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China: Wichtige Modernisierung des Freihandelsabkommens vorantreiben

China ist die zweitgrösste und damit eine der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt. Als unser drittwichtigster Handelspartner ist China ein zentraler Absatz- und Beschaffungsmarkt für die Schweizer Tech-Industrie. Das seit 2014 bestehende Freihandelsabkommen (FHA) verschafft hiesigen Unternehmen zwar wichtige Zollvorteile und Rechtssicherheit, noch sind aber Hochpräzisionsprodukte wie Werkzeugmaschinen nicht von Zöllen befreit: Eine Zollbelastung von mehr als 10 Prozent stellt einen massiven Nachteil dar. Swissmem setzt sich daher mit Nachdruck für eine Modernisierung des Abkommens ein, um diese Hürden abzubauen. Alle Industrieerzeugnisse, die vor 10 Jahren in der Kategorie D von Zollzugeständnissen ausgenommen wurden – insbesondere der HS-Kapitel 72 bis 90 (Tech-Industrie) – sollen zollbefreit werden.

Status Handelsbeziehung
Freihandelsabkommen in Kraft seit 1. Juli 2014
Laufende Gespräche zu Modernisierung

Handelserleichterung
Schrittweiser Abbau von Zöllen auf Industrieprodukte; ca. 95 % des Exportvolumens sind zollbegünstigt

Exporte der Tech-Industrie 2025 
4'446,9 Mio. CHF

Vertragspartner 
Schweiz - China

Aktualität
Modernisierung dringend notwendig; Liste der Verhandlungsthemen wurde im Januar 2024 finalisiert
Link

 

Im Rahmen der Modernisierung des Freihandelsabkommens stehen zukunftsorientierte Themen wie die digitale Wirtschaft und grüne Transformation im Mittelpunkt. Gespräche zwischen einer schweizerischen und chinesischen Delegation sowie zentralen Wirtschaftsakteuren, darunter Swissmem, im April 2026 in Bern unterstreichen dieses Ziel: Die Zusammenarbeit unter anderem in der Präzisionsfertigung soll weiter institutionalisiert werden. Auch die chinesische Seite scheint sehr an einer raschen Aktualisierung des Abkommens interessiert zu sein.

Sobald ein Verhandlungsergebnis vorliegt, muss der Vertrag den parlamentarischen Ratifizierungsprozess durchlaufen und untersteht anschliessend dem fakultativen Referendum. Aufgrund der omnipräsenten Debatte rund um Menschenrechte in China ist mit einem Referendum aus links-grünen Kreisen gegen die Modernisierung des FHA zu rechnen.

Ein Schlüsselmarkt für Export und Wertschöpfung

Die Schweiz nahm gegenüber China früh eine Vorreiterrolle ein und verfügte als erstes europäisches Land über ein umfassendes FHA mit dem Reich der Mitte. Für die Schweizer Tech-Industrie ist dieser Vertrag das Fundament für gute Handelsbeziehungen. Er verschafft unseren Unternehmen einen relativen Preisvorteil gegenüber Konkurrenten aus der EU oder den USA, die bisher nicht über vergleichbare Abkommen verfügen.

Konkrete Vorteile: Kostensenkung und Rechtssicherheit 

Das Abkommen reduziert die Hürden für den Export massiv – mehr als 90 Prozent der Produkte der Tech-Industrie sind vollständig von Zöllen befreit. Neben den finanziellen Aspekten stärkt das FHA die Rechtssicherheit: Es bietet einen klaren Rahmen für den Schutz von Patenten und Marken, was für die innovationsgetriebene Industrie im Umgang mit chinesischen Partnern unerlässlich ist.

Navigieren in geopolitischen Spannungsfeldern

Der Handels- und Technologiekonflikt zwischen den USA und China hat ein Geflecht teils widersprĂĽchlicher, extraterritorial wirkender Gesetze geschaffen. Schweizer Unternehmen laufen Gefahr, zwischen US-Sanktionslisten und chinesischen Anti-Sanktionsgesetzen aufgerieben zu werden. In diesem geopolitischen Spannungsfeld setzt sich Swissmem fĂĽr gute Beziehungen zu beiden fĂĽr die Tech-Industrie wichtigen Handelspartnern ein. 

