Die Schweiz und China haben in Peking das modernisierte Freihandelsabkommen (FHA) unterzeichnet. Swissmem-Präsident Martin Hirzel wohnte der Unterzeichnung bei. Für die Schweizer Tech-Industrie ist die Modernisierung ein grosser Schritt: Das seit 2014 bestehende Abkommen bietet zwar wichtige Zollvorteile, doch gerade bei Hochtechnologieprodukten bestehen weiterhin erhebliche Hürden. Deren Abbau verbessert den Zugang zu einem wichtigen Markt und beseitigt einen Nachteil gegenüber Konkurrenten mit fortschrittlicheren Freihandelsabkommen, wie Singapur oder Südkorea.
«China ist für die Schweizer Tech-Industrie nicht nur ein Markt, sondern auch ein Seismograf für die eigene Wettbewerbsfähigkeit: Wer in China erfolgreich sein will, muss mit den chinesischen Unternehmen bezüglich Geschwindigkeit, Skalierung und Technologie mithalten können. Wir werden China nicht mit chinesischen Rezepten schlagen, sondern indem wir unsere eigenen Stärken bezüglich Qualität und Innovationskraft mit mehr Tempo, Kundennähe und Serviceorientierung verbinden», sagt Swissmem Präsident Martin Hirzel.
Substanzieller Zollabbau für Maschinen und Präzisionsprodukte
Mit Inkrafttreten des modernisierten Abkommens sollen mittelfristig 99,8 Prozent der Schweizer Exporte zollfrei nach China gelangen können, gegenüber heute 53,6 Prozent. Besonders profitieren Maschinen und Präzisionsinstrumente. Für die Schweizer Tech-Industrie haben die verbleibenden Zollhürden ein erhebliches Gewicht: Die bislang nicht zollbefreiten fünf Prozent der Zolltariflinien machen 14 Prozent ihrer Exporte nach China aus. Neben dem Zollabbau bringt das modernisierte Abkommen zeitgemässe Ursprungsregeln, Handelserleichterungen und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen. Damit verbessert es die Voraussetzungen für Schweizer Unternehmen, sich im anspruchsvollen chinesischen Markt zu behaupten. Davon profitieren insbesondere exportierende KMU.
Starkes Bekenntnis zu Arbeits- und Umweltstandards
Auch die Nachhaltigkeit wird verbindlich gestärkt: China verpflichtet sich erstmals in einem FHA zur Achtung grundlegender Arbeitsrechte, einschliesslich des Verbots von Zwangs- und Kinderarbeit. Die Umweltbestimmungen sind Chinas bisher ambitionierteste in einem Handelsabkommen und umfassen die Umsetzung des Pariser Klimaübereinkommens. Hinzu kommen Bestimmungen zu verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln mit Bezug auf die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Expertenpanels können Streitfragen zu Umwelt und Arbeit prüfen und Empfehlungen abgeben.
Chancen nutzen – Abkommen rasch ratifizieren
China ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor und ein bedeutender Markt für Schweizer Produkte und Dienstleistungen. Wer an dieser wirtschaftlichen und technologischen Dynamik teilhaben will, braucht einen verlässlichen Marktzugang. Das modernisierte Freihandelsabkommen stärkt diesen Zugang. Dabei gilt es, die Chancen mit Augenmass zu nutzen: Der Wettbewerb ist intensiv, die Spiesse nicht immer gleich lang. Der Schutz von Wissen und Technologie bleibt deshalb wichtig. Als Teil eines breiten Freihandelsnetzes eröffnet das Abkommen zusätzliche Absatzmöglichkeiten und hilft, einseitige Abhängigkeiten zu verringern. Mit der Stärkung auch von Arbeits- und Umweltstandards sollten alle Seiten über das Verhandlungsresultat erfreut sein und sich mit Swissmem für eine rasche Ratifikation einsetzen.
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