Das Freihandelsabkommen (FHA) zwischen der Schweiz/EFTA und den Mercosur-Staaten wurde im Herbst 2025 unterzeichnet. Bevor es in Kraft tritt, muss es von den Parlamenten aller EFTA- und Mercosur-Staaten ratifiziert werden. In der Schweiz wird die parlamentarische Beratung voraussichtlich im September 2026 abgeschlossen. Gegen das FHA wird von links-grünen Politikern möglicherweise das Referendum ergriffen.
Mercosur ist ein südamerikanischer Wirtschaftsraum mit Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay (Bolivien komm nächstens dazu). Mercosur umfasst mehr als 270 Millionen Menschen. In den Ländern besteht grosser Bedarf an moderner Infrastruktur, effizienter Energieübertragung und produktiveren Industrieanlagen. Für Schweizer Technologieunternehmen ist Mercosur deshalb ein wachsender Absatzmarkt mit erheblichem Potenzial – insbesondere für Maschinen, Präzisionstechnologie und nachhaltige Infrastrukturlösungen. Zudem bieten die Mercosur-Staaten wichtige Rohstoffe wie Lithium.
- Über 270 Mio. Menschen
So gross ist der potenzielle Absatzmarkt in den fünf Mercosur-Staaten. - 533 Mio. Franken
Waren in diesem Wert exportierte die Schweizer Tech-Industrie 2025 in die Mercosur-Staaten. - 10–16 % Zoll
So hoch sind die heutigen Zölle auf zahlreiche Industrieprodukte im Durchschnitt; Spitzenwerte erreichen bis zu 35 %. - 96 %
So gross ist der Anteil der Exporte der Schweizer Tech-Industrie, der dank dem neuen Freihandelsabkommen zollfrei wird. - 155 Mio. Franken pro Jahr
Auf diesen Betrag wird das Zolleinsparungspotenzial des Freihandelsabkommens für die gesamte Schweizer Wirtschaft geschätzt.
Bessere Bedingungen für die Schweizer Tech-Industrie
Das Freihandelsabkommen ist für die Schweizer Tech-Industrie – insbesondere für exportierende KMU – von grosser Bedeutung. 2025 exportierte die Branche Waren im Wert von rund 530 Millionen Franken in die Mercosur-Staaten. Dank FHA könnte dieser Wert verdoppelt werden!
Wichtige Schweizer Exportprodukte aus dem Industriebereich, die durch das Abkommen zollfreien Zugang in den Mercosur-Staaten erhalten, sind unter anderem:
- Maschinen
95,3% der Importe werden präferenziell behandelt, davon 95,0% zollfrei - Präzisionsinstrumente
96,5% der Importe werden präferenziell behandelt, davon 93,9% zollfrei - Elektrische Maschinen
92,1% der Importe werden präferenziell behandelt, davon 92,0% zollfrei
Über den reinen Zollabbau hinaus soll das FHA eine Plattform zur weiteren Handelsliberalisierung und zur Weiterentwicklung der Wirtschaftsbeziehungen bieten.
Schutz bei Import von Agrarprodukten
Da die Schweiz bereits Zölle für importierte Industrieprodukte abgeschafft hat, fallen die grössten Handelserleichterungen für die Mercosur-Staaten im Agrarbereich an. Unter anderem können Rindfleisch, Geflügelfleisch, Soja- und Erdnussöl, Futtergetreide oder Rotwein günstiger in die Schweiz importiert werden, wovon Konsumenten profitieren. Zum Schutz unserer Landwirtschaft sind die günstigeren Importe aber streng kontingentiert und machen nur einen Bruchteil des Schweizer Konsums aus, beim Schweinefleisch zum Beispiel nur 0.1%.
Die EU ist schon voraus
Da die EU im Januar 2026 ein eigenes Abkommen mit dem Mercosur unterzeichnet hat, ist das rasches Inkrafttreten des Schweiz/Efta-FHA mit Mercosur essentiell. Nur so kann verhindert werden, dass Schweizer Unternehmen gegenüber EU-Konkurrenten durch Zolltarife von bis zu 35% benachteiligt werden. «Wir verlieren sonst den Markt der Mercosur-Staaten», warnt Swissmem-Präsident Martin Hirzel im TecTalk
Schutz des geistigen Eigentums über TRIPS-Standard
Das Abkommen regelt zentrale Bereiche des geistigen Eigentums, einschliesslich Marken, Urheberrechte und der Rechtsdurchsetzung. Es schafft eine erhöhte Rechtssicherheit und sieht Schutzstandards vor, die teilweise über das TRIPS-Abkommen der WTO hinausgehen. Dies ist für die innovationsgetriebene Schweizer Wirtschaft von zentraler Bedeutung, um geistiges Eigentum in der Region wirksam abzusichern.
Institutionalisierter Dialog für künftige Verbesserungen
Um den Schutz des geistigen Eigentums kontinuierlich weiterzuentwickeln, haben die Vertragsparteien vereinbart, den Fachdialog aktiv fortzusetzen. Dies stellt sicher, dass das Abkommen dynamisch bleibt und auch künftig Anpassungen an technologische oder wirtschaftliche Entwicklungen vorgenommen werden können, um die Interessen der Schweizer Akteure zu wahren.