Die Branche selbst überzeugt mit qualitativer und technologischer Unverzichtbarkeit: Schweizer Firmen besetzen mit Spitzenprodukten in der Sensorik, Automatisierung und im Maschinenbau kritische Nischen in globalen Lieferketten. Diese punktuelle technologische Führerschaft sowie eine pragmatische Aussenpolitik sind der Schlüssel zum Erfolg für einen exportorientierten Kleinstaat wie die Schweiz. Zudem tragen Unternehmen mit ihrer Präsenz vor Ort und mit fairen Arbeitsbedingungen dazu bei, westliche Standards und Werte direkt im chinesischen Markt zu verankern.

 

Warum braucht das bestehende FHA eine Modernisierung?

Das Abkommen von 2014 deckt nicht alle Bereiche ab. Besonders schmerzhaft ist die Zollbelastung von ca. 10 Prozent auf Schweizer Hochpräzisions-Werkzeugmaschinen, die unsere Hersteller benachteiligt. Eine Modernisierung strebt die Schliessung von Lücken an. Es fehlen unter anderem auch moderne Regelungen zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Investitionsschutz, Wettbewerbsbedingungen und vor allem modernere Ursprungsregeln.

China: mehr Schein als Sein?

Es wäre ein riskanter Trugschluss, Chinas Stärken lediglich auf die rasche Industrialisierung oder die kostengünstige Skalierung bestehender Technologien zu reduzieren. Das Land hat sich längst zum Technologieführer in kritischen Zukunftsmärkten entwickelt: So hat die chinesische Marke BYD Tesla beim weltweit grössten Absatz von Elektroautos überholt, und auch in der Fotovoltaik besetzt die chinesische Industrie die Weltspitze. In der Künstlichen Intelligenz spielt das Land – etwa mit leistungsstarken Modellen wie «Deepseek» – in der obersten Liga und strebt nun konsequent die globale Führung in der Quantentechnologie an. Dieser technologische Aufstieg ist das Ergebnis einer langfristigen staatlichen Planung. Mit der 2015 beschlossenen Strategie «Made in China 2025» investiert die Regierung immense Summen in zehn definierte Schlüsseltechnologien, darunter Robotik sowie Luft- und Raumfahrt. Erklärtes Ziel ist es, zunächst technologisch mit den führenden Industrienationen gleichzuziehen und bis zum Jahr 2049 als führende Industriemacht die Weltspitze zu besetzen.

Was bedeutet das fĂĽr die Schweizer Tech-Industrie?

Für die Schweizer Tech-Industrie heisst das: Der Wettbewerb mit China findet vor allem dort statt, wo Effizienz, Geschwindigkeit und Skalierung entscheidend sind. Die Stärke der Schweizer Unternehmen liegt besonders in hochspezialisierten Lösungen, in Qualität, Präzision, Systemkompetenz, Innovationskraft – kurz: in anspruchsvollen Nischen. China bleibt somit ein zentraler Markt und zugleich ein anspruchsvolles Wettbewerbsumfeld. Wer dort erfolgreich sein will, braucht eine klare Strategie: technologische Differenzierung, Schutz des eigenen Know-hows und ein realistisches Verständnis dafür, wo China führend ist – und wo nicht.

Wie steht es um die Seltenen Erden aus China?

Im Oktober 2025 kündigte China drakonische neue Exportkontrollen für Seltene Erden an, setzte diese jedoch nach einem diplomatischen Gipfel bis zum 10. November 2026 aus. Trotz dieser Atempause bleibt die Lage angespannt, da die bereits im April 2025 eingeführten Lizenzpflichten für strategische Metalle wie Dysprosium und Terbium weiterhin voll in Kraft sind. Schweizer Firmen müssen daher seit über einem Jahr für viele Lieferungen langwierige Endverbleibserklärungen beim chinesischen Handelsministerium (MOFCOM) einreichen. Auch zeigte eine Umfrage unter unseren Mitgliedern im April 2026, dass trotz der versprochenen Erleichterungen immer noch mehr als 40 Prozent der Unternehmen negativ von den chinesischen Exportbeschränkungen betroffen sind. Diese Probleme wurden von Swissmem an die chinesische Seite herangetragen. Es bleibt zudem unklar, ob China die ausgesetzten Regeln nach Ablauf der Frist wieder als politisches Druckmittel reaktiviert.

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Letzte Aktualisierung: 22.04.2026