderung weniger darin, «ob APAC», sondern vielmehr darin, zu präzisieren, wo, für was und mit wem.



+0.6 % Exportwachstum der Schweizer Tech-Industrie im Jahr 2025

~ 25% von den schweizerischen Warenausfuhren gehen nach Asien

-4.9 % Exporte nach Asien


Der politische Rückenwind: EFTA – Indien TEPA

Die bedeutendste strukturelle Entwicklung für Schweizer Industrieexporteure in APAC ist das Handels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (TEPA) zwischen den EFTA-Staaten und Indien, das am 1. Oktober 2025 in Kraft trat. Nach sechzehn Jahren Verhandlungen ist TEPA das erste Freihandelsabkommen, das Indien mit einer europäischen Gruppe abgeschlossen hat – und es beinhaltet eine verbindliche Verpflichtung im Zusammenhang mit der Standortpromotion. Die EFTA-Staaten haben sich verpflichtet, in den nächsten fünfzehn Jahren ausländische Direktinvestitionen von 100 Milliarden USD in Indien zu erleichtern, verbunden mit der Schaffung von einer Million direkter Arbeitsplätze.

Für Schweizer Exporteure von Maschinen, Präzisionsinstrumenten und medizinischen Geräten liegt der Hauptvorteil in der Zollbefreiung oder schrittweisen Reduzierung für die überwiegende Mehrheit der industriellen Produktlinien in einem Markt mit 1.4 Milliarden Verbrauchern und historisch hohen Einfuhrzöllen. TEPA erleichtert auch den temporären Aufenthalt von technischem Personal für Installation und Wartung – ein praktischer Wegbereiter für Kapitalgüterlieferanten. Eine spezielle Indien-EFTA-Desk wurde als zentrale Anlaufstelle (Single-Window-Mechanismus) für EFTA-Unternehmen eingerichtet, die in Indien investieren.

Parallel dazu drängt Swissmem weiter auf die Ratifizierung der FHA mit Thailand und Malaysia sowie auf Aktualisierungen der bestehenden Abkommen mit China und Japan. Fortschritte in diesen Bereichen würden den Rahmen für Schweizer Exporteure in der gesamten Region weiter verbessern.

«Die Schweizer Technologiebranche agiert in einem anspruchsvollen Umfeld mit stagnierender Nachfrage in Europa und wachsendem Wettbewerbsdruck in China. APAC bietet weiterhin Wachstumspotenzial, aber der Erfolg hängt davon ab, Zielmärkte klar zu priorisieren, zuverlässige lokale Partnerschaften aufzubauen und vor Ort in Service- und Anwendungskompetenzen zu investieren.»

Adrian Vogel, Geschäftsleitungsmitglied und Bereichsleiter Industriesektoren, Swissmem


Wohin das Geld fĂĽr Automation fliesst

In der gesamten APAC-Region bleiben die Investitionen in die industrielle Automatisierung robust, allerdings haben sich die Treiber verändert.

China

In China hat sich die Initiative «Made in China 2025» zu einer konkreten Nachfrage nach hochwertiger, massgeschneiderter Technologie in den Bereichen Automobil, Luft- und Raumfahrt, neue Energien und Medizintechnik entwickelt – Segmente, in denen Schweizer Anbieter nach wie vor klare technische Vorteile haben. Gleichzeitig steigert Chinas Streben nach Eigenständigkeit die Compliance-Kosten und zwingt ausländische Anbieter dazu, ihre Go-to-Market-Strategien anzupassen.

SĂĽdostasien

Die «China+1»-These ist längst mehr als nur ein Schlagwort. Vietnam, Thailand, Malaysia, Indonesien und Indien nehmen reale Produktionsverlagerungen auf, insbesondere in den Bereichen Elektronik, Halbleiter, EV-Komponenten und Präzisionstechnik. Die Analyse des Trends legt nahe, dass die besten Chancen für Schweizer Zulieferer der Tech-Industrie weniger in der blossen Kapazitätserweiterung liegen, sondern vielmehr in den Qualitäts-, Energieeffizienz- und Automatisierungsverbesserungen, die diese neuen Produktionsstätten benötigen – genau die Bereiche, in denen Schweizer Technologie über Wert statt über den Preis konkurriert.

Japan und SĂĽdkorea

Japan und Südkorea bleiben derweil anspruchsvolle, aber lukrative Märkte für hochpräzise Komponenten, Werkzeugmaschinen und Nischenautomatisierung, wo bewährte Zuverlässigkeit und langfristige Servicepartnerschaften mehr zählen als der reine Preis.

