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Beschaffungsprobleme bremsen den Aufschwung

Fast drei Viertel der Unternehmen der Schweizer MEM-Industrie leiden unter Lieferengpässen und steigenden Rohstoff- und Energiepreisen. Neben höheren Einkaufskosten bescheren diese Schwierigkeiten den Firmen längere Beschaffungsfristen und einen grösseren Planungsaufwand. Vor Mitte 2022 dürfte es kaum zu einer Entspannung kommen. Unter dem Strich verzögern diese Probleme die Erholung in der MEM-Industrie und vermindern die Margen. Die Politik kann die Industrie unterstützen, indem sie weiterhin global für Freihandel einsteht, die Revitalisierung der WTO sucht sowie neue Freihandelsabkommen abschliesst.

Die grosse Mehrheit der Unternehmen der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) profitierte in diesem Jahr von der starken Erholung der Weltkonjunktur. Die Auftragseingänge, Umsätze und Exporte stiegen teils kräftig an. Allerdings kam es in den vergangenen Monaten vermehrt zu Lieferengpässen. Auch die Rohstoff- sowie Energiepreise gingen massiv in die Höhe.  

Eine Swissmem Umfrage zeigt eindrücklich, wie gross die Beschaffungsprobleme tatsächlich sind. Fast drei Viertel der Unternehmen sind «sehr stark» oder «ziemlich stark» von diesen betroffen. Konkret fehlt es in jedem zweiten Industriebetrieb an Rohstoffen (insbesondere Metalle wie z.B. Aluminium, Kupfer, Stahl) sowie an Metallerzeugnissen wie Blech oder anderen Komponenten. Gar 60 Prozent klagen über Lieferengpässe bei Elektrotechnik respektive Elektronikkomponenten.

Wenig überraschend wirkt sich die Mangellage auf die Beschaffungspreise aus. 72 Prozent der Firmen müssen mehr für Metalle und Metallerzeugnisse bezahlen. Die Hälfte der Betriebe ist gezwungen, für Elektrotechnik und Elektronikkomponenten tiefer in die Tasche zu greifen. Hinzu kommt, dass sich für mehr als 50 Prozent der Unternehmen die Frachtkosten verteuert haben.

Neben höheren Einkaufskosten bescheren die Lieferengpässe den Firmen einen grösseren internen Planungsaufwand und längere Beschaffungsfristen. Aufträge sind zwar vielerorts genügend vorhanden, sie können aber nicht zeitgerecht abwickelt werden. Somit verzögert sich auch der Ertrag. Immerhin können zwei Drittel der Firmen die höheren Einkaufspreise an die Kunden überwälzen. Das bedeutet auch, dass ein Drittel der Betriebe diese Zusatzkosten selbst tragen müssen. Das geht unmittelbar zulasten der Margen.

Kaum Besserung vor Mitte 2022

Leider wird sich die Situation nicht so schnell normalisieren. Zwei Drittel der Firmen rechnen frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres oder gar erst im Verlauf des Jahres 2023 mit einer Besserung. Der zurzeit laufend stärker werdende Schweizer Franken vermag zwar die Preissteigerungen bei Importgütern ein wenig zu dämpfen. Dieser Effekt kann die Zusatzkosten aber niemals kompensieren. Vielmehr verstärkt sich der Druck auf die Margen, welche in vielen Industriebetrieben ohnehin schon tief sind.

Die Beschaffungsprobleme sowie die höheren Rohstoff- und Energiepreise sind somit eine grosse Herausforderung für die international stark vernetzte und exportorientierte Schweizer Industrie. Unter dem Strich verzögern die Beschaffungsprobleme die Erholung in der MEM-Industrie. Nach den diversen Krisen der letzten Jahre kann das durchaus frustrierend wirken. Vor diesem Hintergrund wirkt der Entscheid des Parlaments, die Industriezölle vollständig aufzuheben, wie Balsam. Auch wenn dieser Entscheid frühestens 2023 Wirkung zeigen wird, führt er zu einer Kostendämpfung bei importierten Vorprodukten. Generell muss die die Schweizerische Aussenwirtschaftspolitik weiterhin global für Freihandel einstehen, die Revitalisierung der WTO suchen sowie neue Freihandelsabkommen abschliessen. Das wären konkrete Verbesserungen der Rahmenbedingungen und eine wirksame Unterstützung der Schweizer Industrie.

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