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WEF 2026: Was jenseits der grossen Bühne zählt

Das diesjährige World Economic Forun (WEF) in Davos hat gezeigt: Die multilaterale Weltordnung gehört der Vergangenheit an. Für die exportorientierte Schweizer Tech-Industrie rücken Marktzugang, Planungssicherheit und geopolitische Realitäten stärker in den Fokus. Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher ordnet ein.

Was waren die drängendsten Themen für die Schweizer Tech-Industrie?

Stefan Brupbacher: Zunächst gilt es zu betonen: Für die Schweizer Tech-Industrie, die von global tätigen KMU getragen wird, entfaltet das WEF in Davos seine Wirkung nicht unmittelbar im operativen Geschäft. Entscheidend sind vielmehr die politischen und geopolitischen Impulse, die von dort ausgehen.

In diesem Sinn war der Auftritt von US-Präsident Donald Trump zentral. Seine Rede hat unmissverständlich gezeigt, dass die bisherige multilaterale Weltordnung faktisch beerdigt ist und zunehmend das Recht des Stärkeren gilt. Dieser Weckruf war absehbar – Swissmem warnt seit Jahren vor dieser Entwicklung. Mit der offen geführten Diskussion um Grönland dürfte diese Realität nun auch dem letzten Skeptiker klar geworden sein.

Der Tech-Industrie geht es in erster Linie nicht um die grossen weltpolitischen Weichenstellungen. Wir haben unsere Gespräche vor Ort deswegen konkreten Herausforderungen wie dem Abbau von Handelshemmnissen (etwa in Indien), dem Zugang zu wichtigen Absatzmärkten, der Absicherung von Investitionen sowie der Stabilität von Lieferketten gewidmet. Ebenso zentral waren Fragen der technischen Regulierung, Normen und Zertifizierungen, die zunehmend über Marktzugang entscheiden.

Konnten abseits der grossen PolitbĂĽhne greifbare Erfolge erzielt werden?

Zwei wichtige Fortschritte konnten wir fĂĽr die Schweizer Tech-Industrie erreichen. 

Erstens hat Indien mit der Aufhebung des BIS «Scheme X» eine zentrale technische Handelsbarriere abgebaut. Die bisher geltende Regelung verlangte fĂĽr zahlreiche Industrieprodukte aufwendige, teils doppelte KonformitätsprĂĽfungen. Ihre Abschaffung erleichtert den Marktzugang spĂĽrbar und stärkt das kĂĽrzlich in Kraft getretene EFTA–Indien-Freihandelsabkommen. In Gesprächen mit Secretary Amardeep Singh Bhatia (DPIIT) wurde von der Schweizer Seite erneut betont, wie wichtig die politischen Rahmenbedingungen in Indien sind. Ich glaube, ich konnte mit gutem Gewissen auf einem Panel sagen: 

“If you make swift and reliable decisions, you will have the hearts, minds and the money of the Swiss.” 

Der Ukraine-Roundtable hat zweitens gezeigt, dass beim Wiederaufbau ein konkreter Bedarf an Schweizer Technologie besteht – insbesondere in den Bereichen Energieinfrastruktur, Wasseraufbereitung und -verteilung, Verkehr und Logistik sowie Industrieanlagen und Planung. Damit sich eine breite Basis von Schweizer Unternehmen engagieren kann, ist der Abschluss des Staatsvertrags entscheidend. Swissmem setzt seine Arbeit fort, die Schweizer Tech-Industrie gezielt mit öffentlichen Stellen und internationalen Partnern zu vernetzen und konkrete Projekte zu ermöglichen.

Wo steht die Schweizer Tech-Industrie in der geopolitischen Gemengelage nach diesem Treffen von Politik- und Wirtschaftsgrössen aus aller Welt?

Das WEF 2026 hat sehr deutlich gemacht, dass wir uns in einer Ăśbergangsphase der globalen Ordnung befinden: weg von einer regelbasierten, multilateralen Welt hin zu Blockbildung, Machtpolitik und wirtschaftlicher Regionalisierung. FĂĽr die Schweiz als exportorientiertes Hochtechnologieland ist das eine anspruchsvolle, aber nicht aussichtslose Ausgangslage.

Die Schweiz steht geopolitisch zwischen den Machtblöcken, ohne selbst einer zu sein. Genau darin liegt aber auch ihre Stärke. Unsere Tech-Industrie ist weltweit vernetzt, innovationsstark und in globale Wertschöpfungsketten eingebunden. Sie ist auf offene Märkte, verlässliche Regeln und stabile Partnerschaften angewiesen. Das WEF hat gezeigt: Diese Rahmenbedingungen sind keine Selbstverständlichkeit mehr.

FĂĽr die Schweizer Tech-Industrie bedeutet das dreierlei:

  • Marktzugang entscheidet ĂĽber Wettbewerbsfähigkeit: Offene Märkte und funktionierende Freihandelsabkommen sind zentral. Die Schweiz muss mit einer diversifizierten Freihandelsstrategie auf verschiedenste Märkte setzen.
  • Planungssicherheit wird zum raren Gut: Unternehmen brauchen stabile und berechenbare Rahmenbedingungen bei Marktzugang, Regulierung und Handel, um Investitionen, Lieferketten und Produktionsstandorte sinnvoll zu planen. Das wird zunehmend schwierig.
  • Industriepolitische Entscheidungen gewinnen an Gewicht: Sicherheit, Energie, Infrastruktur und technologische Souveränität rĂĽcken immer stärker in die Einflusssphäre von Regierungen. Die Tech-Industrie kann sich in diesen Spannungsfeldern geschickt bewegen.

Wie geht es weiter?

Diese Frage lässt sich – wenig ĂĽberraschend – nicht in wenigen Sätzen beantworten. Wir widmen uns deswegen dem geo- und wirtschaftspolitischen Ausblick am diesjährigen Swissmem Industrietag: 

Als kleiner Fisch im grossen Teich der Weltwirtschaft zeigt die Schweiz, dass Stärke nicht von der Grösse abhängt – sondern von Agilität, Innovationskraft und Ausdauer.

Unter dem Titel «Zwischen Mächten und Märkten» findet der Industrietag am 23. Juni 2026 im Congress Center in Basel statt.

Der Industrietag wirft ein vielfältiges Schlaglicht auf das Nebeneinander von gross und klein: Im Zentrum steht einerseits das Zusammenspiel von KMU, Grossunternehmen und Start-ups – von Innovationskraft bis zu Skaleneffekten, von Ressourcenknappheit bis Marktmacht. Anderseits wird die Rolle der Schweiz als erfolgreicher Kleinstaat im Spannungsfeld globaler Grossmächte beleuchtet.

👉 Die Anmeldung ist ab Anfang Februar geöffnet. 

Sichern Sie sich Ihren Platz und erleben Sie wie wirtschaftliche Stärke im Kleinen entsteht – und welche Strategien Schweizer Unternehmen in einem komplexen globalen Umfeld erfolgreich machen.

Wir wĂĽrden uns sehr ĂĽber Ihre Anmeldung freuen und Sie persönlich am Industrietag in Basel begrĂĽssen zu dĂĽrfen. 

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Letzte Aktualisierung: 30.01.2026