 

Schweizer Positionierung: Qualität, Nischen, Nähe

Schweizer Industrieunternehmen setzen sich in der APAC-Region selten über den Preis durch. Sie überzeugen durch Präzision, Zuverlässigkeit, Prozess-Know-how und die Fähigkeit, ein spezifisches Kundenproblem besser zu lösen als alle anderen. Branchen, in denen sich dies heute bemerkbar macht, umfassen Werkzeugmaschinen und Werkzeugbau, Mess- und Prüftechnik, Medizintechnik, Ausrüstung für die Pharma-Produktion, Komponenten für die Energieerzeugung und das Stromnetz sowie spezialisierte Subsysteme für die Halbleiterfertigung.

Zwei praktische Lektionen zeigen sich immer wieder. Erstens ist das Gewinnen des ersten Kunden selten der schwierigste Teil – die Bereitstellung von zuverlässigem After-Sales-Service, Ersatzteilen und lokaler technischer Unterstützung ist der Bereich, in dem viele Expansionen scheitern. Zweitens ist die Auswahl des Partners wichtiger als die Anzahl der Partner: Ein einziger, sorgfältig gewählter Distributor oder Joint-Venture-Partner mit echtem Zugang zum Sektor übertrifft in der Regel ein breit gestreutes Netzwerk nach dem Giesskannenprinzip.

Wie Schweizer Unternehmen profitieren können

Für kleine und mittlere Unternehmen in der Schweizer Tech-Industrie gibt es drei Strategien, die sich im aktuellen Umfeld auszahlen. Erstens ist der bewusste Einsatz von TEPA ratsam: Produktportfolios im Hinblick auf den Zolltarif überprüfen, die Einhaltung der Ursprungsregeln prüfen und den Präferenzzugang von Anfang an in die Preisgestaltung für Indien einrechnen. Zweitens ist es sinnvoll, innerhalb der APAC-Region zu diversifizieren und diese nicht als einen einzigen Block zu behandeln – ein Standbein in Südostasien ergänzt zunehmend eine Präsenz in China, statt sie zu ersetzen. Drittens ist es entscheidend, frühzeitig in lokale technische und Service-Kompetenzen zu investieren, da die Nachfrage nach Dekarbonisierung, Energieeffizienz und digitalen Dienstleistungen seitens APAC-Kunden schnell steigt und nicht aus der Schweiz heraus bewältigt werden kann.

S-GE und die Swiss Business Hubs in der Region, eingebettet in das Schweizer diplomatische Netzwerk, können Schweizer Unternehmen entlang der gesamten Exportreise unterstützen – von der Marktanalyse und Strategieberatung bis hin zu Modellen für das Management von Vertriebspartnern und der praktischen Umsetzung vor Ort. Praktische Einstiegspunkte sind die Export-Workshops von S-GE und massgeschneiderte Market-Intelligence-Projekte für Unternehmen, die spezifische APAC-Chancen prüfen. Weitere Informationen sind auf s-ge.com verfügbar.

📌Verwenden Sie TEPA bewusst

ĂśberprĂĽfen Sie die Produktportfolios anhand des Zolltarifs, prĂĽfen Sie die Einhaltung der Ursprungsregeln und berĂĽcksichtigen Sie den bevorzugten Zugang in der Preisgestaltung fĂĽr Indien von Anfang an.

📌Diversifizierung innerhalb von APAC

Ein wachsendes Standbein in Südostasien ergänzt zunehmend eine Präsenz in China, anstatt sie zu ersetzen. Behandeln Sie die Region als mehrere unterschiedliche Märkte, nicht als einen einzigen Block.

📌Investieren Sie in lokale Kompetenzen

Die Nachfrage von APAC-Kunden nach Dekarbonisierung, Energieeffizienz und digitalen Dienstleistungen steigt schnell an und kann nicht aus der Schweizer heraus bedient werden.

«In einem zunehmend wettbewerbsintensiven globalen Umfeld stehen Schweizer Unternehmen vor mehr ausländischen Wettbewerbern als je zuvor. Es ist sinnvoll, Ihre Internationalisierungsstrategie neu zu bewerten und sich an diese externen Einflüsse anzupassen, indem Sie die richtigen Instrumente nutzen und auf gezielte Unterstützung zurückgreifen.»

Daniel Bont, Senior Consultant, Switzerland Global Enterprise


🎯Fazit

Die APAC-Region im Jahr 2026 ist nicht mehr die einfache Wachstumsgeschichte von vor einem Jahrzehnt, bleibt jedoch der weltweit grösste Pool für industrielle Investitionen – und das politische Umfeld für Schweizer Exporteure hat sich durch TEPA deutlich verbessert. Für Schweizer Unternehmen, die bereit sind, ihren Marktfokus zu schärfen, in lokale Servicekapazitäten zu investieren und den neuen Handelsrahmen mit Indien bewusst zu nutzen, bietet die Region nach wie vor grosses Potenzial für Wachstum.

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Letzte Aktualisierung: 05.06.2026