134'000 Quadratkilometer – das entspricht etwa der vierfachen Fläche der Schweiz. So gross ist das Gebiet in der Ukraine, das mutmasslich vermint ist. Für Philipp von Michaelis ist diese Zahl nicht abstrakt. Sie ist Alltag: Der Mitbegründer der Schweizer Firma Global Clearance Solutions GCS ist seit zwanzig Jahren in der Minenräumung. Dazu gekommen ist er, wie er selbst sagt, «ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind». Keinen militärischen Hintergrund, keine unternehmerische Familientradition. Und dennoch: Als sich vor zwei Jahrzehnten die Gelegenheit bot, eine Technologie zu übernehmen und eine Firma aufzubauen, griff er zu. Heute beschäftigt GCS rund 200 Mitarbeitende und erwirtschaftet 60 bis 70 Millionen Franken Jahresumsatz.
Keiner betritt das Minenfeld
Sein Flaggschiff ist der GCS 200: Ein ferngesteuertes, gepanzertes Fahrzeug, das mit verschiedenen Anbaugeräten bestückt werden kann und so als Plattform dient: Fräsen, Schlegeln, Detektionssysteme. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Minenräumung, wie von Michaelis im TecTalk anhand eines Videos erklärt: Kein Mensch betritt das Minenfeld. Stattdessen wird jeder Quadratzentimeter Boden bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern mechanisch bearbeitet. Trifft die Maschine auf eine Mine, detoniert sie. Der offene Korbbau der Fräse lässt die Druckwelle entweichen, der Schaden bleibt minimal.
GCS ist kein reiner Gerätehersteller. Das Unternehmen liefert das Gesamtpaket: Technologie, Ausbildung, Wartung, lokale Infrastruktur. In der Ukraine hat GCS in den letzten Jahren eine weitgehend autonome Struktur mit lokalem Personal aufgebaut.
Apolitisch – und doch mittendrin
Auch in Syrien ist die Firma aktiv – kurz nach dem Machtwechsel, der das Land neu ordnet. Von Michaelis beurteilt das nüchtern: «Man darf positiv überrascht sein, was die neue Führung da in kurzer Zeit schon erreicht hat.» Er selbst nennt sich und GCS «apolitisch», obwohl «das Geschäft ist natürlich sehr politisch» ist. Kunden sind Regierungen, die UNO, NGOs, aber auch kommerzielle Unternehmen, die Infrastruktur wiederaufbauen wollen.
Was treibt ihn an? Von Michaelis gibt eine ehrliche Antwort: «Wir sind Unternehmer.» Den Purpose – Menschenleben zu retten – nennt er einen Bonus, der die Arbeit einfacher macht. Eine Welt ohne Kriege wünscht er sich, erwartet sie aber nicht. Bis dahin, sagt er im TecTalk, werde ihm die Arbeit nicht ausgehen.
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